Oleg Senzow

Urteil in umstrittenem Prozess in Russland 20 Jahre Haft für Ukrainer Senzow

Stand: 25.08.2015 19:46 Uhr

Ungeachtet internationaler Proteste hat die russische Justiz den ukrainischen Regisseur Senzow zu 20 Jahren Haft verurteilt. Er sei schuldig, Terroranschläge auf der Halbinsel Krim geplant zu haben. Die Ukraine und der Westen halten den Prozess für politisch motiviert.

Ein russisches Gericht hat den ukrainischen Filmregisseur Oleg Senzow zu 20 Jahren Gefängnis wegen "Terrorismus" verurteilt. Den Mitangeklagten Alexander Koltschenko verurteilten die Richter im südrussischen Rostow am Don zu zehn Jahren Haft. Obwohl beide nie die russische Staatsbürgerschaft beantragten, wurde ihnen als Russen der Prozess gemacht.

Den Männern wurde in dem international umstrittenen Prozess von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, im Mai 2014 das Büro einer prorussischen Partei auf der von Russland annektierten Krim in Brand gesetzt und geplant zu haben, eine Lenin-Statue in Simferopol in die Luft zu sprengen.

Laut Anwälten wurden Zeugen gefoltert

Senzow hatte die Anschuldigungen zurückgewiesen, in der ersten Anhörung vor Gericht sprach er von einem "politischen Verfahren". Nach der Urteilsverkündung erklärte sein Verteidiger, gegen die Entscheidung in Berufung gehen zu wollen. Der Richterspruch sei "der Gipfel der Ungerechtigkeit und Rechtlosigkeit".

Auch der Westen und die ukrainische Regierung kritisieren den Prozess als politisch motiviert. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko sprach dem Regisseur nach der Urteilsverkündung Mut zu. "Warte ab, Oleg! Es wird eine Zeit kommen, in der diejenigen, die diesen Prozess gegen dich organisiert haben, selbst auf der Anklagebank sitzen", schrieb er im Internetdienst Twitter.

Der Regisseur, der aus der Krim-Stadt Simferopol stammt, hatte bei den Maidan-Protesten 2013/2014 in Kiew die prowestlichen Demonstranten unterstützt. Die von der Ukraine und dem Westen kritisierte russische Annexion der Schwarzmeerhalbinsel Krim lehnt er ab.

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Zeugen wurden gefoltert

Nach Angaben von Anwälten der Angeklagten wurden Zeugen gefoltert, um sie zu Aussagen gegen Senzow und Koltschenko zu zwingen. Die Zeugen sollten Belege dafür liefern, dass die beiden Männer der rechtsextremen ukrainischen Gruppierung Rechter Sektor angehören. Zwei Zeugen, die sich weigerten auszusagen, wurden im Zusammenhang mit dem Fall zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

Senzow war 2012 mit seinem Film "Gamer" über einen jungen Computerspieler auf dem Filmfestival in Rotterdam ausgezeichnet worden. Die Arbeit an seinem zweiten Spielfilm unterbrach er, um an den Protesten im Frühjahr 2014 in Kiew teilnehmen zu können.

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