Wolodymyr Selenskyj | dpa

Krieg in der Ukraine "Sie haben den Befehl, uns alle auszulöschen"

Stand: 02.03.2022 11:22 Uhr

Präsident Selenskyj hat den Angriff auf den Kiewer Fernsehturm in der Nähe der Holocaust-Gedenkstätte Babyn Jar scharf verurteilt: Putin wolle die Ukraine und ihre Geschichte auslöschen. Selenskyj forderte erneut mehr Hilfe.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Russland vorgeworfen, die Ukraine, ihre Geschichte und ihr Volk auslöschen zu wollen. Selenskyj äußerte sich wie schon zuvor im Konflikt in einer Videobotschaft - einen Tag nach dem Angriff auf Kiew und die dortige Holocaust-Gedenkstätte Babyn Jar. Dabei waren mutmaßlich zwei Raketen beim Fernsehturm in der Hauptstadt in unmittelbarer Nähe zu Babyn Jar eingeschlagen. Fünf Menschen wurden ukrainischen Angaben zufolge getötet und mehrere verletzt.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

In Babyn Jar verübten im Zweiten Weltkrieg deutsche Besatzungstruppen und ihre ukrainischen Hilfstruppen ein Massaker an Zehntausenden Juden. "Dieser Angriff zeigt, dass für viele Menschen in Russland unser Kiew absolut fremd ist", sagte Selenskyj. "Sie wissen gar nichts über Kiew, über unsere Geschichte. Aber sie alle haben den Befehl, unsere Geschichte, unser Land, uns alle auszulöschen."

Appell an Juden auf der ganzen Welt

"Wir alle sind noch einmal durch Babyn Jar gestorben. Obwohl die Welt immer wieder versprochen hat, dass das nie wieder geschehen wird", sagte der 44-Jährige weiter, der selbst jüdische Wurzeln hat. "Sehen Sie nicht, was passiert? Deshalb ist es jetzt sehr wichtig, dass Sie, Millionen Juden auf der ganzen Welt, nicht schweigen. Denn der Nazismus wird im Schweigen geboren. Schreien Sie es hinaus, dass Zivilisten ermordet werden, schreien Sie es hinaus, dass Ukrainer ermordet werden."

Selenskyj ergänzte, fast 6000 Russen seien an den vergangenen sechs Tagen des Krieges getötet worden. Russland könne die Ukraine nicht mit Bomben, Angriffen und Raketen gewinnen. Der Präsident forderte mehr internationale Unterstützung für sein Land. Die Antwort des Westens reiche nicht aus. Er rief außerdem dazu auf, die Bewerbung seines Landes für einen Beitritt zur Europäischen Union zu unterstützen. "Es ist nicht die Zeit, neutral zu sein."

Über dieses Thema berichtete WDR5 im "Morgenecho" am 02. März 2022 um 06:24 Uhr.