Mitarbeiter der Spurensicherung gehen in Schutzkleidung und Gasmasken neben einem Wagen, der in der Nähe des Tatorts im Fall Skripal steht. | Bildquelle: AP

Fall Skripal USA verhängen Sanktionen gegen Russland

Stand: 09.08.2018 12:08 Uhr

Wegen des Giftanschlags auf Ex-Doppelagent Skripal und dessen Tochter verhängen die USA neue Sanktionen gegen Russland. In rund zwei Wochen sollen sie in Kraft treten - Russland reagiert auf die Begründung mit Unverständnis.

Die USA haben Sanktionen gegen Russland angekündigt. Als Grund führen sie die Verwendung eines Nervenkampfstoffs zur versuchten Tötung von Sergej Skripal und dessen Tochter in Großbritannien an.

Die Strafmaßnahmen werden laut der Mitteilung des Ministeriums am oder um den 22. August gültig. Zunächst werde der US-Kongress über die Maßnahmen informiert. Die Sanktionen seien gegen staatliche oder staatlich finanzierte Firmen gerichtet. Sollte Russland nicht innerhalb von 90 Tagen nach Inkrafttreten der Strafmaßnahmen beweisen können, dass es keine chemischen Waffen mehr einsetzt, könnten weitere Sanktionen erlassen werden.

Grundlage sei die Feststellung, dass die russische Regierung "chemische oder biologische Waffen in Verstoß gegen internationales Recht eingesetzt hat oder tödliche chemische oder biologische Waffen gegen ihre eigenen Staatsbürger benutzt hat".

Ermittlungen zu Sergej Skripal | Bildquelle: AP
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Im März wurden die Skripals bewusstlos auf einer Parkbank aufgefunden.

Das Gesetz zur Kontrolle chemischer und biologischer Waffen sieht vor, dass der US-Präsident bestimmte Sanktionen gegen Staaten verhängt, wenn sie solche Waffen eingesetzt haben. Dazu zählt unter anderem das Verbot, bestimmte Güter und Technologien dorthin zu exportieren.

"Wie ein Polizeistaat"

Die russische Politik reagierte mit scharfen Worten: Der Außenpolitiker Konstantin Kossatschow sagte, die USA führten sich wie ein Polizeistaat auf. Für Fjodor Lukjanow, Chefredakteur der Zeitschrift "Russia in Global Affairs", zielen die Strafen auf eine Zerstörung der russischen Wirtschaft.

In einer Erklärung der russischen Botschaft in Washington hieß es, die Begründung für neue Strafmaßnahmen sei "an den Haaren herbeigezogen". Die Botschaft bekräftigte frühere Forderungen nach "einer offenen und transparenten" Untersuchung des Giftanschlags.

Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte: "Russland hatte und hat damit nichts zu tun." Die russische Führung versuche zunächst herauszufinden, um welche Strafmaßnahmen es genau gehe. Vorher lasse sich auch nicht über Gegenmaßnahmen reden, sagte Peskow nach Angaben der Agentur Interfax.

Russland bestreitet Vorwürfe

Am 4. März war auf Skripal und seine Tochter Julia im südenglischen Salisbury ein Anschlag mit dem Kampfstoff Nowitschok verübt worden. Beide überlebten nur knapp. Großbritannien und die USA machten die russische Regierung für die Tat verantwortlich.

Nowitschok wurde in der früheren Sowjetunion entwickelt, später experimentierten aber auch andere Länder damit. Der Kreml wies die Vorwürfe zurück. Der Fall löste eine schwere diplomatische Krise aus. Rund 25 Staaten und die NATO hatten als Konsequenz aus dem Fall insgesamt mehr als 140 russische Diplomaten des Landes verwiesen. Der Kreml reagierte mit der Ausweisung ähnlich vieler Diplomaten.

Anfang Juli war ein Paar in Amesbury, unweit von Salisbury, ebenfalls mit Nowitschok in Berührung gekommen. Die Frau starb, ihr Mann wird weiter im Krankenhaus behandelt. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Paar versehentlich mit dem Nervengift in Berührung gekommen war.

Nervengift Nowitschok

Die Sowjetunion hat unter der Bezeichnung Nowitschok (zu deutsch Neuling) zwischen den 1970er- und 1980er-Jahren eine Serie neuartiger Nervenkampfstoffe entwickelt. Die rund 100 Varianten gehören zu den berüchtigsten Nervenkampfstoffen, die jemals hergestellt wurden. Sie können über die Haut und die Atmung in den Körper gelangen.

Das Gift ist nur schwer nachzuweisen, die Überlebenschancen der Opfer sind gering. Selbst übliche Gegenmittel wie Atropin können meist nur wenig ausrichten. Die englische Schreibweise der Kampfstoffe lautet Novichok.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 08. August 2018 um 22:00 Uhr.

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