Bäume pflanzen aus dem Hubschrauber in Kenia | Bildquelle: Norbert Hahn/WDR

Aufforstung in Kenia Bäume pflanzen aus dem Flugzeug

Stand: 04.10.2020 00:35 Uhr

Kenia will seine durch Abholzung dezimierte Waldfläche auf zehn Prozent des Landes vergrößern. Ein Unternehmen aus Nairobi arbeitet schon an der Umsetzung: "Saatbälle" könnten helfen, das Ziel zu erreichen.

Von Norbert Hahn, ARD-Studio Nairobi

Unten stehen Säcke mit illegal geernteter Holzkohle, in einer langen Reihe. Darüber, weit oben, fliegt der Hubschrauber mit Teddy Kinyanjui: über einen Teil des kenianischen Rift Valley. Dort, wo kaum noch Bäume stehen, öffnet Kinyanjui seine große Papiertüte und lässt schwarze Kugeln aus Holzkohlestaub vom Himmel regnen.

Es ist ein Bild mit einer doppelten Bedeutung: einerseits die Bäume, die zu Holzkohle geworden sind - und andererseits der gepresste Holzkohlestaub, der einen Baumsamen in sich trägt und zurückfällt in die Erde, um wieder zum Baum zu werden

Kenia: Wälder retten mit Samenbomben
Weltspiegel, 04.10.2020, Norbert Hahn, ARD Nairobi

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Die Heimat dieser Saatkugeln, der "Seedballs", liegt in einem Vorort von Kenias Hauptstadt Nairobi: auf einem schmucklosen Terrain, das die Kinderstube für Versuche mit Bäumen ist. Hier wird geschaut, wie gut Bäume wachsen, wenn die Kugeln in die Erde kommen - und welche Bäume man überhaupt pflanzen will.

"Das hier ist eine Gelbfieberakazie. Ihre Rinde ist etwas gelber und sie hat Stacheln", erklärt Kinyanjui. "Sie ist berühmt, man sieht sie am Naivasha-See und in der ganzen Region. Traurig für sie ist: Sie produziert eine exzellente Holzkohle. Deshalb ist es in vielen Gebieten auch der erste Baum, der gefällt wird: Er gibt einfach gutes Feuerholz ab."

Die Grundzutaten: Saatgut - und Holzkohlestaub

Bäume pflanzen aus dem Hubschrauber in Kenia | Bildquelle: Norbert Hahn/WDR
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 Teddy Kinyanjui zeigt eine Gelbfieberakazie.

Die Samen für die Saatkugeln kommen vom nationalen kenianischen Waldforschungsinstitut, das wiederum von Bauern beliefert wird. Die Bauern können daran verdienen - und so beim Waldschutz helfen.

Haben sich Kinyanjui und sein Kompagnon Elsen Karstad für eine Sorte entschieden, bekommen die Samen einen "Schutzmantel". "Das Tolle bei den Saatbällen ist: Sie verhindern, dass die Körner von Mäusen, Vögeln und Insekten gegessen werden", sagt Kinyanjui. "Darum geht es hier: die richtige Saat, die richtige Region und der richtige Schutz gegen diejenigen, die die Saatkörner fressen wollen."

Zudem könnte auch der Wind die Körner wegblasen - so wie losen Kohlestaub. Wenn der nicht hier landen würde, in der kleinen Kugel-Manufaktur von Kinyanjui und Karstad. Der Staub ist Abfall, der bei der Herstellung und beim Transport von Holzkohle angefallen ist - bis hierher. "Es ist hier kein Abfall mehr, weil wir ihn ja kaufen", betont Karstad. "Wir haben die Händler, die rufen an und sagen: Wir haben eine Lkw-Ladung. Das wird dann hier gesiebt und zu Briketts verarbeitet. Wir haben Binder, Wasser und eine Roll-Maschine. Das Produkt nennt man 'Holzkohle aus Verkaufsabfall'".

Bäume pflanzen aus dem Hubschrauber in Kenia | Bildquelle: Norbert Hahn/WDR
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Produktion der Seedballs

Bäumepflanzen per Flug-Computerspiel

Wie das Korn in die Kugel kommt, ist übrigens Betriebsgeheimnis. Wie sie ausgebracht wird, nicht: Wer keinen Hubschrauber hat, kann sie einfach vergraben - oder verschießen mit den Zwillen, die es hier an jeder Ecke gibt.

Wer auf einen Hubschrauber nicht verzichten mag und trotzdem etwas tun will, kann neuerdings im Internet loslegen. Kinyanjui und Jay Shapiro, Gründer einer Internetfirma, haben sich zusammengetan. Der Wahlkenianer aus Kanada hat mit seinem Team nicht nur Afrikas erste Video-Konferenzplattform "Gumzo" erfunden, sondern auch "Usiku Games" gegründet - ein Unternehmen mit hohen Ansprüchen.

"'Usiku Games' ist eine Firma, die sozial wirken soll. Wir setzen die Kraft des Spiels ein, um alle Arten sozialer Herausforderungen anzusprechen", sagt Shapiro. "Es ging schon um Klimawandel, Gesundheitsvorsorge und Bildung. Als Kinyanjui mit den Saatbällen zu uns kam, kannten wir die Organisation schon. Mein Sohn hat damit in der Schule zu tun - wir sind froh, helfen zu können."

Helfen, das geht so: Der Spieler fliegt in einem Hubschrauber über ein kahles Land und wirft "Seedballs" ab. Wo ein Baum gepflanzt wird, gibt’s Punkte - für diese Punkte soll der Spieler dann spenden. Geld, das in Kenia zu echten Saatbällen werden soll. Eigentlich gar nicht so schwer.

Bäume pflanzen aus dem Hubschrauber in Kenia | Bildquelle: Norbert Hahn/WDR
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Mit dem Internetspiel sollen Spenden eingeworben werden.

Jährlich werden Abermillionen Bäume abgeholzt

"Das wird die lokalen Naturschützer prima zusammenbringen, gerade auch mit Leuten, die 'Seedballs' gespielt haben", hofft Kinyanjui. "Ich habe gehört, es wurde schon in Berlin und Florida gespielt. Jetzt schlägt es sich nieder in Saatgut. Das können wir dann durch unsere Nebenstellen im ganzen Land verteilen."

Wie viel das Computerspiel am Ende bringen wird, ist noch unklar. Die digitalen Flieger sind erst ein paar Wochen unterwegs, der erste Kassensturz steht noch aus.

Es gehe um mehr als Unternehmensgewinne, versprechen die Firmen: Es gehe um Afrikas Wald. Und um Abermillionen von Bäume auf dem Kontinent, die gepflanzt werden müssen, um allein den jährlichen Verlust durch Abholzung wieder auszugleichen.

Über dieses Thema berichtete das Erste in der Sendung "Weltspiegel" am 04. Oktober 2020 um 19:20 Uhr.

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