Ein Mann überquert im dichten Smog eine Straße in Neu-Delhi. | Bildquelle: AFP

Neu-Delhi Neue Verbote gegen den Smog

Stand: 05.11.2019 14:36 Uhr

Indiens Hauptstadt versucht, den extremen Smog einzudämmen - mit Fahrverboten, einem Baustopp und einem verschärften Verbot für Bauern, ihre Felder abzubrennen. Das Problem: Die Bevölkerung zieht bisher nicht mit.

Indien versucht mit einer Reihe neuer Maßnahmen gegen den gesundheitsschädlichen, extremen Smog in Neu-Delhi und anderen Städten vorzugehen. Das Oberste Gericht des Landes verhängte für Neu-Delhis Umgebung ein sofortiges Verbot, abgeerntete Felder abzubrennen, da diese Praxis massiv zu der gefährlichen Feinstaubbelastung in Indiens Hauptstadt beiträgt.

Durch das Abbrennen von Stoppelfeldern verlören die 20 Millionen Menschen in Neu-Delhi "wertvolle Jahre", begründete der Oberste Gerichtshof seine Entscheidung über eine Klage von Aktivisten. "Menschen sterben" durch die Luftverschmutzung und dies dürfe "in einem zivilisierten Land nicht passieren". Das Gericht drohte, wenn das Abbrennen von Stoppelfeldern kein Ende nehme, würden die gesamten Staats- und Polizeihierarchien bis hin zu örtlichen Beamten dafür verantwortlich gemacht.

Bevölkerung hält sich bisher kaum an Verbot

Das Anzünden von Stoppelfeldern ist eigentlich bereits verboten, viele Bauern halten sich aber nicht daran. In der kühleren Jahreszeit nimmt die Luft den Rauch von den Feldern auf und trägt ihn bis in die großen Städte. Zusammen mit Autoabgasen, den Emissionen von Fabriken und dem Staub von Baustellen ergibt dies giftigen Smog, der Beschwerden wie Augenbrennen und Atemnot verursacht.

Dichter Smog über Indiens Haupstadt Neu-Delhi. | Bildquelle: REUTERS
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Eine Mischung aus Autoabgasen, Staub von Baustellen und Rauch von abgebrannten Feldern: Seit Tagen liegt dichter Smog über Indiens Hauptstadt Neu-Delhi.

Am Sonntag erreichte die Konzentration von Feinstaub-Partikeln der Kategorie 2,5 PM in Neu-Delhi den höchsten Wert seit fast drei Jahren. Fast tausend Mikrometer des Feinstaubs pro Kubikmeter Luft wurden gemessen - die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt einen Wert von unter 25. Die PM-2,5-Feinstaubpartikel können durch die Blutbahn in die Lunge eindringen und schwere Atemwegs- und Herzerkrankungen verursachen. Nach Angaben der Website "AirVisual" ist Neu-Delhi weiterhin die Stadt mit der schlimmsten Luftverschmutzung weltweit, gefolgt von der indischen Metropole Mumbai. Laut WHO sind unter den weltweit am meisten verschmutzten Städten 14 indische.

Taj Mahal bekommt Luftreinigungsanlage

Vor dem berühmten Mausoleum Taj Mahal, rund 250 Kilometer südlich von Neu-Delhi, wurde ein Kleinbus mit einer Luftreinigungsanlage aufgebaut. Wegen des Smogs wurde vergangene Woche für Neu-Delhi bereits ein vorübergehendes Verbot für Bauarbeiten verhängt. Die Behörden verteilten Gratis-Atemmasken an Kinder, die Schulen der Stadt sollen bis Mittwoch geschlossen bleiben.

Am Montag trat in Neu-Delhi ein Fahrverbot in Kraft, das abwechselnd für Autos mit geraden und ungeraden Ziffern auf ihrem Nummernschild gilt. 465 Polizisten und andere Beamte sowie 2000 Freiwillige überwachten die Einhaltung des Fahrverbots und verhängten Strafen gegen knapp 260 Autofahrer. Von dem Fahrverbot ausgenommen waren die rund sieben Millionen Motorräder und Motorroller in der Hauptstadt, ebenso wie Transportfahrzeuge für den Warenhandel und Fahrzeuge mit rein weiblicher Besetzung.

Regierungschef bezeichnet Fahrverbot als Erfolg

Neu-Delhis Regierungschef Arvind Kejriwal, der seine Stadt unlängst als "Gaskammer" bezeichnet hatte, sprach von einem Erfolg. Auf den Straßen seien dadurch 1,5 Millionen Autos weniger gewesen, erklärte er. Der Klimaexperte Siddharth Singh kritisierte das Fahrverbot hingegen als "ineffektiv", weil die Autoabgase nur "einen kleinen Teil" zu dem Smog-Problem beitrügen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. November 2019 um 17:00 Uhr.

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