Flüchtlinge auf der "Sea-Watch 3" | REUTERS

"Sea-Watch 3" 257 Migranten dürfen nach Sizilien

Stand: 06.08.2021 19:25 Uhr

Italien hat der "Sea-Watch 3" mit 257 Flüchtlingen an Bord erlaubt, Sizilien anzulaufen. Viele von ihnen leiden nach einer Woche an Bord unter Dehydrierung. Der "Ocean Viking" mit mehr als 500 Menschen an Bord wurde weiter kein Hafen zugewiesen.

Die 257 Flüchtlinge an Bord des deutschen Rettungsschiffs "Sea-Watch 3" dürfen im sizilianischen Hafen Trapani an Land gehen. Das Schiff erreiche den Hafen voraussichtlich am Samstagvormittag, sagte "Sea-Watch"-Sprecher Ruben Neugebauer dem Evangelischen Pressendienst epd.

Die Flüchtlinge und Migranten an Bord seien "erleichtert und unglaublich glücklich", teilte die Organisation auf Twitter mit.

Die Flüchtlinge waren seit dem vergangenen Wochenende aufgenommen wurden. Viele Menschen, darunter 70 Minderjährige, zeigten nach einer Woche auf See Symptome von Dehydrierung und wiesen Verletzungen auf.

Das Rettungsschiff "Sea-Watch 3"  | via REUTERS

Einige Migranten an Bord des Rettungsschiffes "Sea-Watch 3" sollen kollabiert sein und Infusionen erhalten haben. Bild: via REUTERS

Ungewissheit für die "Ocean Viking"

Die "Ocean Viking" hingegen wartete weiter auf die Zuweisung eines Hafens. Die 553 Flüchtlinge an Bord leiden laut der Betreiberorganisation SOS Méditerranée zunehmend unter dem Warten und der Ungewissheit. An Bord der "Ocean Viking" seien 119 Minderjährige, darunter ein drei Monate altes Baby, und vier schwangere Frauen.

Trotz mehrfacher Anfragen bei den italienischen und maltesischen Behörden habe die "Ocean Viking" noch keinen Hafen zugewiesen bekommen, sagte die SOS-Méditerranée-Sprecherin an Bord des Schiffs, Julia Schäfermeyer. "Der Gesundheitszustand der Menschen verschlechtert sich zusehends."

Aufgrund des hohen Wellengangs müssten sich viele Flüchtlinge und Migranten an Bord übergeben und dehydrierten. Vor allem die Kinder und schwangeren Frauen litten unter der Situation. Auch in der Vergangenheit mussten private Seenotretter nach ihren Einsätzen oft tagelang auf die Zuweisung eines Hafens warten.

Schäfermeyer zufolge belastet die Ungewissheit viele der Geretteten zunehmend auch psychisch. "Ich habe kein Verständnis dafür, dass wir immer noch auf einen Hafen warten müssen", sagte sie. Die vorgepackten Essensrationen an Bord reichten noch bis Freitagabend, danach werde die Versorgung schwieriger.

Derweil rettete das von Ärzte ohne Grenzen betriebene Rettungsschiff "Geo Barents" am Donnerstagabend im Mittelmeer 25 weitere Flüchtlinge aus Seenot.

Demonstrationen in zahlreichen Städten

Für dieses Wochenende haben Menschenrechtler und Seenotrettungsorganisationen in zahlreichen deutschen Städten zu Demonstrationen aufgerufen. Die Organisatoren, darunter Pro Asyl, Seebrücke, Sea Eye und Amnesty International, fordern ein europäisches Seenotrettungsprogramm und legale Fluchtwege nach Europa.

Das Mittelmeer gehört zu den gefährlichsten Fluchtrouten weltweit. Bislang sind in diesem Jahr laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) mindestens 1180 Menschen ums Leben gekommen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. August 2021 um 17:00 Uhr.