Ermittler ziehen sich strahlungsabweisende Schutzanzüge an, um die Bank im britischen Salisbury zu untersuchen, auf der Skripal und seine Tochter gefunden wurden. | Bildquelle: AFP

Giftanschlag auf Skripal Russland will UN-Sondersitzung

Stand: 05.04.2018 00:23 Uhr

Russland will wegen der Affäre um den vergifteten Ex-Spion Skripal eine Sitzung des UN-Sicherheitsrates einberufen. Außerdem hat die diplomatische Krise einen bizarren Aspekt zu Tage gebracht.

Russland will den Giftanschlag auf den ehemaligen Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter in Großbritannien zum Thema im UN-Sicherheitsrat machen. Dem Antrag von Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja zufolge soll die Dringlichkeitssitzung bereits am Donnerstag in New York stattfinden.

Sofern es zu dem Treffen kommt, ist eine direkte Konfrontation Nebensjas mit Großbritanniens UN-Botschafterin Karen Pierce wahrscheinlich.

Britische Vorwürfe als Anlass

Grundlage für eine UN-Sondersitzung ist aus russischer Sicht ein Schreiben vom 13. März von Premierministerin Theresa May an den Sicherheitsrat. Darin heißt es, Russland sei "sehr wahrscheinlich" für den Anschlag mit dem Nervengift Nowitschok verantwortlich. Die 15 Mitglieder des Sicherheitsrates waren bereits am 14. März zusammengekommen, um über den Fall zu beraten. Russland weist jede Verantwortung für den Anschlag im südenglischen Salisbury von sich.

Nervengift Nowitschok

Die Sowjetunion hat unter der Bezeichnung Nowitschok (zu deutsch Neuling) zwischen den 1970er- und 1980er-Jahren eine Serie neuartiger Nervenkampfstoffe entwickelt. Die rund 100 Varianten gehören zu den tödlichsten Nervenkampfstoffen, die jemals hergestellt wurden. Sie können über die Haut und die Atmung in den Körper gelangen.

Das Gift ist nur schwer nachzuweisen, die Überlebenschancen sind gering. Selbst übliche Gegenmittel wie Atropin können meist nur wenig ausrichten. Die englische Schreibweise der Kampfstoffe lautet Novichok.

London und Moskau beschuldigen sich gegenseitig

Großbritannien und Russland überzogen sich erneut mit gegenseitigen Vorwürfen. London beharrte auf einer Sondersitzung des Exekutivrats der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) in Den Haag darauf, dass Moskau hinter der Attacke stecke. Die britische Regierung bezeichnete den russischen Vorschlag, gemeinsam zu ermitteln, zudem als "pervers". Der Exekutivrat des Gremiums lehnte eine Einbeziehung Russlands in die Ermittlungen ebenfalls ab.

Russland nannte die Vorwürfe inszeniert. Es handele sich um eine "groteske Provokation, grob fabriziert von den britischen und amerikanischen Geheimdiensten", sagte der Chef des russischen Auslandsgeheimdienst SWR, Sergej Naryschkin.

Russland verlangte weiter, an den Ermittlungen beteiligt zu werden. Die Ermittlungen Großbritanniens und der Experten der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen seien nicht transparent, sagte der russische Vertreter bei der OPCW, Alexander Schulgin, in Den Haag. Der Vorschlag zu einer unabhängigen Untersuchung sei gemeinsam mit China und dem Iran bei der Sitzung der OPCW eingebracht aber mehrheitlich abgelehnt worden.

Keine Annäherung zwischen Russland und Großbritannien
tagesthemen 22:15 Uhr, 04.04.2018, Birgit Virnich, ARD Moskau

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OPCW-Bericht kommende Woche

Die OPCW erwartet für kommende Woche die Ergebnisse von Laboruntersuchungen. Ein Bericht werde dann Großbritannien übergeben, teilte die Organisation mit. Großbritannien hatte bereits angekündigt, dass der Bericht auch anderen Vertragsstaaten zur Verfügung gestellt werden sollte.

Trotz bislang fehlender öffentlicher Beweise hält die Bundesregierung an dem Verdacht fest, dass Russland vermutlich hinter dem Attentat steckt. Die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer sagte, Deutschland teile die Einschätzung Großbritanniens, dass es eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Verantwortung Russlands gebe. "Daran hat sich nichts geändert." Am Dienstag hatten britische Forscher eingeräumt, die "präzise Quelle" für die eingesetzte Substanz sei unklar.

Moskau: Was ist mit Skripals Haustieren?

Die diplomatische Krise brachte mittlerweile einen bizarren Aspekt zu Tage. Das russische Außenministerium beschwerte sich darüber, dass Großbritannien keinerlei Informationen über den Verbleib der Haustiere des ehemaligen Doppelagenten geliefert habe. "Wo sind die Tiere, in welchem Zustand sind sie? Warum schweigt die britische Seite darüber?", fragte Ministeriumssprecherin Maria Sacharowa in Moskau.

"Wenn Giftstoffe benutzt wurden, dann müssen die Lebewesen gelitten haben", sorgte sich Sacharowa weiter. Eine Nichte der Skripals hatte zuvor in russischen Medien berichtet, ihr Onkel habe Haustiere in seinem Haus in Großbritannien gehalten - Katzen und Meerschweinchen. Sie wies die Vermutung zurück, dass Skripal und seine Tochter in seinem Haus vergiftet worden sein könnten. Die Tiere wären sonst auch vergiftet worden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. April 2018 um 09:00 und um 17:00 Uhr.

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