Der chinesische Impfstoff Sinopharm wird in eine Spritze aufgezogen | REUTERS

Corona-Impfstoff WHO erteilt Sinopharm Notfallzulassung

Stand: 07.05.2021 18:20 Uhr

Die Weltgesundheitsorganisation hat für den chinesischen Corona-Impfstoff von Sinopharm eine Notfallzulassung erteilt. So können UN-Organisationen das Mittel kaufen und verteilen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat dem Corona-Impfstoff des chinesischen Herstellers Sinopharm eine Notfallzulassung erteilt. "Damit ist er das sechste Vakzin, das von der WHO auf Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität geprüft wurde", sagte der Generaldirektor der UN-Gesundheitsbehörde, Tedros Adhanom Ghebreyesus, auf einer Pressekonferenz. Mit Sinopharm erhält die erste chinesische Pharmafirma eine Zulassung der WHO für einen Corona-Impfstoff.

Zulassung könnte globalen Impffortschritt antreiben

Damit kann der Impfstoff in den kommenden Wochen oder Monaten in das von den UN unterstützte Covax-Programm aufgenommen werden. Covax soll dafür sorgen, dass auch ärmere Länder Millionen Corona-Impfstoffe bekommen. Sinopharm hat nur wenige Angaben zu seinem Impfstoff veröffentlicht.

Eine separate WHO-Beratergruppe für Impfstoffe erklärte, sie sei "sehr zuversichtlich", dass der Sinopharm-Impfstoff Menschen im Alter von 18 bis 59 Jahren schütze. Sie habe nur "geringes Vertrauen" in die Wirksamkeit des Impfstoffs bei Menschen über 60 und ein "sehr geringes Vertrauen" in die verfügbaren Daten über schwerwiegende Nebenwirkungen in dieser Altersgruppe.

Bereits Millionen Impfungen in China

China hat nach offiziellen Angaben bereits mehr als 200 Millionen Dosen Impfstoffe im eigenen Land verabreicht, darunter von Sinopharm, Sinovac und andere heimischen Herstellern. Mehr als 100 Millionen Dosen seien ins Ausland geliefert worden. Genannt werden rund 80 Länder und drei internationale Organisationen.

Peking machte keine Angaben darüber, ob der Impfstoff gratis oder zu reduzierten Preisen abgegeben wurde. Wie die meisten Hersteller nennt auch Sinopharm selbst keine Preise. Die werden je nach Mengenabnahme und Empfänger individuell ausgehandelt. Das Gesundheitsportal der renommierten Genfer Universität Graduate Institute nennt in einer Tabelle mit Schätzungen, die auf abgeschlossenen Verträgen basieren, zwischen 18,55 und fast 35,72 Dollar pro Dosis des Impfstoffs von Sinopharm. Damit wäre er teurer als der von BioNTech/Pfizer, der in der Tabelle mit 6,75 und 23,50 Dollar (19,50 Euro) angegeben ist.

Sechste Prüfung durch WHO

Die WHO hatte bereits zuvor anderen Impfstoffen gegen das Coronavirus eine Notfallzulassung erteilt. So den Mitteln von BioNTech/Pfizer, AstraZeneca (in zwei Varianten), Johnson & Johnson und Moderna. Ein zweiter chinesischer Impfstoff, von Sinovac, wird von der WHO noch geprüft, ähnlich wie andere Impfstoffe, darunter der russische Stoff Sputnik V und das Mittel des US-Konzerns Novavax.

Für die EU, die USA und andere Länder mit Regulierungsbehörden hat die Notfallzulassung der WHO keine Bedeutung. Sie prüfen Wirkstoffe selbst und entscheiden über eine Zulassung. Aber Länder, die keine Kapazitäten für eigene wissenschaftlichen Prüfungen haben, nutzen die WHO-Qualitätsprüfung als Grundlage für ihre eigene Zulassung.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Mai 2021 um 18:00 Uhr.