"Alan Kurdi", Archivbild | Bildquelle: FABIAN HEINZ/SEA-EYE HANDOUT/EPA

Seenotrettung im Mittelmeer Flüchtlinge der "Alan Kurdi" dürfen an Land

Stand: 24.09.2020 20:54 Uhr

Mit 125 Flüchtlingen an Bord steuert die "Alan Kurdi" Sardinien an. Die Geretteten dürften im Hafen von Olbia an Land gehen, erklärte Italiens Innenministerium. Die meisten sollten innerhalb Europas verteilt werden.

Nach tagelanger Irrfahrt auf dem Mittelmeer dürfen die Flüchtlinge auf dem Rettungsschiff "Alan Kurdi" in Sardinien an Land gehen. Das Schiff dürfe die Küstenstadt Olbia im Nordosten Sardiniens ansteuern, teilte die deutsche Hilfsorganisation Sea-Eye mit.

Zuvor hatte das italienische Innenministerium die Einfahrt genehmigt. Die meisten Menschen sollten auf andere europäische Länder aufgeteilt werden, hieß es in einer Erklärung des Ministeriums in Rom. 80 Prozent der Geflüchteten werden demnach in andere Länder gebracht. Die Übergabe der Geretteten ist laut Sea-Eye für Freitag geplant.

Mehr als 50 Minderjährige an Bord

Die "Alan Kurdi" hatte vergangenen Samstag 133 Migranten vor der libyschen Küste aus dem Mittelmeer gerettet und dann zunächst vor der italienischen Insel Lampedusa vergeblich auf Erlaubnis zur Einfahrt gewartet. Am Dienstag hatte die italienische Küstenwache acht Personen als Notfälle an Land gebracht - zwei Frauen, einen Mann und fünf Kinder, darunter ein fünf Monate altes Baby.

Alle Bitten um eine Hafeneinfahrt waren laut Sea-Eye zunächst aber vergeblich gewesen, auch habe sich kein Land zur Koordinierung bereitgefunden. Der Kapitän entschloss sich daraufhin, den ursprünglichen Zielhafen Marseille anzusteuern, wo ein Wechsel der Mannschaft geplant war.

Die Stadt Marseille hatte sich "ohne Bedingungen" bereiterklärt, die Menschen aufzunehmen. Die französische Regierung wies am Mittwoch jedoch darauf hin, dass die "Alan Kurdi" im "nächstgelegenen Hafen" anlegen müsse. Daraufhin steuerte das Schiff mit den verbleibenden 125 Geretteten, unter ihnen mehr als 50 mutmaßliche Minderjährige, Sardinien an.

Sea-Eye hofft auf störungsfreie Weiterfahrt

Frankreich habe noch am Mittwochabend auf eine Lösung gedrungen und erfolgreich an Italien appelliert, die humanitären Grundsätze im Fall der "Alan Kurdi" zu beachten, erklärte Sea-Eye. Italien und Malta lassen gerettete Migranten oft Tage oder Wochen auf Schiffen ausharren, ehe ihnen die Einfahrt in einen Hafen erlaubt wird. Am Donnerstagmorgen hatten die italienischen Behörden der "Alan Kurdi" schließlich im sardischen Hafen Arbatax Zuflucht vor einem Unwetter gewährt.

"Wir hoffen, dass wir unsere Fahrt nach Marseille nach der Ausschiffung der 125 Geretteten an Bord störungsfrei fortsetzen dürfen", sagte der Vorsitzende Gorden Isler. Nach der letzten Rettungsaktion im Frühjahr war das Schiff mehrere Wochen in Italien wegen angeblicher technischer Mängel festgehalten worden. Es war der erste Einsatz des Rettungsschiffs nach vier Monaten Pause.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 24. September 2020 um 21:00 Uhr.

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