Dieses vom russischen Fernsehsender RU-RTR via AP zur Verfügung gestellte Standbild zeigt eine neue Sarmat-Interkontinentalrakete.  | dpa

SIPRI-Bericht Zahl der Atomwaffen weiter gesunken

Stand: 15.06.2020 00:51 Uhr

Den Friedensforschern des SIPRI-Instituts zufolge ist das weltweite nukleare Arsenal erneut geschrumpft. Ein Grund zur Entwarnung sei das allerdings nicht. Denn die Bedeutung der Atomwaffen nehme wieder zu.

Auch knapp drei Jahrzehnte nach dem Ende des Kalten Krieges gibt es immer noch mehr als 13.000 Atomwaffen auf der Erde. Die Gesamtzahl der nuklearen Sprengköpfe im Besitz der Atommächte ging 2019 zwar um etwa 3,5 Prozent zurück, wie aus dem Jahresbericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI hervorgeht.

Demnach besaßen die USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea zu Beginn dieses Jahres insgesamt 13.400 nukleare Sprengköpfe. Das sind 465 weniger als Anfang 2019. Geschätzt wird, dass davon derzeit 3.720 operativ einsetzbar sind, darunter fast 1.800, die auf hoher Alarmstufe bereit gehalten werden. Anfang 2018 verfügten die neun Nuklearmächte zusammen über 14.465 Sprengköpfe.

Minuteman-Rakete auf der Minot Luftwaffenbasis (USA) | picture alliance/AP Photo

Eine Minuteman-Rakete auf einer US-Luftwaffenbasis. Bild: picture alliance/AP Photo

Atomwaffenfreie Welt nicht in Sicht

Für eine Entwarnung sehen die Sipri-Forscher jedoch keinen Grund, im Gegenteil: Inmitten weltweit zunehmender politischen Spannungen seien Russland und die USA dabei, eine neue Generation nuklearer Waffensysteme zu entwickeln, darunter Atomsprengköpfe, Raketen- und Flugzeugträgersysteme. So setzen beispielsweise die USA auf neue Atomwaffen mit geringerer Sprengkraft, die demnach gezielter eingesetzt werden können, aber trotzdem extrem zerstörerisch sind. Nach Einschätzung der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) sinkt durch die sogenannten Mini-Nukes die Hemmschwelle, nukleare Waffen einzusetzen.

Eine atomwaffenfreie Welt sei ohnehin nicht in Sicht. Es erscheine so, dass alle neun Atomwaffenstaaten an ihren Arsenalen auf unbestimmte Zeit festhalten wollten, sagte der Sipri-Experte Shannon Kile der "Deutschen Presse-Agentur". Russland und die USA, die gemeinsam weiterhin mehr als 90 Prozent der atomaren Sprengköpfe besitzen, hätten Atomwaffen in ihren Militärplänen neue und größere Rollen eingeräumt, was einem Trendwechsel im Vergleich zur Zeit nach dem Kalten Krieg entspreche. "Was uns insgesamt beunruhigt, ist die wachsende Bedeutung von Atomwaffen", sagte Kile.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Juni 2020 um 09:00 Uhr.