Die Kapitänin der "Sea-Watch 3", Carola Rackete | Bildquelle: AP

"Sea Watch 3"-Kapitänin frei Rackete ist froh - Salvini schäumt

Stand: 03.07.2019 07:14 Uhr

"Sea Watch 3"-Kapitänin Rackete sieht in ihrer Freilassung einen "großen Sieg für die Solidarität". Italiens Innenminister Salvini wettert gegen sie und droht mit einer Justizreform.

Seit gestern Abend ist die Kapitänin des Seenotrettungsschiffs "Sea Watch 3", die zum Wohl mehrerer Migranten ungenehmigt in Italien angelegt hatte, auf freiem Fuß. Sie zeigte sich berührt von der Solidarität, die ihr nach der Festnahme entgegengebracht worden war, und dankte dem Einsatz der Besatzung auf der "Sea Watch 3": "Obwohl die Aufmerksamkeit auf mich gerichtet ist, haben wir als Team die Menschen gerettet, uns um sie gekümmert und sie in Sicherheit gebracht", sagte sie in einer Stellungnahme.

Bundesaußenminister Heiko Maas zeigte sich erleichtert. "Ich hoffe, dass die Vorwürfe nun rasch geklärt werden", teilte er mit. "Der Fall macht erneut deutlich: Wir brauchen endlich eine Lösung für die Verteilung von Geflüchteten, bei der alle EU-Staaten ihren Beitrag leisten."

Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen und Amnesty International forderten anlässlich der Freilassung Racketes, Seenotrettung müsse entkriminalisiert werden.

Di Maio "überrascht", Salvini "sprachlos"

Doch nicht alle können sich mit der Kapitänin und Seenotretterin freuen. Insbesondere die italienische Regierung reagierte ärgerlich. "Mich überrascht die Haftentlassung von Carola Rackete", schrieb der italienische Vizepremier Luigi Di Maio auf Twitter. "Es bleibt jedoch bei der unmittelbaren Beschlagnahmung des Schiffes. Wenn wir sofort konfiszieren, können sie beim nächsten Mal nicht ans Meer zurückkehren und unser Land und unsere Gesetze provozieren."

Kommentar: Isabel Schayani, WDR, zur Seenotrettung vor Lampedusa
02.07.2019

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Italiens Innenminister Matteo Salvini schimpfte in einem Facebook-Livestream gegen Rackete: "Der Platz dieses Fräuleins wäre an diesem Abend das Gefängnis gewesen. Ein Richter hat entschieden, dass es nicht so ist", sagte er. Er sei "sprachlos": "Was muss man machen, um in Italien ins Gefängnis zu kommen?" Salvini kündigte an, die italienische Justiz zu verändern: "Denn das ist kein Urteil, das Italien gut tut, es ist kein Urteil, das für Italien spricht."

Auf Twitter schob er mit Blick auf Rackete noch hinterher: "Sie wird in ihr Deutschland zurückkehren, wo sie nicht so tolerant mit einer Italienerin wären, wenn sie das Leben von deutschen Polizisten in Gefahr gebracht hätte."

Carola Rackete, die Kapitänin der "Sea Watch 3", in einem Auto der italienischen Guardia di Finanza nach einer Anhörung am Gericht von Agrigent (Bild vom 1.07.2019). | Bildquelle: AFP
galerie

Carola Rackete, die Kapitänin der "Sea Watch 3", in einem Auto der italienischen Guardia di Finanza nach einer Anhörung am Gericht von Agrigent (Bild vom 1.07.2019).

Ermittlungen wegen Beihilfe illegaler Migration

Schon vorher hatte Salvini angekündigt, die Kapitänin ausweisen zu wollen - wann das passieren soll, ist jedoch unklar.

Racketes Anwälten zufolge kommt am 9. Juli noch eine Anhörung der italienischen Staatsanwaltschaft auf sie zu, die wegen Beihilfe zu illegaler Migration gegen sie ermittelt. Zwei weitere Vorwürfe des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Widerstand gegen ein Kriegsschiff sollen Medienberichten zufolge fallen gelassen worden sein.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Juli 2019 um 02:00 Uhr und 03:00 Uhr in den Nachrichten.

Darstellung: