Caputova ist die neue Präsidentin der Slowakei und die erste Frau in diesem Land. | Bildquelle: dpa

Slowakei Caputova als erste Präsidentin vereidigt

Stand: 15.06.2019 17:46 Uhr

In der Slowakei wurde mit der Bürgerrechtsanwältin Caputova erstmals eine Frau als Präsidentin vereidigt. Die 45-jährige Umweltaktivistin steht für einen liberalen, pro-europäischen Kurs.

Von Marianne Allweiss, ARD-Studio Prag

Der Respekt vor dem Amt steht Zuzana Caputova ins Gesicht geschrieben. Bei der feierlichen Zeremonie in der Slowakischen Philharmonie ist sie gefasst, muss aber kurz schlucken, bevor sie ihre Unterschrift unter die Vereidigungsurkunde setzt. Ein kurzes Lächeln gelingt ihr erst nach ihrer ersten Ansprache als Präsidentin. "Ich bin nicht gekommen, um zu herrschen. Ich bin gekommen, um den Bürgern, zu dienen, den Einwohnern der Slowakei."

Die 45-Jährige ist neu in der großen Politik, aber erfahren als Anwältin, Umweltaktivistin und Vizechefin einer jungen liberalen Protestpartei. Genau das macht sie für ihre Wählerinnen und Wähler zur Hoffnungsträgerin einer Generation, die die Skandale ihrer Elite nicht weiter hinnehmen will und die nach dem Mord an dem Journalisten Jan Kuciak und seiner Verlobten schon den langjährigen Regierungschef Robert Fico zum Rücktritt gezwungen hat.

Der ist noch immer Chef der Regierungspartei, hat Caputova im Wahlkampf verspottet und glänzt bei der Inauguration durch Abwesenheit.

Die Slowakei und ihre Bürger hätten es verdient, dass jeder im öffentlichen Dienst für das Land arbeitet und keine Nebeninteressen verfolgt, sagte Caputova. "Anders wird es uns nicht gelingen, die Slowakei zu einem Land zu machen, das wir haben wollen."  

Auch Umwelt als Thema forcieren

Für Caputova ist dieses Land eindeutig Teil der europäischen und der transatlantischen Gemeinschaft. Im Wahlkampf hatte sie sich für eine solidarische Migrationspolitik ausgesprochen und sich damit gegen den politischen Mainstream in den Visegrad-Staaten Polen, Ungarn, Tschechien und der Slowakei gestellt.

Im Mai war die neue Präsidentin als "europäische Persönlichkeit des Jahres" geehrt worden. Einen Umweltpreis, den "grünen Nobelpreis" hat sie auch schon erhalten. Und auch dieses Thema will sie forcieren. Europa solle vorangehen, wenn es darum geht, globale Gefahren abzuwenden. Dazu gehöre auch die Klimakrise.

"Gräben überwinden, die wir in der Gesellschaft haben"

Caputova hatte sich nach ihrem klaren Wahlsieg im März kaum öffentlich zu Wort gemeldet, sondern ihr Team zusammengestellt: Dazu gehört der frühere Chef von Greenpeace in der Slowakei. Zum ersten Mal wird ein Staatsoberhaupt aber auch Berater für alle Minderheiten, einschließlich der Roma, haben.

Außerdem konnte sie eine bekannte Armutsforscherin als Mitarbeiterin gewinnen. Zum feierlichen Mittagessen im Präsidentenpalast hatte sie Senioren geladen. Bei ihrer Amtseinführung waren aber auch "Schande"-Rufe zu hören. Caputova steht vor der großen Aufgabe, die Slowakei zu versöhnen.    

"Wir müssen die Gräben überwinden, die wir in der Gesellschaft in den letzten Jahren geschaffen haben. Zwischen konservativ und liberal, Stadt und Land, Altem und Neuem, Mehrheit und Minderheit, zu deren Existenz auch wir Politiker in einem nicht geringen Maße beitragen."

Zuzana Caputova ist erste Präsidentin der Slowakei
Marianne Allweis, ARD Prag
15.06.2019 16:53 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Juni 2019 um 18:18 Uhr.

Darstellung: