Carola Rackete, die Kapitänin der "Sea Watch 3", in einem Auto der italienischen Guardia di Finanza nach einer Anhörung am Gericht von Agrigent (Bild vom 1.07.2019). | Bildquelle: AFP

"Sea Watch 3"-Kapitänin Rackete taucht nach Freilassung unter

Stand: 03.07.2019 11:37 Uhr

Wegen zahlreicher Drohungen ist die "Sea Watch 3"-Kapitänin Rackete nach ihrer Freilassung an einen "sicheren Ort" gebracht worden. Das teilte die deutsche Hilfsorganisation mit. Italiens Innenminister Salvini ist empört.

Die freigelassene Kapitänin der "Sea-Watch 3", Carola Rackete, ist nach ihrer Freilassung untergetaucht. Aus Angst um ihre Sicherheit sei die 31-Jährige an "einen sicheren Ort" gebracht worden, teilte die deutsche Hilfsorganisation mit. Es habe einige generelle Drohungen gegen Rackete gegeben.

Wo der neue Aufenthaltsort ist - in Italien, Deutschland oder in einem anderen Land - wurde wegen der Drohungen nicht bekanntgegeben. "Wir wollen, dass sie in Sicherheit ist und dass sie erst mal nicht belagert wird", sagte Sprecher Ruben Neugebauer. "Sie wird jetzt erst mal schlafen." Nach Angaben von Racketes Vater wird die Kapitänin "nicht ganz so schnell" nach Deutschland zurückkommen. Sie habe in ihrem neuen Domizil gut geschlafen und wolle für die zweite Anhörung in Italien bleiben, sagte Ekkehart Rackete der Nachrichtenagentur dpa.

Am Vorabend hatte eine Ermittlungsrichterin in Agrigent den Hausarrest gegen Rackete aufgehoben. Die Kapitänin war am Wochenende ohne Erlaubnis der italienischen Regierung mit der "Sea-Watch 3" und 40 Migranten an Bord in den Hafen von Lampedusa gefahren und hatte dabei ein Schiff der Finanzpolizei gestreift.

Sea-Watch-Kapitänin Rackete wieder frei
tagesschau 20:00 Uhr, 03.07.2019, Katja Rieth, ARD Rom

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Rackete freut sich und dankt Crew

Nach ihrer Freilassung hatte sich Rackete berührt von der Solidarität gezeigt, die ihr nach der Festnahme entgegengebracht worden war. Zudem dankte sie dem Einsatz der Besatzung auf der "Sea Watch 3": "Obwohl die Aufmerksamkeit auf mich gerichtet ist, haben wir als Team die Menschen gerettet, uns um sie gekümmert und sie in Sicherheit gebracht", sagte sie in einer Stellungnahme.

Maas erleichtert über Freilassung

Bundesaußenminister Heiko Maas zeigte sich erleichtert über Racketes Freilassung. "Ich hoffe, dass die Vorwürfe nun rasch geklärt werden", teilte er mit. "Der Fall macht erneut deutlich: Wir brauchen endlich eine Lösung für die Verteilung von Geflüchteten, bei der alle EU-Staaten ihren Beitrag leisten."

Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen und Amnesty International forderten anlässlich der Freilassung Racketes, Seenotrettung müsse entkriminalisiert werden.

Di Maio "überrascht", Salvini "sprachlos"

Die italienische Regierung reagierte hingegen ärgerlich. "Mich überrascht die Haftentlassung von Carola Rackete", schrieb der italienische Vizepremier Luigi Di Maio auf Twitter. "Es bleibt jedoch bei der unmittelbaren Beschlagnahmung des Schiffes. Wenn wir sofort konfiszieren, können sie beim nächsten Mal nicht ans Meer zurückkehren und unser Land und unsere Gesetze provozieren."

Kommentar: Isabel Schayani, WDR, zur Seenotrettung vor Lampedusa
02.07.2019

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Italiens Innenminister Matteo Salvini schimpfte in einem Facebook-Livestream gegen Rackete: "Der Platz dieses Fräuleins wäre an diesem Abend das Gefängnis gewesen. Ein Richter hat entschieden, dass es nicht so ist", sagte er. Er sei "sprachlos": "Was muss man machen, um in Italien ins Gefängnis zu kommen?" Salvini kündigte an, die italienische Justiz zu verändern: "Denn das ist kein Urteil, das Italien gut tut, es ist kein Urteil, das für Italien spricht."

Auf Twitter schob er mit Blick auf Rackete noch hinterher: "Sie wird in ihr Deutschland zurückkehren, wo sie nicht so tolerant mit einer Italienerin wären, wenn sie das Leben von deutschen Polizisten in Gefahr gebracht hätte."

Ermittlungen wegen Beihilfe illegaler Migration

Schon vorher hatte Salvini angekündigt, die Kapitänin ausweisen zu wollen - wann das passieren soll, ist jedoch unklar.

Racketes Anwälten zufolge kommt am 9. Juli noch eine Anhörung der italienischen Staatsanwaltschaft auf sie zu, die wegen Beihilfe zu illegaler Migration gegen sie ermittelt. Zwei weitere Vorwürfe des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Widerstand gegen ein Kriegsschiff sollen Medienberichten zufolge fallen gelassen worden sein.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Juli 2019 um 16:00 Uhr.

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