Kirill Serebrennikow | Bildquelle: dpa

Nach umstrittenen Betrugsverdacht Russischer Regisseur unter Hausarrest

Stand: 23.08.2017 18:33 Uhr

Eine Moskauer Haftrichterin hat Hausarrest gegen den russischen Starregisseur Serebrennikow verhängt - vorerst bis zum 19. Oktober. Der international anerkannte und regierungskritische Künstler war am Dienstag festgenommen worden. Ermittler werfen ihm Veruntreuung vor.

Ein Gericht in Moskau hat den prominenten russischen Theaterregisseur Kirill Serebrennikow unter Hausarrest gestellt. Dem 47-Jährigen wird Veruntreuung von 68 Millionen Rubel (knapp eine Million Euro) vorgeworfen, die für eine Produktion an seinem Theater vorgesehen waren.

Die Richterin lehnte Serebrennikows Antrag ab, ihn auf freien Fuß zu setzen und weiter arbeiten zu lassen. Er müsse eine Fußfessel tragen. Der Hausarrest bedeutet eine weitgehende Kontaktsperre: Serebrennikow darf kein Internet nutzen und keine Post verschicken. Über Ausnahmen vom Hausarrest entscheidet der Ermittler.

Trotzdem Premiere in Stuttgart

Trotzdem hält die Stuttgarter Staatsoper an der Premiere der Märchenoper "Hänsel und Gretel" fest. Die Premiere soll wie geplant am 22. Oktober auf die Bühne kommen - mit Hilfe des Teams von Serebrennikow. Dies sei möglich, weil der Regisseur "wesentliche Teile des Inszenierungskonzeptes, das Bühnenbild und die Kostüme bereits fertig gestellt" habe, hieß es.

Gogol-Theater in Moskau | Bildquelle: AFP
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Vor dem von Serebrennikow geleiteten Gogol-Theater warteten Journalisten auf Informationen.

Breite Front der Solidarität

Die Verteidigung kündigte Rechtsmittel an. Unterstützer des regierungskritischen Künstlers im Gerichtssaal riefen "Schande!" und skandierten seinen Namen, als die Entscheidung bekannt wurde. Auch vor dem Gebäude hatten sich mehrere hundert Menschen versammelt, um ihre Solidarität mit dem Leiter des Moskauer Gogol-Theaters zu bekunden.

Viele russische Kulturschaffende erklärten sich bereit, für Serebrennikow zu bürgen. Die Witwe des Literaturnobelpreisträgers Alexander Solschenizyn, Natalja Solschenizyna, die Schriftstellerin Ljudmila Ulitzkaja, die Regisseure Fjodor Bondartschuk und Jewgeni Mironow und andere unterzeichneten ein entsprechendes Schreiben. In einer Online-Petition forderten mehr als 14.000 Menschen ein Ende des Verfahrens. Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Bärbel Kofler, äußerte sich besorgt.

Regisseur als gesellschaftskritisch bekannt

Serebrennikow ist für gewagte Produktionen bekannt, die Korruption, Lügen der Behörden und die zunehmend konservative Haltung der russischen Gesellschaft aufs Korn nehmen. Seine Anhänger sehen in den Ermittlungen eine Vergeltung konservativer Kreise des Kremls wegen Serebrennikows satirischer Kritik an den Behörden.

Über dieses Thema berichtete am 23. August 2017 Inforadio um 16:12 Uhr und die tagesschau um 17:00 Uhr.

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