Das Seenotrettungsboot der Organisation "Ärzte ohne Grenzen". | EPA

Seenotrettung im Mittelmeer Rettungsschiff darf in Sizilien anlegen

Stand: 28.12.2021 21:45 Uhr

Fast 600 Menschen, die sich seit Tagen auf einem kleinen Rettungsschiff drängen. Nun hat Italien dem Boot von "Ärzte ohne Grenzen" erlaubt, in Sizilien anzulegen. Die deutsche "Seawatch 3" muss weiter auf See ausharren.

Nach mehr als einer Woche Wartens auf See hat Italien einem Rettungsschiff mit 558 Migranten an Bord erlaubt, im Hafen von Augusta auf Sizilien anzulegen. Die Menschen waren von der Organisation "Ärzte ohne Grenzen" seit Mitte Dezember aus dem Mittelmeer gerettet worden. Die letzte Rettung war an Weihnachten.

Derzeit wartet außerdem das deutsche Schiff "Sea-Watch 3" mit 440 geretteten Migranten an Bord auf einen sicheren Hafen. Wegen ihres Gesundheitszustandes holten die Behörden bereits einige Menschen von Bord, wie die in Berlin ansässige Organisation Sea-Watch mitteilte. Die Crew hatte die Flüchtlinge und Migranten seit Heiligabend bei fünf Einsätzen im Mittelmeer gerettet.

Schiffe warten tagelang auf sicheren Hafen

In der Vergangenheit mussten die Schiffe privater Seenotrettungsorganisation oft tagelang auf die Zuweisung eines Hafens in Europa warten. Die Seenotretter weigern sich, die Flüchtlinge und Migranten nach Libyen zu bringen, von wo aus viele Menschen die Überfahrt antreten, weil ihnen dort Folter und anderen Menschenrechtsverletzungen drohen.

Die Fahrt über das Mittelmeer gehört zu den gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind in diesem Jahr bislang mindestens 1864 Menschen bei der Überfahrt ums Leben gekommen oder werden vermisst. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 28. Dezember 2021 um 20:35 Uhr.