US-Astronaut Hague (links) und Roskosmus-Chef Dmitri Rogosin. | Bildquelle: REUTERS

Panne bei Sojus-Start Astronauten müssen notlanden

Stand: 11.10.2018 14:44 Uhr

Sie wollten zur Internationalen Raumstation fliegen - doch dann gab es eine Panne in ihrer Sojus-Kapsel. Kurz nach dem Start mussten zwei Astronauten in Kasachstan notlanden. Ihnen geht es offenbar gut.

Nach dem Start einer russischen Sojus-Kapsel in Baikonur hat es eine Panne gegeben. Die beiden Astronauten an Bord, der US-Amerikaner Nick Hague und der Russe Alexej Owtschinin, mussten in Kasachstan notlanden. Sie sollten eigentlich zur Internationalen Raumstation ISS fliegen.

Einsatzkräfte retteten die beiden aus ihrer Kapsel, die an Fallschirmen nahe der Stadt Dscheskasgan niedergegangen war - etwa 400 Kilometer vom Startpunkt entfernt. Kremlsprecher Dmitri Peskow zeigte sich erleichtert: "Sie leben, Gott sei Dank." Die beiden Männer seien unversehrt gelandet, erklärte die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos.

Bilder zeigen starke Erschütterungen

Nach Angaben aus Russland hatte es kurz nach dem Start vom Weltraumbahnhof Baikonur Probleme mit einem der Triebwerke gegeben. Von Experten hieß es laut Medienberichten, dass schon beim Brennen der ersten Raketenstufe Probleme aufgetreten seien. Deswegen zündete die zweite Stufe nicht, sondern die Rakete löste sich auf.

"Problem mit Triebwerk, zwei Minuten 45 Sekunden", war über das Kontrollzentrum die Stimme von Kommandant Owtschinin zu hören. Videoaufnahmen aus dem Inneren der Sojus-Rakete zeigen den Moment des Zwischenfalls. Die Astronauten wurden dabei stark durchgeschüttelt. Dann stoppte die Übertragung.

Hague und Owtschinin sollten die Besatzung der ISS verstärken. Für Hague wäre es der erste Raumflug gewesen. Owtschinin war bereits sechs Monate an Bord der ISS. Beide sollten am Nachmittag an der Station andocken - nach rund sechs Stunden Flugzeit. Der Forschungsaufenthalt der beiden Astronauten sollte etwa ein halbes Jahr dauern.

Start des Raumschiffs Sojus MS-10 auf der Startrampe des russischen Kosmodroms Baikonur (Kasachstan). | Bildquelle: REUTERS
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Die "MS-10" sollte die Astronauten zur ISS bringen.

Bedingungen für ISS schwierig

Auf der Internationalen Raumstation warteten der deutsche Kommandant Alexander Gerst und seine Kollegen damit vergeblich auf die neuen Kollegen. Nach Angaben der NASA wurde die Crew von der Erde aus über den Fehlstart informiert. Ob Gersts Aufenthalt wegen des Unfalls über Dezember hinaus verlängert werden muss, ist noch nicht klar. "Falls er länger im All bleiben muss, wäre dafür alles vorhanden", sagte Europas Raumfahrtchef Jan Wörner der dpa.

Es ist bereits der zweite größere Zwischenfall im Zusammenhang mit der ISS, seit Gerst Kommandant ist. An der Raumkapsel "Sojus-MS09, mit der er zur ISS kam, war kürzlich ein kleines Loch entdeckt worden. Es wurde abgedichtet. Die Ursache ist noch immer unklar.

Gerst dankte den Rettungskräften. Er schrieb auf Twitter, er sei froh, "dass es unseren Freunden gut geht."

Russland setzt Starts aus

Nach der Panne soll es von Russland aus vorerst keine bemannten Flüge in den Weltraum geben. Erst müssten die Gründe für den Unfall geklärt werden, sagte Vize-Regierungschef Juri Borissow, der auch für die Raumfahrt in seinem Land zuständig ist. Zur Ursachenforschung wurde demnach eine Kommission eingerichtet. "Andererseits hat sich gezeigt, dass die Notfall- und Rettungssysteme funktionieren", wird Borissow in der Agentur Interfax zitiert.

Der Zwischenfall bedeutet nicht nur für die russische Raumfahrt einen schweren Rückschlag. Die USA hatten ihr Space-Shuttle-Programm im Jahr 2011 eingestellt. US-Astronauten konnten nur noch mit der Sojus zur ISS gelangen. Der neue NASA-Chef Jim Bridenstine verfolgte den Start von Baikonur aus und vereinbarte mit den Russen eine weitere Zusammenarbeit.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Oktober 2018 um 12:00 Uhr.

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