Die Skyline von Singapur mit dem ArtScience-Museum im Vordergrund | Bildquelle: AFP

Ausbreitung des Virus Was Singapur im Corona-Kampf anders macht

Stand: 16.03.2020 10:23 Uhr

In Singapur geht das Leben trotz der Corona-Pandemie fast unverändert weiter. Der autoritäre Stadtstaat in Ostasien hat früh durchgegriffen: mit Solidaritätsappellen und strengen Strafen bei Verstößen.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

"We fight the Virus", heißt ein Song zur Melodie von Simon&Garfunkels "Sound of Silence". Es gibt auch einen Corona-Rap, zu dem in Singapurs Schulen getanz wird: "Wasch Deine Hände, berühr' nicht dein Gesicht - so fegen wir das Virus weg".

So klingen die Schlachtgesänge eines großen gemeinsamen Kampfes, in dem sich jeder auf den anderen verlassen kann. Das ist der Geist Singapurs, an den Premier Lee Hsien Loong appellierte: "Jeder hat seine Aufgabe in dieser Krise, und wir lassen niemanden zurück. Das ist das vereinigte Singapur!"

Auch das Piepsen der Fieberthermometer gehört zum neuen Sound Singapurs - am Flughafen, in U-Bahnhöfen, vor öffentlichen Gebäuden und Einkaufszentren.

Contact-Tracing-Management zur Eindämmung

121 bestätigte Sars-CoV-2-Infektionsfälle gibt es in Sinapur - Stand Montagmorgen. Entscheidend ist aber: Fast ebensoviele Patienten wurden als geheilt entlassen. Alle Infizierten konnten innerhalb kürzester Zeit isoliert werden, die Kontakte der Erkrankten wurden mit dem nach der Sars-Epidemie vor 17 Jahren entwickelten Contact-Tracing-Management identifiziert und unter Quarantäne gestellt. 

Die Situation in Singapur sei unter Kontrolle, erklärt der Regierungschef, und man werde die Stadt nicht herunterfahren, so wie dies in China, Südkorea oder Italien geschehe.

Atemschutzmasken gehören zum Stadtbild

Das Leben geht weiter in der Millionen-Metropole. An Schulen wird unterrichtet, Restaurants und Geschäfte sind geöffnet, kaum mehr Leute als sonst laufen mit Atemschutzmasken herum. Man trägt sie in Asien traditionell weniger zum Eigenschutz als auch Rücksichtnahme gegenüber anderen, wenn man erkältet ist. "Alles andere wäre ein schlechtes Signal", belehrte der Premierminister, und die Singapurer halten sich daran.

Auf der Hut sein, aber nicht panisch, lautet die Devise. Natürlich ist die Stadt leerer als sonst - auch, weil weniger Besucher kommen. Nach Chinesen, Südkoreanern und Italienern werden seit Mitternacht auch keine Reisende aus Deutschland mehr ins Land gelassen. Die Bundesrepublik gilt den Asiaten als Risikofall - als einer jener Staaten, die Corona zu lange nicht ernst genug genommen hätten, wie Premier Lee kritisiert: "Ein alarmierendes Level von Inaktivität hat es die Weltgesundheitsorganisation genannt. Wir hier in Singapur haben Covid-19 von Anfang an absolut ernst genommen", sagte er.

Eine Familie läuft mit Atemschutzmasken vor dem Gesicht durch ein Einkaufszentrum in Singapur. | Bildquelle: HOW HWEE YOUNG/EPA-EFE/Shutterst
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Eine Familie läuft mit Atemschutzmasken vor dem Gesicht durch ein Einkaufszentrum in Singapur.

Hartes Durchgreifen bei Verstößen

So wie all seine Minister und sämtliche Abgeordneten verzichtet der Staatschef auf ein Monatsgehalt zugunsten der sogenannten Helden an der Corona-Front: Krankenschwestern, Putzkräften, Taxifahrern. Das tötet keine Viren, aber schafft Solidarität. Das Virus gilt hier als Existenzbedrohung der Gesellschaft und der Wirtschaft.

Deswegen reagierte man entschlossen und richtete Krisenstäbe ein. Die Quarantäneverordnung beginnt mit Selbstquarantäne zu Hause; als Vorbeugemaßnahme. In den Krankenhäusern stehen mehr als 400 Isolierbetten bereit.

Bei Verstößen wird hart durchgegriffen: Vier Ausländer mit Arbeitsbewilligungen etwa wurden wegen Quarantänebruchs des Landes verwiesen und sofort ausgeflogen. Sie hatten vor der Einreise falsche Angaben über ihren Aufenthalt gemacht.

Die Menschen vertrauen der Regierung

Natürlich lässt sich Singapur nicht mit anderen Ländern vergleichen: Die Insellage erlaubt es, Verkehrsströme zu kontrollieren und Grenzen im Notfall einfach abzuriegeln. Zudem ist der Stadtstaat keine Demokratie im westlichen Sinne.

Nachrichtenmedien werden von der Regierung kontrolliert und berichten quasi identisch über Corona - und darüber, wie man Ansteckung verhindern kann. Auch sind die Singapurer für westliche Begriffe geradezu unfassbar obrigkeitshörig und folgsam. Das macht Krisenmanagement natürlich einfacher: Die Menschen glauben ihrer Regierung, vertrauen darauf, dass sie das Richtige tut und befolgen ihre Anweisungen. Auch deshalb ist Panik in Singapur ein Fremdwort.

Wie Singapur Corona bekämpft
Holger Senzel, ARD Singapur
16.03.2020 09:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5aktuell am 16. März 2020 um 10:51 Uhr.

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