Die SpaceX Falcon 9 mit der Inspiration4 Crew an Bord startet in Cape Canaveral, Florida. | AFP

Touristen alleine im All "Inspiration 4" schreibt Geschichte

Stand: 16.09.2021 08:02 Uhr

Nach Branson und Bezos ist der nächste Milliardär ins All gestartet. Jared Isaacman und drei weitere Passagiere umkreisen mehrere Tage lang die Erde - die erste All-Mission ohne Profi-Astronaut.

Von Franziska Hoppen, ARD-Studio Washington

Besser hätten die Bedingungen für einen Start am Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida wohl kaum sein können: sternenklarer Himmel, kaum Wind. Der Livestream vom Weltraumunternehmen SpaceX zeigt begeisterte Wissenschaftler und Ingenieure und vier erstaunlich entspannte Weltraumtouristen, angeschnallt in einer futuristischen Kapsel.

Franziska Hoppen ARD-Studio Washington

Alle Tests laufen nach Plan. Fast auf die Minute genau hebt die "Falcon9"-Rakete mit der kleinen "Dragon"-Kapsel darauf ab. Nach wenigen Minuten löst sich die Rakete und landet wieder auf der Erde. Die Kapsel ist im Orbit angekommen. Die Mission "Inspiration 4" hat begonnen.

Am Boden ist der Jubel ohrenbetäubend. Auch, weil es ein in vielerlei Hinsicht historischer Flug ist. Zum ersten Mal in der Geschichte der bemannten Raumfahrt sind keine professionellen Astronauten, sondern vier ganz normale Menschen im All unterwegs - allein.

Wettbewerbs-Gewinnerin an Bord

Mit an Bord ist die erste schwarze Raumschiff-Pilotin, Sian Proctor, die ihren Sitz durch einen Wettbewerb gewann. Die 51 Jahre alte Professorin für Geologie ist mächtig stolz, wie sie dem Fernsehsender CNN wenige Tage vor dem Start sagte. Schon zwei Mal war sie Astronauten-Kandidatin für die NASA, wurde aber abgelehnt. "Es geht darum, deine Träume nicht aufzugeben, Widerstandskraft zu haben und Entschlossenheit", sagte Proctor.

Mit an Bord ist auch die jüngste Amerikanerin, die jemals ins All flog, die 29-jährige Hayley Arcenaeaux. Heute arbeitet sie als Arztassistentin in einem Krankenhaus. Als Kind überlebte sie Knochenkrebs. Sie scherzte im Fernseh-Interview: "Ich schrieb meinem Orthopäden und sagte: 'Demnächst kannst du damit angeben, dass DU ein künstliches Gelenk ins All gebracht hast.'" Mit Hayley fliegt also auch die erste Prothese ins All.

Den dritten Platz in der Kapsel hat Christopher Sembroski gewonnen, ein 41-jähriger Veteran und Ingenieur.

Teurer Kurztrip: 200 Millionen Dollar

Bezahlt hat das Ganze Passagier vier, Unternehmer und Milliardär Jared Isaacman. Die genaue Summe ist unbekannt. Experten schätzen: Rund 200 Millionen Dollar dürfte ihn der Ausflug gekostet haben. Aber: Isaacman hat eine Mission: "Wir müssen das gut hinkriegen", sagte er CNN, "damit die Tür für die nächsten Missionen offen bleibt. Isaacmann will, dass das Weltall allen Menschen zugänglich wird - auch den Nicht-Milliardären. Dieser dreitägige Flug soll einen Grundstein dafür legen.

Doch auch wenn es in der Bevölkerung durchaus Begeisterung für die Erfolge der Milliardäre und für Weltraum-Tourismus gibt: Einige kritische Stimmen, etwa von US-Senator Bernie Sanders, finden, die Milliarden Dollar seien auf der Erde zurzeit besser angelegt. Und auch die Unmengen Treibstoff, die bei Raketenstarts verbraucht werden sowie der Stromverbrauch für die Treibstoff-Herstellung bereiten Kritikern Sorge - auch wenn es im Moment nur sehr wenige Raketenstarts sind.

Weltraumunternehmen wie Virgin Galactic, Blue Origins und Space X stellen als Begründung für ihre Flüge jedoch den Nutzen für die Forschung in den Vordergrund. Die Crew Mitglieder der "Inspiration 4" werden in den nächsten drei Tagen medizinische Tests durchführen, sich zum Beispiel Blut abnehmen und ihre Mikrobiome analysieren.

Unterstützung der NASA

Außerdem arbeite SpaceX nach eigenen Angaben eng mit der Raumfahrtbehörde NASA zusammen. Die Wissenschaftler der NASA könnten vom Weltraumtourismus profitieren, um ihre Astronauten und Equipment günstiger und einfacher zwischen Erde und Internationaler Raumstation ISS hin und her zu transportieren.  

Die "Dragon"-Kapsel wird die nächsten drei Tage mit 30.000 Kilometern pro Stunde um die Erde rasen und sie alle 90 Minuten umrunden, bevor sie vor der Küste Floridas landet. Das Besondere: Die Passagiere fliegen nicht nur länger, sondern auch höher als die Raumschiffe der Milliardäre Jeff Bezos und Richard Branson vor einigen Wochen, höher sogar als die ISS.

Für die Crew dürfte dabei spannend sein, dass sie außerdem mit dem wohl besten Badezimmer-Ausblick in der Geschichte fliegen. Über der Toilette hängt eine Glaskuppel mit 360-Grad-Ausblick.

Dieser Beitrag lief am 16. September 2021 um 13:22 Uhr im Deutschlandfunk.