Das vom Street Art Künstler Banksy bemalte Rettungssschiff "Louise Michel" transferiert im Mittelmeer mehr als 150 gerettete Menschen zum Rettungsschiff Sea Watch 4, 29. August 2020. | Bildquelle: dpa

Deutsches Rettungsschiff "Sea-Watch 4" darf Palermo anlaufen

Stand: 01.09.2020 16:38 Uhr

Die mehr als 350 Geretteten auf der "Sea-Watch 4" können aufatmen. Italien erlaubt dem Schiff, Palermo als "sicheren Hafen" anzulaufen. Unklar ist noch, wie die Migranten innerhalb der EU verteilt werden.

Italien hat dem deutschen Rettungsschiff "Sea-Watch 4" nach tagelangem Tauziehen die Erlaubnis gegeben, 353 Bootsmigranten nach Sizilien zu bringen. Das private Hilfsschiff dürfe Palermo als "sicheren Hafen" anlaufen, teilte die Organisation auf Twitter mit.

"Endlich Erlösung für die Geretteten an Bord", heißt es in dem Tweet. Wie eine Sprecherin sagte, wird die "Sea-Watch 4" voraussichtlich am Mittwoch dort ankommen. Unter den Migranten seien Männer, Frauen, Kinder und viele unbegleitete Minderjährige. Die Menschen würden auf ein italienisches Quarantäneschiff gebracht. Migranten müssen in Italien in eine zweiwöchige Corona-Isolation.

Italien bittet EU um Unterstützung

Die EU-Kommission hat ein offizielles Gesuch aus Italien erhalten, die Verteilung der Geretteten in Europa zu koordinieren. "Kontakte mit Mitgliedsstaaten laufen, und wir rufen die Mitgliedsstaaten auf, im Geist der Solidarität zu einer Lösung beizutragen", teilte die Behörde in Brüssel mit.

Die "Sea-Watch 4" wird von einem breiten Bündnis von Helfern betrieben - darunter die Evangelische Kirche in Deutschland. Das Schiff befindet sich auf der ersten Fahrt und war Mitte August in Spanien gestartet, um im Mittelmeer vor Libyen schiffbrüchige Migranten aufzunehmen. Der Hafen sei dem Schiff "am 11. Tag nach der ersten Rettung" zugewiesen worden, schrieben die Betreiber. Sie hatten in Italien und in Malta um Aufnahme gebeten.

Große Erleichterung an Bord

Am Wochenende hatte die "Sea-Watch 4" zudem rund 150 Menschen von einem anderen, unter deutscher Flagge fahrenden Schiff übernommen, von der "Louise Michel". Dieses Boot wird vom britischen Streetart-Künstler Banksy unterstützt und trieb manövrierunfähig vor der libyschen Küste.

Alle seien erleichtert, sagte die Sprecherin von "Ärzte ohne Grenzen", Hannah Wallace, an Bord der "Sea-Watch 4". Aber es sei beschämend, wie die europäischen Regierungen äußerst verwundbaren Menschen einen sicheren Hafen verweigerten oder die Zuweisung verzögerten.

Migranten mit Crew-Mitglied Rebecca an Bord der Sea-Watch 4 | Bildquelle: AFP
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Die Freude an Bord der "Sea-Watch 4" ist groß, als die Nachricht kam, dass das Schiff Palermo als "sicheren Hafen" anlaufen darf.

EKD dankt den Rettern

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, erklärte, er sei den Rettern dankbar. Ohne ihren Einsatz wären die 353 Menschen mit hoher Wahrscheinlichkeit ertrunken, sagte er. "Es kann nicht sein, dass Europa wegsieht, wenn Menschen an den Grenzen Europas sterben." Die Bereitschaft vieler europäischer Städte und Kommunen, Gerettete aufzunehmen, zeige, dass die "Politik des Wegsehens" nicht länger hingenommen werde.

Im Laufe des Sommers war die Zahl der übers Meer ankommenden Migranten stark in die Höhe gegangen. Seit Jahresbeginn registrierte das Innenministerium in Rom fast 19.400 Ankünfte - im gleichen Zeitraum 2019 waren es 5253 gewesen. Die Menschen fahren sowohl von Libyen als auch von Tunesien los. In Süditalien sorgen die steigenden Werte zunehmend für Widerstand in den Ankunftsorten. Viele Auffanglager sind überfüllt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 01. September 2020 um 15:43 Uhr.

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