Simbabwes Präsident Mugabe | Bildquelle: REUTERS

Verhandlungen in Simbabwe Militär scheut Mugabes Absetzung

Stand: 17.11.2017 17:03 Uhr

Simbabwes Militär ringt mit Präsident Mugabe um die Zukunft des Landes. Doch der will nicht weichen. Trotz des Putsches wagt es die Armee nicht, ihn einfach abzusetzen. Das führt zu grotesken Situationen.

Von Jan-Philippe Schlüter, ARD-Studio Johannesburg

Zwei Tage schwieg das Militär nach der Machtübernahme. Am Morgen meldete es sich wieder zu Wort. In einer Erklärung heißt es, man habe bei der Operation gegen Kriminelle im Umfeld des Präsidenten deutliche Fortschritte gemacht. Mehrere seien festgenommen worden, andere noch auf der Flucht.

Bizarre Fotos mit den Putschisten

Robert Mugabe beim Treffen mit der Militärführung | Bildquelle: AFP
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Dieses und weitere Fotos des lachenden Präsidenten Mugabe mit Putschisten wurde veröffentlicht.

In der Erklärung heißt es weiter, man verhandle mit Präsident Robert Mugabe über die Zukunft Simbabwes. Die Staatszeitung "The Herald" veröffentlichte bizarre Fotos von den Verhandlungen: Präsident Mugabe und der Putschgeneral Constantino Chiwenga stehen beschwingt nebeneinander, schütteln sich die Hände und lachen breit in die Kamera.

Die fröhlichen Fotos können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass hinter verschlossenen Türen hart verhandelt wird. Aus Armeekreisen ist zu hören, dass sich der greise Despot beharrlich weigert, zurückzutreten.

Onkel Bob verkauft sich teuer

Mugabe hält sich für unverzichtbar. Häufig hat er betont: So lange er da sei, brauche sich niemand Hoffnung auf seine Nachfolge zu machen. Das machte er auch in einem Interview mit dem Staatsfernsehen aus Anlass seines 93. Geburtstags im Februar deutlich. "Die Mehrheit der Menschen hier hat das Gefühl, dass es keinen Ersatz für mich gibt. Keinen Nachfolger, der für sie so akzeptabel ist, wie ich es bin", sagte er damals.

Onkel Bob, wie Mugabe in Simbabwe oft genannt wird, verkauft sich teuer. Trotz des Hausarrests hat er eine starke Verhandlungsposition: Das Militär ist darauf angewiesen, dass er einer Vereinbarung zustimmt. Es kann ihn nicht einfach absetzen, verhaften oder umbringen. Sonst wäre deutlich, dass es sich hier um einen gewaltsamen Putsch handelt.

Armee scheut Absetzung oder Ermordung

Diesen Eindruck wollen die Generäle aber unbedingt vermeiden. Sie würden sonst große Probleme mit der südafrikanischen Staatengemeinschaft SADC und der Afrikanischen Union bekommen. Denn die lehnen eine gewaltsame Machtergreifung und eine Absetzung Mugabes strikt ab. Im militärischen Sprachgebrauch ist deshalb weiter die Rede von einer "Operation gegen Kriminelle im Umfeld des Präsidenten".

Mittlerweile soll der ehemalige Vizepräsident Emmerson Mnangagwa zurück in Simbabwe sein. Er hatte sich ins Ausland abgesetzt, nachdem Mugabe ihn vergangene Woche entlassen hatte. Mnangagwa gilt als Schlüsselfigur hinter dem Militärputsch. Er will Mugabe als Präsident nachfolgen. Nicht bestätigten Meldungen zufolge könnte Mnangagwa bis zu den nächsten Wahlen eine Übergangsregierung leiten.

Allerdings ist Mnangagwa laut Politikanalyst Pedzisai Ruhanya vom Simbabwe Demokratie-Institut bei weitem kein Garant für frischen Wind. "Es gäbe keinen großen Wechsel. Die Strukturen und Institutionen, mit denen Mugabe unterdrückt hat, wären immer noch die gleichen", sagt Ruhanya. "Was wir dann bekämen, würde ich eine 'wohlwollende Diktatur' nennen."

Opposition fordert Neuwahlen

Die simbabwische Opposition hat sich mittlerweile auch geäußert. Oppositionschef Morgan Tsvangirai von der Partei MDC-T forderte den Rücktritt Mugabes und ein Ende der Militärherrschaft. "Das Ziel muss eine vollständige Rückkehr zu einer legitimen Zivilherrschaft sein. Herbeigeführt durch glaubwürdige, freie und faire Wahlen, unter der Aufsicht einer unabhängigen, internationalen Institution", verlangte Tsvangirai. "Wir sind der Meinung, dass nationale Lösungen für dieses nationale Problem am besten von Simbabwern gefunden werden."

Tsvangirai ist ein zäher Oppositionspolitiker. Er wurde mehrmals vom Mugabe-Regime verhaftet und von der Polizei gefoltert. Bei seiner Pressekonferenz fragte ihn ein Journalist unter lautem Lachen der ihn umgebenden Kollegen, ob Tsvangirai eine persönliche Befriedigung empfinde, dass Mugabe nun unter Hausarrest stehe. "Nein, ich empfinde keine Befriedigung. Für mich ist das nie etwas Persönliches gewesen", versicherte Tsvangirai. "Es ging immer um politische Meinungen. Ich wünschte mir, dass er die Zeit jetzt nutzen würde, um sein Vermächtnis zu einem positiven Ende zu bringen."

Die einflussreichen Kriegsveteranen, die einst eng mit Mugabe verbunden waren, zeigen sich wenig respektvoll. Ihr Führer Christopher Mutsvangwa sagte heute, Mugabe sei ein alter Mann, der die Kontrolle über seine verrückte Frau verloren habe. Es sei vorbei. Die Kriegsveteranen haben für morgen zu Massenprotesten aufgerufen. So solle Mugabe endgültig aus dem Amt gedrängt werden.

Mugabe selbst hatte heute übrigens seinen ersten öffentlichen Auftritt seit dem Putsch: Trotz seines Hausarrests besuchte er die Abschlussfeier einer Universität. In einem blauen Talar mit Doktorhut schritt Robert Mugabe mit anderen Würdenträgern durch das Festzelt. Er eröffnete die Abschlussfeier, eine Rede hielt er während seines Auftritts nicht. Irgendwann schien der 93-Jährige eingenickt zu sein.

Simbabwes Präsident Robert Mugabe bei einer Zeremoni in einer Universität | Bildquelle: AFP
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Trotz seines Hausarrests besuchte Simbabwes Präsident Robert Mugabe zwei Tage nach dem Putsch die Abschlussfeier einer Universität.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. November 2017 um 16:00 Uhr.

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