Der UN-Syrien-Sonderbeauftragte de Mistura. | Bildquelle: AFP

UN-Sonderbeauftragter de Mistura Ein Abschied mit Bedauern

Stand: 21.12.2018 01:08 Uhr

Mehr als vier Jahre war de Mistura der UN-Sondergesandte für Syrien. Zu seinem Abschied sagte der Diplomat, dass die Vereinten Nationen das syrische Volk niemals aufgeben würden.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Am Ende passieren Dinge, die sonst nie oder fast nie im Sicherheitsrat passieren. Es gibt nicht nur Applaus für den scheidenden UN-Syrien-Sonderbeauftragen Staffan de Mistura - nein, er schreitet auch einmal das ganze Rund des Tisches ab, um sich bei den Ländervertretern per Handschlag zu verabschieden - nach einer langen und schwierigen gemeinsamen Reise.

Selfies und letzte Gespräche beenden die Sitzung, in der de Mistura nach viereinhalb Jahren wieder einmal einräumen muss: es geht nicht so voran, wie geplant. Es sei bislang nämlich nicht geglückt, einen Ausschuss für eine neue Verfassung zu bilden. Der Streit um dessen Zusammensetzung geht weiter. Das, so de Mistura, tue ihm sehr leid: "Wir müssen noch einmal versuchen, ein gemeinsames Ziel zu finden, gemeinsam zu handeln, wenn 2019 wirklich ein Wendepunkt für Syrien werden soll."

Syrisches Volk hat genug gelitten

Dafür aber spricht auch nach acht Kriegsjahren wenig: der syrische Machthaber Bashar al-Assad hat dank russischer Hilfe mehr und mehr an Boden zurück gewonnen. Von alledem, was der Sicherheitsrat bereits vor drei Jahren beschlossen hat, ist nichts in Sicht: ein Friedensfahrplan für Syrien mit Gesprächen, Waffenstillstand, freien und fairen Wahlen.

Das syrische Volk habe genug gelitten, so im Dezember 2015 der damalige UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon. Doch die eigentlich verbindliche Resolution erwies sich im weiteren Kriegsverlauf als null und nichtig.

Anfang Januar übergibt de Mistura seinen Posten

Der jetzige Abzug der US-Truppen dürfte Assad und seinen russischen Verbündeten weiter helfen. Aber nein, zu dieser drängendsten aller Fragen möchte sich de Mistura nach dem Sicherheitsrat nicht äußern - weder zu den politischen noch militärischen Folgen, das wäre voreilig, so sagt er.

Anfang Januar übergibt der Syrien-Experte dann seinen Posten an den norwegischen Diplomaten Geir Pedersen. Er ist der bereits vierte Diplomat, der den gordischen Knoten durchtrennen soll; einen Konflikt lösen, denn Assad schon weitgehend in seinem Sinne gelöst hat. Bis zu diesem Amtswechsel werde er keine Pressekonferenz mehr geben, so de Mistura:

"Soll ich ihm etwa Tipps und Empfehlungen geben zu meinen Erfahrungen? Was getan werden sollte? Getan werden könnte? Was nicht getan wurde? Und das öffentlich? Das wäre nicht fair gegenüber meinem Nachfolger, den ich respektiere und der ein Freund ist."

Syrisches Volk hat immer und immer wieder gelitten

De Mistura hat sich schon zum Gehen gewandt, doch eine Frage holt ihn zurück - ob es nämlich überhaupt noch Hoffnung für das syrische Volk gebe. Klar sei für ihn, bei allem Vor und Zurück des Krieges: das syrische Volk habe wieder und wieder gelitten, so de Mistura.

Zugleich habe er, de Mistura, immer versichert, dass die Vereinten Nationen die Menschen nicht im Stich lassen würden. Wenigstens habe man mit Essen und Impfmitteln helfen können, mit Waffenstillständen.

Das sei natürlich nicht genug, aber - und der sonst so bedächtig ruhige Diplomat schlägt mit der Faust auf das Rednerpult: die Vereinten Nationen würden das syrische Volk niemals aufgeben.

Abschied mit Bedauern: UN-Syrien-Sonderbeauftrager letztes Mal im Sicherheitsrat
Kai Clement, ARD New York
21.12.2018 00:15 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 21. Dezember 2018 um 06:45 Uhr.

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