Hintergrund

Hintergrund zur Sixtinischen Kapelle Ein magischer Ort

Stand: 22.10.2015 16:33 Uhr

Die Sixtinische Kapelle ist der Ort, an dem die Päpste gemacht werden - doch nur während eines Konklaves ist sie streng abgeschirmt. Zu "normalen" Zeiten besuchen jährlich 4,5 Millionen Menschen aus aller Welt die geweihte Kirche - und sind überwältigt von Michelangelos Wandgemälden.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Hörfunkstudio Rom

Nichts von der Wahl eines Papstes darf nach außen dringen, die "Cappella Sistina", die Sixtinische Kapelle, ist ein Ort voller Geheimnisse. Und doch kann jeder hinein: mit einer einfachen Eintrittskarte. Für die jährlich rund 4,5 Millionen Besucher der Vatikanischen Museen ist die "Sistina" meist der Höhepunkt.

Nur rund um das Konklave ist alles anders: Dann wird abgesperrt und es werden Tische und Stühle aufgestellt für die wahlberechtigten Kardinäle. Und in einer Ecke wird der Gussofen aufgebaut, von dem aus der schwarze oder weiße Rauch durch ein improvisiertes Ofenrohr zum Himmel aufsteigt.

Geweihte Kirche mit berühmten Fresken

Ihren Namen hat die Sixtinische Kapelle von Papst Sixtus IV., der sie in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erbauen ließ - 40 Meter lang, 13 Meter breit, 20 Meter hoch. Ursprünglich war sie nicht für die Wahl der Päpste gedacht, sondern als sakraler Raum gleich neben dem Apostolischen Palast. Bis heute ist die Sixtina eine geweihte Kirche, berühmt nicht zuletzt wegen der Fresken Michelangelos aus dem 16. Jahrhundert, darunter das "Jüngste Gericht".

Das "Jüngste Gericht" von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle
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Die Sixtinische Kapelle enthält einige der berühmtesten Wandgemälde der Welt, darunter das "Jüngste Gericht" von Michelangelo.

Erst seit dem Ende des Kirchenstaates 1870 finden in der Sixtinischen Kapelle regelmäßig die Papstwahlen statt. Einerseits weil sie ein geschützter Raum war in Zeiten, in denen die Verhältnisse zwischen dem neu gegründeten italienischen Staat und der katholischen Kirche noch nicht geklärt waren. Andererseits war das Kardinalskollegium mit den Jahrhunderten immer größer geworden: Maximal 120 wahlberechtigte Kardinäle sollen heutzutage den Papst wählen - die brauchen Platz.

"Ja-Wort" hinter verschlossenen Türen

Bis zur Wahl Johannes Pauls II. 1978 waren die Kardinäle in der Sixtina und den umliegenden Räumen und Gängen während des Konklaves rund um die Uhr eingeschlossen. Inzwischen kommen sie morgens zu den Wahlsitzungen, und am Abend schlafen die Kardinäle in einem Gästehaus im Vatikan - weiter ohne Kontakt zur Außenwelt. Aber in der Sixtina werden immer noch die Päpste gemacht.

Der neue Papst ist übrigens in dem Moment im Amt, wenn er die Frage, ob er die Wahl annehme, mit "Ja" beantwortet. Auch das passiert immer noch hinter den verschlossenen Türen der Sixtinischen Kapelle.

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