Liftbügel eines Schlepplifts hängen im geschlossene Skigebiet auf der Zugspitze in der Luft (Archivbild vom November 2020) | dpa

Reisen in Corona-Zeiten Was wird aus dieser Skisaison?

Stand: 19.11.2021 12:16 Uhr

Die Skiorte in den Alpen hoffen auf eine halbwegs normale Wintersaison. Ist das angesichts der Corona-Entwicklung realistisch? Und unter welchen Bedingungen könnte es gehen?

Von Holger Schwesinger, tagesschau.de

Wenn die Pandemie eines gelehrt hat, dann das: Sichere Prognosen sind nicht möglich - schon gar nicht bei der Frage, wie die Politik auf sich ändernde Infektionszahlen reagieren wird. Aber was heißt das nun für Menschen, die einen Skiurlaub planen? Wird das im Winter 2021/2022 möglich sein? Ein Blick auf die aktuell gültigen Regelungen, die Aussagen von Politikern und Experten sowie die Erfahrungen aus der zurückliegenden Saison gibt zumindest Hinweise darauf, wie es in den einzelnen Ländern laufen könnte.

Holger Schwesinger

Grundsätzlich gilt: Der Sport selbst ist mit Blick auf Corona nicht das Problem. Egal ob auf Alpin- oder Langlaufskiern, dem Snowboard oder dem Schlitten - man ist an der frischen Luft und hält zwangsläufig ziemlich viel Abstand, wenn man nicht zusammenstoßen will. Aber Winterurlaub bedeutet eben auch, dass Menschen von A nach B reisen, in einer Seilbahn nebeneinander sitzen, ins Hotel, ins Restaurant oder eine Bar gehen und dort andere Menschen treffen - alles Bedingungen, die die Ausbreitung von Viren begünstigen.

Weihnachtsgeschäft in Österreich wohl gelaufen

Eines der wichtigsten Reiseziele für deutsche Winterurlauber ist Österreich. In der Saison 2020/2021 waren die Hotels dort geschlossen, Skilifte durften nur für Einheimische oder Tagesgäste aus Österreich öffnen - was den Einheimischen herrlich leere Pisten bescherte, sich für die meisten Liftbetreiber aber nicht gerechnet hat. Da der Tourismus für Österreich wirtschaftlich eine große Rolle spielt, werden die Verantwortlichen alles daran setzen, dass es in diesem Winter anders wird.

Auf den Gletschern und in einigen hoch gelegenen Skigebieten hatte die Saison 2021/2022 schon begonnen. Doch ab Montag müssen die Lifte den Betrieb dort wieder einstellen - Österreich geht wegen der extrem hohen Inzidenzwerte dann in den Lockdown. Der soll allerdings nicht länger als bis Mitte Dezember dauern und die Infektionszahlen so weit drücken, dass das Land dann wieder zu den Regeln zurückkehren kann, die bislang galten.

Nur mit FFP2-Maske in die Gondel

Österreich hat dabei auf umfassende 2G-Regelung für den gesamten Freizeitbereich gesetzt: Wer im Hotel eincheckt oder ein Restaurant betritt, muss einen Nachweis über eine Impfung oder eine überstandene Erkrankung vorlegen. Gleiches gilt beim Kauf eines Skipasses, Kinder unter zwölf Jahren sind davon ausgenommen. Auf der Skipiste gibt es keine Einschränkungen. FFP2-Masken müssen in Gondeln und Sesselbahnen mit Wetterschutzhaube getragen werden, sowie beim Anstehen in Gebäuden.

Wirtschaftlich besonders wichtig sind für die meisten Skiorte die Weihnachtsferien. Der klassische Weihnachts- und Silvesterurlaub ist nach Einschätzung von Experten aber gelaufen. Da sei allenfalls noch mit ein paar Stammgästen zu rechnen, sagt Susanne Kraus-Winkler vom Fachverband Hotellerie in der Wirtschaftskammer. Schon die jüngste deutsche Reisewarnung für Österreich hatte zu einer Stornowelle in den Hotelbetrieben geführt.

Urlaub für Ungeimpfte praktisch ausgeschlossen

Die Branche setze auf ein Durchstarten in der zweiten Saisonhälfte ab Mitte Januar. "Wir hoffen, dass noch was zu retten ist." Der Lockdown selbst sei aber alternativlos. "Wir müssen das jetzt mittragen", sagte Kraus-Winkler.

Für Ungeimpfte wird ein Urlaub in Österreich allerdings ziemlich sicher nicht mehr möglich sein. Denn es ist unwahrscheinlich, dass das Land die 2G-Regel wieder kippt. Nach Angaben der Regierung hat sich gezeigt, dass der Druck von 2G durchaus hilft, die Impfbereitschaft zu steigern. Und ab Februar will Österreich ohnehin eine generelle Impfpflicht einführen.

Schweiz setzt auf 3G-Regel

Einen anderen Weg geht die Schweiz. Sie war das einzige Alpenland, in dem auch in der vergangenen Saison Winterurlaub weitgehend ohne größere Einschränkungen möglich war. Die Schweizer haben davon reichlich Gebrauch gemacht - ohne dass sich Skiorte zu Corona-Hotspots entwickelt hätten. Auch Gäste aus Deutschland wären die meiste Zeit willkommen gewesen, hätten bei der Rückreise in Deutschland aber in Quarantäne gemusst - und kamen entsprechend spärlich.

Das soll in dieser Saison anders werden - die Schweiz wirbt um Gäste aus dem Ausland und setzt in touristischen Bereichen bislang überwiegend auf die 3G-Regel. Auch Ungeimpfte können damit einreisen und im Hotel einchecken. Allerdings müssen sie bei der Einreise und später nochmal während des Aufenthalts einen negativen Test vorlegen - und auch selbst bezahlen, was in der Schweiz relativ teuer werden kann. In Hotels, Restaurants und Bergbahnen gelten Schutzkonzepte.

3G in Italien in fast allen Bereichen

Auch Italien setzt auf 3G - allerdings in weit größerem Umfang als die Schweiz. Für praktische alle Bereiche des Alltags - zum Beispiel auch die Benutzung von Zügen oder Bussen - benötigt man dort schon seit Wochen den Nachweis einer Impfung, einer überstandenen Infektion oder einen negativen Test. Gleiches gilt für die Benutzung von Seilbahnen.

Italien hat eine hohe Impfquote und derzeit einen Inzidenzwert, der deutlich unter dem von Deutschland liegt. Aber auch hier steigen die Zahlen. Es ist also denkbar, dass auch in Italien die Regeln verschärft werden.

Hotels in Deutschland sollen offen bleiben

Und in Deutschland? Hier war die vergangene Saison - wie in Italien - praktisch komplett ausgefallen. Zwar kamen massenweise Spaziergänger und Tourengeher für Tagesausflüge in die Berge. Hotels hatten aber geschlossen und Skifahren auf der Piste war nur in einigen eher exotischen Ausnahmefällen möglich. So erlaubte es Baden-Württemberg etwa, dass Familien einzelne, kleine Skilifte stundenweise mieten. Im Sauerland war es ganz zum Ende der Saison möglich, noch ein wenig auf dem Kunstschnee zu fahren, den die Liftbetreiber zu Anfang des Winters produziert hatten - in der Hoffnung, zu Weihnachten öffnen zu dürfen.

Diese Hoffnung gibt es bei den Liftbetreibern auch jetzt - aber es gibt auch wieder viele Fragezeichen. In den deutschen Mittelgebirgen wird es mangels Schnee ohnehin noch eine Weile dauern, bis die Saison starten kann. Und in den Alpen schaut man gebannt auf das, was in Berlin und München beschlossen wird. "Wir können nur immer bis zum Fristablauf der jeweiligen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung planen", sagt etwa Antonia Asenstorfer von den Alpenbahnen Spitzingsee, Brauneck und Wallbergbahn in Oberbayern. Man plane aber klar mit Skibetrieb.

"Jederzeit kurzfristige Änderungen"

Laut dem vom Bundestag beschlossenen Infektionsschutzgesetz ist ausgeschlossen, dass Hotels und Restaurants - wie im vergangenen Winter - noch einmal komplett schließen müssen oder Reisen verboten werden. Wie die Regeln für Urlauber dann aber im Detail aussehen, ist Sache der Bundesländer und hängt von der sogenannten Hospitalisierungsinzidenz ab. In Bayern gilt seit Dienstag in Hotels und Gaststätten die 2G-Regel. Die Bayerische Zugspitzbahn startete heute als erstes deutsche Skigebiet in die Wintersaison - ebenfalls mit 2G, also ausschließlich für Geimpfte und Genesene, und mit diversen Hygienemaßnahmen.

Mit einem ähnlichen Konzept plant man auch in der zweiten großen Skiregion Deutschlands, im Allgäu. Dort soll es Anfang Dezember losgehen. Die Bergbahnen Oberstdorf Kleinwalsertal weisen auf ihrer Website aber schon jetzt vorsichtshalber darauf hin, "dass es aufgrund behördlicher Vorgaben jederzeit zu kurzfristigen Änderungen kommen kann". Wie schnell und wie drastische diese Änderungen kommen können, zeigt sich am Lockdown in Österreich, mit dem noch vor wenigen Wochen niemand gerechnet hatte. Und der betrifft auch das Allgäuer Bergbahnunternehmen. Denn ein Teil des Skigebiets liegt in Österreich.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. November 2021 um 13:00 Uhr.