Simbabwe

Die freieste Wahl seit 1980

Stand: 30.07.2018 05:00 Uhr

Erstmals seit 1980 ohne Robert Mugabe: In Simbabwe haben die Bürger wieder eine echte Wahl. Ob sein Nachfolger Mnangagwa oder Oppositionskandidat Chamisa Präsident wird, ist offen.

Von Jana Genth, ARD-Studio Johannesburg

Es sind die ersten freien Wahlen in Simbabwe, seitdem die Ära Robert Mugabe zu Ende ging. Der Wahlkampf war fair. Einen einzigen Anschlag hat es gegeben. Ansonsten waren die vergangenen Wochen gewaltfrei. Das gibt Grund zur Hoffnung, dass sich der Alltag in Simbabwe tatsächlich ändert.

Überschwänglich äußert sich King Kandoro, ein Student aus Harare, allerdings nicht: "Es ist schon aufregend. Es gibt die Möglichkeit, dass sich das Schicksal Simbabwes ändert. Ich hoffe schon, dass die Kandidaten ein paar neue Ideen umsetzen werden. Gleichzeitig weiß man aber einfach nicht, wie viel die eigene Stimme wert sein wird."

Die Regierungspartei ZANU-PF zeigte sich im Wahlkampf versöhnlich. Ausgerechnet die Partei, die an absolute Macht gewöhnt ist, möchte den Wandel herbeiführen. Immerhin: Einschüchterungen, Gewalt und Brutalität gab es, anders als in der Vergangenheit, während des Wahlkampfs nicht.

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Thomas Denzel, ARD Johannesburg zzt. Harare, schätzt die Wahl in Simbabwe ein

tagesschau24 15:00 Uhr, 30.07.2018

Paul Mangwana aus dem Innenministerium sagt auch das für simbabwische Verhältnisse fast Unglaubliche: "ZANU-PF wird die Stimme des Volkes akzeptieren. Wenn die Mehrheit einen anderen Kandidaten wählt, dann ist das ihre Wahl, auch wenn das sehr unwahrscheinlich ist."

Auch der amtierende Präsident Mnangagwa von Mugabes Partei ZANU-PF hat viele Anhänger

Kandidat der Regierungspartei ist Emmerson Mnangagwa, 70 Jahre alt. Seit der Unabhängigkeit Simbabwes 1980 war er an der Seite von Robert Mugabe. Er gibt alles, um das Image des Krokodils loszuwerden - so nennt man ihn. Immerhin darf er öffentlich kritisiert werden, ohne dass man dafür gleich inhaftiert wird. Das ist eine Verbesserung.

Und doch reden Journalisten immer noch davon, dass sie nicht ungestört arbeiten können, so wie der Radioreporter John Cassim: "Bei den meisten Veranstaltungen, über die wir berichten, werden Journalisten bedrängt, geschlagen oder vertrieben. Oder sie werden aus Arenen, Stadien usw. ausgeschlossen. Wir hoffen immer noch, dass eines Tages Journalisten respektiert werden, dass die Meinungsfreiheit verbessert wird und Journalisten ihren Job ohne Belästigungen machen können."

Mnangagwas Gegenkandidat, Nelson Chamisa, zieht alle Möglichkeiten in Betracht. Der Politiker ist ein ganz anderer Typ. Er ist 40 Jahre alt und tritt für die MDC Allianz an.

Er klang bis zuletzt kämpferisch: "Wir werden kein gefälschtes Ergebnis akzeptieren, auch keine frei erfundenen Geschichten. Wir akzeptieren freie Wahlen. Unser Sieg ist unausweichlich. Unsere DNA ist Frieden, wir arbeiten zusammen für das Land, wir wollen eine große Nation schaffen."

Chamisa hat realistische Chancen auf einen Sieg.

Probleme gibt es genug: 70 Prozent der Simbabwer sind arm, mehr als vier Millionen flohen ins Nachbarland Südafrika, denn Perspektiven gab es kaum in ihrer Heimat. Bargeld ist knapp, eine eigene Währung gibt es ohnehin nicht mehr. Mehr als die Hälfte der simbabwischen Ärzte arbeiten im Ausland.

Ganz generell muss sich einiges ändern in Simbabwe. Politikwissenschaftler David Moore von der Universität Johannesburg sagt, der Startschuss dafür wird am Wahltag fallen: "Das ist die freieste Wahl seit 1980. Wenn man die Geschichte der Wahlen in Simbabwe sieht, voller Gewalt, und auch in ganz Afrika, dann wird diese Wahl gut laufen."

Alle Beobachter rechnen mit einem knappen Ergebnis. Die wenigen Umfragen, die es gab, sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus. Präsident Mnangagwa kommt demnach auf 40 Prozent, sein Herausforderer Chamisa auf 37 Prozent.

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Simbabwe: Erwartungen an den Wahltag
Jana Genth, ARD Johannesburg
30.07.2018 09:26 Uhr