Der leere Marktplatz der Oldenburger Fußgängerzone in der Silvesternacht. | dpa

Silvester weltweit Stille Nacht - mit Ausnahmen

Stand: 01.01.2022 14:04 Uhr

In der Silvesternacht hat es vor allem durch illegales Feuerwerk mehrere schwere Unfälle gegeben. In einigen Städten gab es Auseinandersetzungen. Ansonsten blieb es eher ruhig. Viele Partys waren abgesagt worden.

Der Start ins neue Jahr 2022 ist wegen der Corona-Pandemie an vielen Orten wieder eher ruhig ausgefallen. "Hier und da gab es ein paar Böller, hier und da eine kleine Schlägerei. Im Verhältnis zum Anlass war das aber minimal", sagte ein Polizeisprecher in Hamburg. Ein Sprecher der Polizei in Kiel sagte: "Das war deutlich weniger als vor Corona." Die Dortmunder Feuerwehr meldete sogar "die ruhigste Dienstschicht aller Zeiten".

Große Feiern - wie die traditionelle Silvesterparty am Brandenburger Tor in Berlin - waren häufig ausgefallen. Dennoch versammelten sich dort in der Nähe um Mitternacht "mehrere Tausend Menschen", wie Polizeisprecher Thilo Cablitz sagte. Viele von ihnen hätten den Jahreswechsel am Brandenburger Tor feiern wollen und zu nah beieinander gestanden. Beamte hätten die Menschen aufgefordert, das Gebiet zu verlassen, die Menschenmenge habe sich nach und nach aufgelöst.

Toter in Hennef

Bundesweit ereigneten sich mehrere schwere Unfälle mit Feuerwerkskörpern, obwohl vor dem Jahreswechsel kein Feuerwerk verkauft werden durfte, um Rettungsdienste und Krankenhäuser nicht durch Verletzte zu belasten.

Beim Hantieren mit vermutlich selbstgebauten Böllern kam ein Mann in Hennef bei Bonn ums Leben. Der Unfall ereignete sich laut Polizei bei einer privaten Silvesterfeier von zehn Leuten. Kurz nach Mitternacht habe es einen sehr lauten Knall gegeben, zwei Männer hätten schwer verletzt am Boden gelegen. Für einen 37-Jährigen kam jede Hilfe zu spät.

Elfjähriger ist jüngster Verletzter

In Leipzig wurde ein Mann beim Zünden eines vermutlich ebenfalls selbstgebauten Böllers lebensbedrohlich verletzt, wie ein Polizeisprecher sagte. In Berlin mussten alle zwölf bei der Explosion verletzten Menschen zur Behandlung in Kliniken gebracht werden, wie die Feuerwehr am Neujahrsmorgen mitteilte. Der jüngste Verletzte ist laut Feuerwehr ein elfjähriger Junge. Im Berliner Unfallkrankenhaus wurden unter anderem fünf Personen mit Verbrennungen und Handverletzungen operativ versorgt.

Mindestens zwei Menschen wurden in Hamburg beim Abbrennen von Feuerwerk schwer verletzt. In einem Fall explodierte nach Angaben der Polizei ein Böller in einer selbstgebastelten Abschussvorrichtung und verletzte einen 50-jährigen Mann schwer im Gesicht, er schwebe in Lebensgefahr. In einem anderen Fall muss einem Mann laut Polizei nach missglückter Böllerei möglicherweise eine Hand amputiert werden. Trotz eines Ansammlungsverbots waren nach Worten der Beamten Tausende Menschen in der City unterwegs - in St. Pauli rund 10.000. In Bochum wurde ein Mann laut Angaben der Feuerwehr durch eine Rakete schwer im Gesicht verletzt.

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Die Welt begrüßt das neue Jahr 2022

Auseinandersetzungen in Stuttgart, Dresden und Leipzig

In Stuttgart kam es gegen Mitternacht beim zentralen Schlossplatz zu Auseinandersetzungen. Einige aggressive Partygänger hätten die Beamten bedrängt und mit Böllern beworfen - die Polizei ging nach eigenen Angaben mit Schlagstöcken und Pfefferspray gegen die Menge vor. Ein Polizist habe ein Knalltrauma erlitten, zwei weitere seien leicht verletzt worden.

Die Polizei in Dresden wurde in der vergangenen Nacht nach eigenen Angaben aus einer Menschengruppe heraus mit Gegenständen beworfen. Die Beamten trafen kurz nach Mitternacht im Stadtteil Leipziger Vorstadt auf 50 bis 100 Menschen, wie die Polizei mitteilte. Diese hätten Hindernisse auf der Straße aufgebaut und angezündet. Ein Einsatzfahrzeug sei durch Flaschenwürfe beschädigt worden. Die meisten Menschen hätten den Platz verlassen, als Kräfte der Bereitschaftspolizei hinzugekommen seien.

Nach Ausschreitungen im Leipziger Osten ermittelt die Polizei wegen Landfriedensbruchs. Etwa eine halbe Stunde nach Mitternacht seien Meldungen zu brennenden Gegenständen auf einer Straßenkreuzung eingegangen. Aus einer Gruppe heraus seien Einsatzkräfte und Fahrzeuge der Polizei beworfen worden.

In Nordrhein-Westfalen gab es - im Vergleich zu den Silvesterfeiern vor Corona - insgesamt weniger Einsätze. Allerdings wurden deutlich mehr Straftaten und Verletzte als zum vergangenen Corona-Jahreswechsel verzeichnet. Die Zahl der Körperverletzungen verdoppelte sich auf 303, teilte die Landesleitstelle mit. Gefährliche Körperverletzungen registrierte die Polizei in 93 Fällen, im Vorjahr waren es 62. Die Zahl der Sexualdelikte stieg von 19 auf 27 gemeldete Fälle. Auch die Sachbeschädigungen nahmen zu. Die Zahl der Verletzten, die bei Polizeieinsätzen erfasst wurden, stieg von 69 auf 101, darunter waren auch 22 Polizisten. Die Polizei erteilte 1069 Platzverweise - nach 821 im Vorjahr.

Feierlichkeiten am Times Square in New York | REUTERS

Tausende Menschen feiern den Jahreswechsel am Times Square in New York. Bild: REUTERS

Kaum Partys auch in anderen Ländern

Auch in anderen Ländern der Welt waren viele große Partys und Feuerwerke abgesagt worden, darunter Festivitäten in Paris In der französischen Hauptstadt war etwa verboten, auf dem Prachtboulevard Champs-Élysées mit Sekt anzustoßen. Trotzdem versammelte sich dort eine große Menschenmenge. In Madrid standen etwa 7000 Menschen dicht gedrängt auf dem Platz Puerta del Sol, um das neue Jahr zu begrüßen.

In New York wurde das neue Jahr am Times Square trotz rekordverdächtigen Corona-Infektionszahlen wieder mit Publikum begrüßt. Um Mitternacht glitt traditionell ein leuchtender Kristallball an einem Fahnenmast herunter und läutete unter dem Jubel Tausender das neue Jahr ein - der sogenannte "Ball Drop". Es regnete Konfetti, und durch die Straßen schallte das Lied "New York, New York".

Bis 13.00 Uhr MEZ am 1. Januar dauerte es, bis der ganze Globus ins neue Jahr gerutscht war. Als letztes waren die unbewohnten Eilande Bakerinsel und Howlandinsel im Pazifik dran. In China sagten wegen Corona mehrere Städte Feuerwerke und größere Festlichkeiten ab, darunter Peking und auch Wuhan, die Stadt, in der Ende 2019 Covid-19 ausgebrochen war. Silvester ist für die Chinesen an sich kein besonders wichtiger Feiertag. Nach ihrem traditionellen Mondkalender beginnt das neue Jahr diesmal erst Anfang Februar.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 01. Januar 2022 um 09:00 Uhr.