Das Wrack des abgestürzten Flugzeugs

Absturz bei Smolensk Polen lässt Absturzopfer exhumieren

Stand: 21.06.2016 22:12 Uhr

Im Jahr 2010 stürzte eine polnische Regierungsmaschine nahe der russischen Stadt Smolensk ab - mehr als 90 Menschen starben, darunter Präsident Kaczynski. Wegen der Ursache gibt es immer noch Streit - darum wollen die Ermittler nun die Särge der Opfer öffnen lassen.

Mehr als sechs Jahre nach dem Absturz einer polnischen Regierungsmaschine nahe der russischen Stadt Smolensk treibt die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen nach der Ursache voran. Um mögliche neue Erkenntnisse zu gewinnen, wollen die Ermittler die Opfer exhumieren.

Lech und Maria Kaczynski und weitere hochrangige Opfer des Absturzes der polnischen Präsidentenmaschine
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Das polnische Präsidentenehepaar Lech und Maria Kaczynski und weitere hochrangige Opfer des Flugzeugabsturzes in Smolensk

Bei dem Unglück starben mehr als 90 Mitglieder der politischen, militärischen und gesellschaftlichen Elite Polens. Unter den Todesopfern waren der damalige Präsident Lech Kaczynski und seine Frau Maria, Zentralbankpräsident Slawomir Skrzypek, Generalstabschef Franciszek Gagor und Vize-Außenminister Andrzej Kremer. Auch ein Bischof, viele Abgeordnete und weitere hochrangige Militärs kamen ums Leben. Die Maschine zerschellte bei schlechter Sicht während des Landeanflugs.

Die polnische Delegation wollte damals nahe Smolensk an einer Gedenkfeier für polnische Soldaten teilnehmen, die 1940 durch den sowjetischen Geheimdienst im russischen Katyn ermordet wurden.

Ursache bis heute umstritten

Genau geklärt wurden die Umstände des Unglücks bis heute nicht. In einem russischen Untersuchungsbericht wurde ein möglicher technischen Defekt, widrige Witterungsbedingungen oder ein eventueller Fehler des Piloten als Ursache benannt. Der polnische Luftwaffenchef habe zudem angetrunken auf eine Landung gedrängt.

Im Jahr 2011 widersprach die damalige liberalkonservative polnische Regierung in einem Untersuchungsbericht einigen Vorwürfen aus Russland und warf dem Land seinerseits Fehler vor. Es habe aber auch "zahlreiche Verfehlungen" auf der eigenen Seite gegeben. Verteidigungsminister Bogdan Klich trat anschließend wegen der Untersuchungsergebnisse zurück.

Jaroslaw Kaczynski bleibt skeptisch

In Polen gibt es noch immer Zweifel an den Untersuchungen. Zu den Skeptikern gehört auch Kaczynskis Zwillingsbruder Jaroslaw, der heute Chef der nationalkonservativen Regierungspartei Partei Recht und Gerechtigkeit ist. Seiner Ansicht nach könnte es auch eine Explosion an Bord der Maschine gegeben haben. Des Weiteren hieß es aus der Partei, Russland verzögere die Ermittlungen und halte sogar Beweise zurück.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. November 2016 um 09:10 Uhr.

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