Ein vom russischen Verteidigungsministerium zur Verfügung gestelltes Foto zeigt die notgelandete Raumkapsel Sojus MS-10.  | Bildquelle: dpa

Nach geglückter Notlandung "Astro-Alex" begeistert von "Sojus"-Technik

Stand: 12.10.2018 11:04 Uhr

Auch die Besatzung der ISS verfolgte den Fehlstart der "Sojus"-Rakete gebannt. Dass die Notlandung so glimpflich ausging, führt Kommandant Gerst auch auf die Technik der Raumkapsel zurück.

Von Markus Sambale, ARD-Studio Moskau

Nach dem Fehlstart einer "Sojus"-Rakete gab es auch auf der Internationalen Raumstation ISS bange Momente. Von dort aus verfolgte Kommandant Alexander Gerst das Geschehen. Dann aber herrschte Erleichterung, als klar wurde, dass die Notlandung geglückt war.

"Bin froh, dass es unseren Freunden gut geht", twitterte "Astro-Alex". Es habe sich wieder gezeigt, wie großartig die "Sojus" sei, schrieb er weiter.

"Ein Wahnsinnsdesign"

Schon Anfang des Jahres, während seines Trainings im Kosmonautenzentrum bei Moskau, hatte Gerst die einzigartige Konstruktion der "Sojus"-Raumkapsel - gerade für Notlagen - gelobt. "Wenn diese Kapsel völlig ungesteuert wieder eintritt, dann richtet die sich aerodynamisch so aus, dass das Hitzeschild unten ist und fliegt eine Trajektorie, die überlebbar ist," erklärte er.

Start des Raumschiffs Sojus MS-10 auf der Startrampe des russischen Kosmodroms Baikonur (Kasachstan). | Bildquelle: REUTERS
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Die "MS-10" sollte die Astronauten zur ISS bringen.

US-Astronaut Hague (links) und Roskosmus-Chef Dmitri Rogosin. | Bildquelle: REUTERS
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US-Astronaut Hague (links) und Kosmonaut Owtschinin waren nach der Notlandung wohlauf.

Erfunden hat die "Sojus" in den 1960er-Jahren der legendäre sowjetische Raketenkonstrukteur Sergej Koroljow. Die Technik entwickelte sich weiter, die Grundidee blieb dieselbe, wie Gerst vor seinem Raumflug erzählte.

"Das ist ein Wahnsinnsdesgin, wenn man das als Ingenieur sich anschaut", schwärmt er. "Wie man so etwas baut. Dass das funktioniert. Und es ist natürlich über Jahre hinweg erprobt worden."

Zurecht sei man da relativ konservativ, was Änderungen angehe - auch wenn es mit der Notlandung jetzt die schwerste Panne bei einer bemannten "Sojus"-Mission seit Jahrzehnten gab.

Zweiter Anlauf im Frühjahr 2019

Die beiden betroffenen Raumfahrer Owtschinin und Hague sollen im Frühjahr 2019 einen zweiten Anlauf zur ISS starten. "Die Jungs werden auf alle Fälle fliegen", schrieb der Chef der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, Dmitri Rogosin, auf Twitter. Bemannte Starts mit den "Sojus"-Raketen sind aber ausgesetzt, bis die Unfallursache geklärt ist.

Der Ausfall bringt das komplizierte System der Crew-Wechsel auf der ISS durcheinander, die beteiligten Raumfahrtagenturen können die Auswirkungen aber noch nicht genau abschätzen. Auch am Flugplan von Alexander Gerst könnte es Veränderungen geben.

"Plan B, C und D"

Schon während seines Trainings für die aktuelle Mission hatte Gerst auf das gute Sicherheitskonzept hingewiesen: "Wir haben für alle möglichen Notfälle immer einen Plan B, C und D. Das merkt man dieser Technik an." Gestern funktionierte dieses Notfallsystem.

Auf Twitter dankte Gerst den Rettungskräften, die seinen Kollegen am Boden nach der Notlandung geholfen haben. Und er fügte hinzu: "Raumfahrt ist hart. Aber wir müssen weitermachen, zum Wohle der Menschheit."

Gerst zur Raketenpanne: Erleichterung und Lob für die Sojus-Technik
Markus Sambale, ARD Moskau
12.10.2018 08:06 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 12. Oktober 2018 um 06:09 Uhr.

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