Ein Foto der inhaftierten iranische Frauenrechtlerin Nasrin Sotoudeh. |

Iranische Menschenrechtlerin Sotoudeh wieder im Gefängnis

Stand: 03.12.2020 15:56 Uhr

Knapp einen Monat war Irans Menschenrechtsaktivistin Sotoudeh im Hafturlaub. Doch ausgerechnet an dem Tag, an dem sie mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wird, muss die mit Corona Infizierte zurück ins Gefängnis.

Ihr Hafturlaub wurde trotz ihres schlechten Gesundheitszustands nicht verlängert: Die iranische Menschenrechtlerin Nasrin Sotoudeh ist wieder im Gefängnis. In einer Erklärung auf der Facebook-Seite ihres Ehemannes Resa Khandan gab die 57-Jährige bekannt, dass sie in die Frauenanstalt Gharchak zurückkehren werde. Zuvor hatte Khandan auf Twitter mitgeteilt, dass die Justiz die Anweisungen der Ärzte, die ihren Hafturlaub um zwei Wochen verlängert hatten, ignoriert habe. Von offizieller Seite gab es keine Stellungnahme.

Haft wegen "staatsfeindlicher Propaganda"

Sotoudeh ist eine der bekanntesten Menschenrechtsanwältinnen im Iran - und seit heute Trägerin des Alternativen Nobelpreises, den die Right-Livelihood-Stiftung ihr in Abwesenheit verleiht. Seit 2018 sitzt sie im Gefängnis. Ein Revolutionsgericht verurteilte sich wegen "staatsfeindlicher Propaganda" zu 33 Jahren Haft und 148 Peitschenhieben. Von der Haft muss sie mindestens zwölf Jahre absitzen.

Sotoudeh hatte vor Gericht alle Vorwürfe zurückgewiesen. Sie engagiere sich lediglich friedlich für Frauenrechte und gegen die Todesstrafe im Iran, hatte sie gesagt. Sie und ihr Mann gehören zu den renommiertesten Menschenrechtsaktivisten des Landes. Immer wieder führt ihr Weg sie zu jungen Klienten in der Todeszelle: "Wenn wir über ein Ende der Todesstrafe für Kinder sprechen, dann bedeutet das, dass die Gesellschaft in der Lage sein sollte, zu wissen, dass es keine Hinrichtungen für Personen unter 18 Jahren geben darf", sagt sie in einem Video, das auf der Webseite der Right-Livelihood- Stiftung zu sehen ist.

Die Verleihung des Alternativen Nobelpreises sei ein wichtiges Signal, sagte ihr Mann in einem ausländischen oppositionellen Fernsehsender Anfang November: "Dieser Preis demonstriert, dass die Weltöffentlichkeit den offensichtlichen, systematischen und verbreiteten Menschenrechtsverletzungen im Iran Aufmerksamkeit schenkt."

Reza Khandan der Ehemann der inhaftierten iranische Frauenrechtlerin Nasrin Sotoudeh |

Reza Khandan sorgt sich um seine in Haft sitzende Frau.

"Unerhörte Ungerechtigkeit"

Die Right-Livelihood-Stiftung verurteilte die erneute Inhaftierung Sotoudehs scharf. "Das ist eine unerhörte Ungerechtigkeit", sagte Stiftungsdirktor Ole von Uexküll. "Mit diesem jüngsten Schritt haben die iranischen Behörden gezeigt, dass sie alles daransetzen werden, Sotoudeh ihr legitimes Recht zu verweigern, auf eine gerechtere Gesellschaft hinzuarbeiten."

Sotoudeh gab während ihres Hafturlaubs keine Interviews. Das abrupte Ende dürfte ihr angesichts der noch nicht überwundenen Corona-Infektion schwer gefallen sein. Auf Facebook schrieb sie, sie haben in den Wochen zuhause ihre Kinder wegen Corona nicht umarmen können.

Mit Informationen von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Über dieses Thema berichtete BR24 am 03. Dezember 2020 um 15:50 Uhr.