Astronauten Behnken und Hurley in der Kasel des SpaceX-Raumschiffs | AFP

SpaceX-Rakete gestartet Unterwegs zur ISS

Stand: 31.05.2020 11:28 Uhr

Die Zeit der Abhängigkeit von Russland soll vorbei sein: Nach dem Start ist eine amerikanische Falcon-9-Rakete auf dem Weg zur ISS. Die NASA und SpaceX bejubeln den Erfolg und denken schon weiter.

 Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

Das Wetter hatte es wieder spannend bis zum Schluss gemacht. Sie sei sich jedenfalls am Morgen überhaupt nicht sicher gewesen, ob das was werden könnte, sagte die zuständige NASA-Managerin Kathy Lueders.

Julia Kastein ARD-Studio Washington

Erst eine halbe Stunde vor dem Start hatten sich Wolken und Gewitter verzogen, und die beiden Astronauten Doug Henley und Bob Behnken konnten abheben: zum ersten bemannten Testflug mit Equipment, das von den hippen Raumanzügen bis zu Kapsel und der Rakete von einem kommerziellen Unternehmen entwickelt worden war.

Große Worte nach erfolgreichem Start

18 Jahre hatte SpaceX-Gründer Elon Musk für die Erfüllung dieses Traums gearbeitet. Entsprechend rang er auch noch Stunden nach dem erfolgreichen Start um Fassung und Worte. Nicht nur er - die ganze Menschheit könne stolz sein auf diese Errungenschaft. 

NASA-Chef Jim Bridenstine beschwor die einigende Begeisterung für die Raumfahrt, vor allem an einem Tag, in dem in den USA überall Menschen gegen Polizeigewalt und Rassismus demonstrierten. Ganz Amerika - glaube er - habe innegehalten, um den Start zu verfolgen.

Mitfahrtgelegenheit nicht mehr erforderlich

Für die NASA und SpaceX läutet dieser Testflug den Beginn einer neuen Ära ein: der kommerziellen bemannten Raumfahrt. Schon ab dem kommenden Jahr soll SpaceX quasi alle Linienflüge zur Internationalen Raumstation übernehmen. Für die US-Raumfahrt hat das den Vorteil, nicht länger auf die Mitfahrgelegenheiten bei den Russen angewiesen zu sein.

Drei Milliarden US-Dollar hat die NASA schon in die Crew Dragon investiert, und sie wird auch künftig für die Sitzplätze ihrer Astronauten bezahlen. Das Geschäftsmodell habe sich gelohnt, sagt NASA-Chef Bridenstine. Die Kosten seien gesunken, und es sei nun auch für andere Unternehmen einfacher, einzusteigen. Er jedenfalls hoffe, dass die NASA nicht der einzige Kunde von SpaceX bleibe.

19 Stunden dauert der Flug zur Internationalen Raumstation. Wie lange die beiden Astronauten dort bleiben werden, steht noch nicht fest, maximal wohl vier Monate.

Musk denkt ohnehin in längeren Zeiträumen. Der Flugbetrieb zur ISS ist für den Tesla-Chef der erste Schritt zu interplanetarem Leben: Die Besiedlung des Mars und anderer Planeten, das sei das Ziel an dem jeder mitarbeiten solle. Leben jenseits der Erde.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 30. Mai 2020 um 23:29 Uhr sowie am 31. Mai 2020 MDR Aktuell um 10:07 Uhr.