Ermittler ziehen sich strahlungsabweisende Schutzanzüge an, um die Bank im britischen Salisbury zu untersuchen, auf der Skripal und seine Tochter gefunden wurden. | Bildquelle: AFP

Mutmaßlicher Mordanschlag Ex-Spion weiter in kritischem Zustand

Stand: 08.03.2018 16:47 Uhr

Der Gesundheitszustand des ehemaligen russischen Doppelagent Skripal ist weiterhin kritisch. Die britische Regierung verurteilte den mutmaßlichen Mordanschlag und kündigte "robuste" Reaktionen an.

Auch mehrere Tage nach dem mutmaßlichen Mordanschlag mit einem Nervengift ist der Gesundheitszustand des russischen Ex-Spions Sergej Skripal und seiner Tochter kritisch, aber stabil. Das teilte der britische Innenminister Amber Rudd mit, die Lage bleibe aber "sehr ernst".

Ähnlich hätten sich die Ärzte zum Zustand eines Polizisten geäußert, der dem Russen und dessen Tochter hatte helfen wollen und dabei wohl mit dem mutmaßlichen Giftstoff in Verbindung gekommen war. Der Beamte lag zwischenzeitlich im Koma. Nun sei er aber inzwischen wieder bei Bewusstsein und ansprechbar, hieß es von Rudd weiter.

Insgesamt wurden laut Polizei nach dem mutmaßlichen Angriff 21 Menschen im Krankenhaus behandelt, die mit dem Nervengiftstoff in Berührung gekommen sein könnten, darunter Skripal, seine Tochter und der noch in Behandlung befindliche Polizist. Alle anderen Betroffenen konnten bereits wieder entlassen werden.

Der 66 Jahre alte Skripal und seine 33-jährige Tochter waren am Sonntag mit Vergiftungserscheinungen in der südenglischen Kleinstadt Salisbury bewusstlos aufgefunden worden. Die britischen Behörden sprechen mittlerweile von einem "gezielten Angriff" durch einen "Nervenkampfstoff". Welches Mittel eingesetzt wurde, blieb aber offen. Nach Angaben der Polizei seien derzeit Hunderte Beamte mit der Aufklärung des mutmaßlichen Mordversuchs betraut. Derzeit würden unter anderem Bildmaterial und Aufnahmen von Überwachungskameras aus Salisbury ausgewertet.

Regierung will "robust und angemessen" reagieren

Die britische Regierung verurteilte das Attentat als "widerwärtiges und skrupelloses Verbrechen". Die Öffentlichkeit verlange zu Recht, dass die Verantwortlichen identifiziert und zur Rechenschaft gezogen würden, sagte ein Sprecher von Premierministerin Theresa May.

Innenministerin Rudd versicherte bei einem Auftritt im Parlament, die Regierung werde "robust und angemessen" reagieren, sobald klar sei, wer hinter der Tat stecke. "Das war versuchter Mord auf eine höchst grausame und öffentliche Art", sagte Rudd. Trotzdem müssten Spekulationen vermieden werden.

Kreml weist Schuld von sich

Nach dem Angriff auf Skripal wurden in der Öffentlichkeit jedoch schnell Parallelen zum Fall Litwinenko gezogen. Alexander Litwinenko, ein früherer russischer Geheimagent und britischer Informant, war 2006 in einem Londoner Hotel mit radioaktivem Polonium vergiftet worden. Ein britischer Richter, der den Fall später untersuchte, beschuldigte am Ende die russische Regierung, dafür verantwortlich zu sein.

Skripal war 2006 in Russland zu 13 Jahren Haft verurteilt worden - wegen Spionage für die Briten. 2010 kam er im Rahmen eines Gefangenenaustauschs frei. Danach fand er Zuflucht in Großbritannien.

Russland bestreitet jegliche Verantwortung. Das Außenministerium in Moskau warf den britischen Behörden eine russlandfeindliche Kampagne vor. Noch vor Klärung der Fakten würden Vorwürfe gegen Russland erhoben, sagte Ministeriumssprecherin Maria Sacharowa.

Über dieses Thema berichteten am 08. März 2018 Inforadio um 16:13 Uhr und NDR Info um 17:38 Uhr.

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