Der spanische Rapper Valtonyc | Bildquelle: dpa

Rapper droht Gefängnis Für Songtexte in den Knast?

Stand: 03.09.2018 10:24 Uhr

Er wünscht Politikern den Tod und beleidigt die Königsfamilie. Deshalb soll der spanische Rapper Valtònyc ins Gefängnis. Der Musiker setzte sich nach Belgien ab. Heute fällt die Entscheidung, ob er ausgeliefert wird.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Valtònyc ist wütend auf die Polizei, die Monarchie und die Korruption in Spanien. Das macht er in vielen seinen Songs deutlich. Allerdings meint der Oberste Gerichtshof in Madrid, dass 16 Titel zu weit gehen. Nach Ansicht der Richter verherrlichen sie den Terrorismus und rufen zum Mord an Politikern auf.

Zum Beispiel "Circo Balear". Darin wünscht Valtònyc einem balearischen Regionalpolitiker, dass er von einer Atombombe getroffen wird. In anderen Titel nimmt sich der Rapper die spanische Königsfamilie vor: Sie führe ein Luxusleben auf Kosten der Steuerzahler, man solle am besten den Königspalast "Marivent" auf Mallorca mit Kalaschnikows stürmen.

Der spanische Rapper Valtonyc auf einer Pressekonferenz in Brüssel. | Bildquelle: AFP
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Der spanische Rapper Valtònyc auf einer Pressekonferenz in Brüssel.

"Gegen Intoleranz müssen wir kämpfen"

Die Texte sind hart, das gibt Valtònyc zu, der im normalen Leben Josep Miquel Arenas heißt. Aber für Musik ins Gefängnis? Die spanische Regierung will nach dem Urteil im Februar den Richterspruch offiziell nicht kommentieren. Doch der damalige Innenminister Zoido stellte klar, "dass Hassdelikte bestraft werden müssen. Vor allem, wenn es um Extremismus geht. Gegen Intoleranz müssen wir kämpfen."

In Palma de Mallorca gingen im Frühjahr ein paar Hundert Menschen auf die Straße: "Libertad de expresión" riefen sie, "Meinungsfreiheit". Valtònyc polterte weiter in Richtung spanischer Staat, trotz Verurteilung zu einer Haftstrafe. "Tötet heute Nacht einen verdammten Guardia-Civil-Polizisten. Und werft eine Bombe auf die Staatsanwaltschaft!", rief er auf einem Konzert seinen Fans vor der Bühne zu.

Valtònycs Verteidiger Gonzalo Boye nennt den Satz einen Teil einer künstlerischen Performance. Der Anwalt hat schon Kataloniens Separatistenführer Carles Puigdemont bei dessen Problemen mit der spanischen Justiz vertreten. Er hat dem dem Rapper dasselbe geraten, was er Puigdemont empfahl - nämlich Spanien in Richtung Belgien zu verlassen.

Valtònycs Verteidiger Boye | Bildquelle: Oliver Neuroth
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"Werft eine Bombe auf die Staatsanwaltschaft!" - Valtònycs Verteidiger Boye bezeichnet Sätze wie diesen als Teil einer künstlerischen Performance.

Keine Achtung vor fundamentalen Menschenrechten?

Dort würden - anders als in Spanien - die fundamentalen Menschenrechte wie die Meinungsfreiheit geachtet. Denn "wie kann es in einem zivilisierten Land ein Terrordelikt sein, wenn man Lieder schreibt und sie singt?!", empört sich der Anwalt. So etwas komme in der Türkei unter Erdogan vor, aber es dürfe nicht in einem europäischen Land passieren, sagt Boye.

Die spanischen Behörden suchen Valtònyc mit europäischem Haftbefehl. Sein Verteidiger geht davon aus, dass der Rapper nicht wegen der Verherrlichung von Terrorismus an Spanien ausgeliefert wird - denn dieser Vorwurf sei nicht mit dem belgischen Strafrecht vereinbar. "Wir haben viel Vertrauen in die belgische Justiz - wie im Fall Puigdemont in die deutsche", so Boye. "Wenn die Justiz diesen Fall rein demokratisch betrachtet, ist die Entscheidung sehr vorhersehbar."

Valtònyc selbst sagte am Sonntag einem katalanischen Radiosender, er gehe gelassen in diesen Tag. Er rechne mit einer Auslieferung an Spanien wegen des weniger schweren Vorwurfs der Majestätsbeleidigung. Darauf steht in seiner Heimat maximal ein halbes Jahr Gefängnis.

Und selbst dagegen könnte Valtònyc vorgehen und den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte einschalten. Der hat im Frühjahr die Haftstrafe für zwei Katalanen aufgehoben, die ein Königsbild verbrannt hatten. "Das war freie Meinungsäußerung", urteilten die Straßburger Richter.

Spanischen Rapper droht Auslieferung
Oliver Neuroth, ARD Madrid
03.09.2018 09:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 03. September 2018 um 06:16 Uhr.

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