Jaroslaw Kaczynski beim Gedenken in Warschau | Bildquelle: via REUTERS

Zehn Jahre nach Smolensk-Absturz Gedenken im kleinen Rahmen

Stand: 10.04.2020 16:54 Uhr

Mit einer Kranzniederlegung wurde in Polen der Opfer von Smolensk gedacht. Dabei wollte PiS-Chef Kaczynski eigentlich nach Russland reisen, um an den Absturz der Regierungsmaschine mit seinem Bruder zu erinnern.

Von Jan Pallokat, ARD-Studio Warschau

Der Absturz der polnischen Maschine im russischen Smolensk am 10. April 2010 versetzte Polen unter Schock: Mit einem Schlag waren 96 führende Repräsentanten des Landes tot, darunter der damalige Präsident Lech Kaczynski und seine Frau.

Die Bruchlandung geschah bei dichtem Nebel. Ermittlungskommissionen sahen als Hauptursache Pilotenfehler und zu wenig nachdrückliche Anweisungen vom Boden, nicht zu landen.

These: Explosion

Schneller aber machte die These von einer angeblichen Explosion an Bord die Runde. Verschwörungstheorien, es habe einen Anschlag gegeben, wurden nicht nur verbreitet, sondern von der späteren PiS-Regierung sogar befördert.

Bis heute geht eine Untersuchungskommission der Mordthese nach. Hatte Lech Kaczynski im Georgien-Krieg 2008 nicht demonstrativ zum Putin-Gegner Micheil Saakaschwili gehalten?

Das Flugzeugwrack nach dem Absturz | Bildquelle: REUTERS
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Das Wrack der Regierungsmaschine in Smolensk: Bis heute ranken sich Verschwörungstherorien um den Absturz.

Der russische Staatspräsident Wladimir Putin erwiderte 2017 auf die Frage eines polnischen Journalisten sichtlich genervt:

"Es gab keine Explosionen. Alles wurde von polnischen wie russischen Experten untersucht. Es wurde genau aufgezeichnet, was in der Kabine passierte, als sie jemand betrat. Der Pilot zu dieser Person: Wir können nicht landen. Antwort: Nein, ich werde ihm das nicht einmal sagen. Ihm? Anscheinend dem Präsidenten. Lande! Also sind sie gelandet."

Dass Verschwörungstheorien auf so fruchtbaren Boden fielen - in Polen ist ein ganzer Spielfilm rund um die Anschlagsthese entsanden - hat auch mit dem Kontext zu tun. Denn die Delegation um Lech Kaczynski wollte damals den Stalin'schen Morden an Tausenden polnischen Offizieren bei Katyn und anderswo gedenken - eines der größten Kriegsverbrechen des Zweiten Weltkriegs.

Folgen für die Politik

Für Lech Kaczynskis Zwillingsbruder Jaroslaw aber, Chef der in Polen regierenden PiS-Partei, schien lange klar, dass sein Bruder nicht bei einem schlichten Unfall ums Leben gekommen sein konnte, sondern fürs Vaterland fiel. Noch 2018 meinte er: "Diejenigen, die dort gefallen sind, haben in unserem nationalen, politischen und sozialen Leben eine große Rolle gespielt, dies verbindet die Tragödien von Smolensk und Katyn: Bei beiden wurden Angehörige der polnischen Eliten zu Opfern."

Nicht nur das Verhältnis zu Russland, auch die polnische Innenpolitik belastet Smolensk seither. Gegner werfen Jaroslaw Kaczynski vor, das Unglück, dem Mitglieder verschiedener politischer Gruppierungen zum Opfer fielen, zu instrumentalisieren.

Jahrelang gedachte Kaczynski jeden Monat der Ereignisse mit einem Marsch, halb Gebet, halb politisches Manifest. Immer wieder versprach er, die Wahrheit herauszufinden - die, so der Vorwurf, die damalige Regierung Donald Tusks habe ebenfalls vertuschen wollen.

Zehn Jahre nach Flugzeugabsturz von Smolensk: Politiker gedenken in Warschau den Opfern
tagesschau 20:00 Uhr, 10.04.2020, Olaf Bock, ARD Warschau

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Grund für Radikalisierung?

Viele Beobachter glauben, dass die politische Radikalisierung Jaroslaw Kaczynskis auch mit dem Trauma zu tun haben könnte, das der Verlust des Zwillingsbruders mit sich gebracht haben mag. Erst jetzt, fast zehn Jahre danach, erlebten die Hörer eines Radiosenders einen Kaczynski, der allmählich seinen Frieden mit dem Geschehen zu finden scheint.

"Nach zehn Jahren denke ich jeden Tag an meinen Bruder, die Schwägerin und viele Freunde, die ich damals verloren habe. Aber nicht jeden Tag mache ich mir Gedanken, warum es passierte, denn es gibt viele andere Dinge zu erledigen. Und ich weiß, dass ich die Frage nicht beantworten kann."

Große Delegation geplant

Eigentlich wollte Kaczynski mit großer Delegation nach Smolensk reisen. Noch vor wenigen Tagen hieß es, zumindest eines von geplant fünf Flugzeugen werde trotz Corona-Krise aufsteigen.

Dann wurde auch diese Reise abgesagt, Russland habe nicht kooperiert - was Moskau bestreitet. Nun fand der zehnte Jahrestag also ganz anders statt als gedacht: Mit getrennten Kranzniederlegungen Jaroslaw Kaczynskis und Regierungsmitgliedern vor dem unlängst eröffneten Smolensk-Denkmal in Warschau.

Gedenken im Kleinformat: Zehn Jahre Absturz von Smolensk
Jan Pallokat, ARD Warschau
10.04.2020 17:08 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. April 2020 um 15:00 Uhr.

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