Die "Sea-Watch 3" im Mittelmeer | Bildquelle: REUTERS

Deutsche Seenotretter "Sea-Watch 3" in Italien wieder frei

Stand: 01.06.2019 17:21 Uhr

Mitte Mai hatten die italienischen Behörden auf Sizilien ein Schiff der deutschen Seenotrettungsgesellschaft "Sea-Watch" beschlagnahmt. Nun ist es wieder frei. Die Justiz habe keine Verstöße festgestellt, so die Organisation.

Das Rettungsschiff der deutschen Hilfsorganisation "Sea-Watch" ist in Italien wieder frei. "Gerade haben wir die offizielle Nachricht erhalten, dass unser Schiff nicht länger konfisziert ist und in den Einsatz zurückkehren kann", teilte die Organisation auf Twitter mit.

Die italienischen Behörden hatten das Schiff vorübergehend konfisziert, um zu prüfen, ob gegen Gesetze verstoßen wurde. Dieser Verdacht habe sich nicht erhärtet, sagte "Sea-Watch"-Sprecher Ruben Neugebauer dem ARD-Studio Rom.

Das Schiff "Sea-Watch 3" hatte Mitte Mai vor der Küste Libyens 65 Migranten gerettet. Italiens rechtspopulistischer Innenminister Matteo Salvini hatte sich zwar dagegen gewehrt, dass die Geflüchteten an Land durften. Sie konnten später jedoch in Lampedusa aussteigen. Das Schiff wurde beschlagnahmt. Es liegt derzeit in Licata auf Sizilien.

Ermittlungen gegen den Kapitän

Lebensrettung sei kein Verbrechen, sagte Neugebauer. Die Besatzung der "Sea-Watch" halte sich strikt ans Seerecht, wenn sie Menschen aus Seenot rette und an einen sicheren Hafen bringe. Er freue sich, dass in Italien offenbar die Verfassung immer noch mehr zähle als ein twitternder Minister. Neugebauer spielt dabei auf Salvini von der rechten Lega an. Der hatte auf Twitter unter anderem gefordert, dass der Kapitän der "Sea-Watch" verhaftet werde.

Die Staatsanwaltschaft in Agrigent hatte nach der Konfiszierung des Schiffes gegen den italienischen Kapitän Ermittlungen wegen des Vorwurfs der Begünstigung von illegaler Einwanderung aufgenommen. Es sei noch unklar, was mit diesen Ermittlungen nun sei, sagte Neugebauer.

Die "Sea-Watch" wird voraussichtlich in der kommenden Woche wieder auslaufen. Vorher müsse man noch die Vorräte aufstocken und die Crew wieder einfliegen, so der Sprecher. Man versuche, so schnell wie möglich wieder ins Einsatzgebiet zu kommen.

Das Seawatch-Flugzeug Moonbird | Bildquelle: Sea-Watch/Ulonska
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Das "Sea-Watch"-Flugzeug Moonbird wird unter anderem von der Evangelischen Kirche in Deutschland finanziell unterstützt.

Unterstützung von Bedford-Strohm

Am Sonntag will der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, nach Licata reisen und dort auch die Seenotretter der "Sea-Watch" treffen. Menschen im Mittelmeer ertrinken zu lassen oder sie in die Lager nach Libyen zurückzuschicken sei keine Option für Europa, so Bedford-Strohm. 2019 dürfe nicht zu einem verlorenen Jahr für die Seenotrettung im Mittelmeer werden.

Bedford-Strohm hatte immer wieder gefordert, die Seenotretter nicht zu kriminalisieren. Die EKD unterstützt die Seenotrettung auch finanziell - zum Beispiel das Aufklärungsflugzeug "Moonbird", das von der Hilfsorganisation "Sea-Watch" betrieben wird.

Immer wieder Seenotretter blockiert

Seit dem Amtsantritt der populistischen Regierung in Rom vor einem Jahr wurden immer wieder Seenotretter auf dem Meer blockiert und deren Schiffe beschlagnahmt. Die meisten Schiffe wurden danach wieder freigegeben - haben aber ihre Mission teils aufgegeben.

Italien wehrt sich gegen die Aufnahme von Migranten und hat die Seenotrettung weitestgehend eingestellt. Das Land pocht darauf, dass die Migranten innerhalb der EU verteilt werden.

Besonders umstritten ist, dass Italien und die EU die libysche Küstenwache darin unterstützen, Migranten zurück in das Bürgerkriegsland zu bringen. Hunderte Menschen sind bei der Überfahrt über das Mittelmeer in diesem Jahr bereits gestorben.

Mit Informationen von Lisa Weiß, ARD-Studio Rom

"Sea-Watch 3" ist wieder frei
Lisa Weiß, ARD Rom
01.06.2019 17:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 01. Juni 2019 um 16:44 Uhr.

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