Frau tupft Mund mit Serviette ab | Bildquelle: picture alliance / dpa Themendie

Ig-Nobelpreise Durchbruch für die Schmatzforschung

Stand: 18.09.2020 10:10 Uhr

Abneigung gegen Schmatzgeräusche, Narzissten und ihre Augenbrauen, Messer aus Fäkalien - all diese Felder werden wissenschaftlich erforscht. Mit dem Ig-Nobelpreis werden die skurrilsten Ergebnisse prämiert.

Von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington

Eine prunkvolle Gala an der altehrwürdigen Harvard Universität gab es im 30. Jahr Corona-bedingt nicht - es war ein reines Online-Event. Aber wie jedes Jahr konnte man sich nur die Augen reiben, wenn man sich vor dieselben hielt, dass zwar die Preisverleihung reine Satire ist, jedes einzelne Forschungsergebnis aber real.

So wurden in der Kategorie Medizin Ärzte für das Entdecken einer bislang unbekannten Krankheit geehrt: der Misophonie. Sprich: Eine heftige Abneigung gegen Schmatz- und Essgeräusche - also Stress, der dadurch entsteht, dass man jemand anderem beim lautstarken Essen zuhören muss.

Was ist der Ig-Nobelpreis?

Mit dem satirischen "Ig-Nobelpreis" werden in zehn Kategorien wissenschaftliche Leistungen geehrt, die Menschen zuerst zum Lachen, dann aber zum Nachdenken bringen sollen. Die Forschungsergebnisse sind real, die Ehrung durch eine amerikanische Wissenschaftszeitung jedoch erfolgt alljährlich mit viel Augenzwinkern, als Satireshow. "Ig-Nobelpreis" ist ein Wortspiel: Es soll natürlich an die echten Nobelpreise erinnern, aber das englische "ignoble" entspricht dem deutschen "schändlich" oder "unwürdig".

Messer aus Fäkalien schneiden schlecht

In der Kategorie Wirtschaft ging der Ig-Nobelpreis an Ökonomen, die nachweisen konnten, dass sich Menschen in Nationen mit besonders ungerecht verteiltem Wohlstand besonders häufig gegenseitig auf den Mund küssen.

Im Fachbereich Psychologie ging die Auszeichnung an Forscher, die nachweisen konnten, dass man einen Narzissten an der Stellung seiner Augenbrauen erkennen kann.

In der Kategorie Materialkunde wurde der Ig-Nobelpreis an Forscher verliehen, die nachweisen konnten, dass Messer, die aus tiefgefrorenen menschlichen Fäkalien hergestellt wurden, nicht besonders gut schneiden.

Anti-Nobelpreis für Populisten

In der Entomologie, sprich Insektenkunde, wurde die Erkenntnis geehrt, dass überdurchschnittlich viele Insektenforscher Angst vor Spinnen haben. Spinnen sind übrigens keine Insekten.

Fast alle Preisträger waren per Videoschalte bei der virtuellen Gala zugegen. In der Disziplin medizinische Aufklärung jedoch, aus naheliegenden Gründen, nicht. Da ging es um den Nachweis, dass Politiker beim Thema Covid-19 größeren Schaden anrichten als Wissenschaftler. Unter den Geehrten waren Donald Trump, Recep Tayyip Erdogan, Jair Bolsonaro, Boris Johnson und Alexander Lukaschenko - ein Who-is-Who der globalen Populisten.

USA: Skurrile IG-Nobelpreise vergeben
Sebastian Hesse, ARD Washington
18.09.2020 09:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 18. September 2020 um 06:16 Uhr.

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