Migranten sitzen in einem Innenraum der Sea Watch 3 auf dem Boden. | Bildquelle: AP

Kein Hafen für Sea Watch 3 Und wieder - Sturm, Hunger, Angst

Stand: 02.01.2019 18:47 Uhr

Sie sind vor Folter und Vergewaltigung in libyschen Flüchtlingslagern geflohen, nun warten sie darauf, mit einem deutschen Rettungsschiff in einem europäischen Hafen anlegen zu dürfen. Die Zeit drängt.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Studio Rom

Seit 30 Tagen ist die "Sea Watch 3" auf See, und seit dem 22. Dezember sind 32 Flüchtlinge an Bord. Gemeinsam hat man schon einen Sturm mit Windstärken zwischen sieben und acht überstanden - und gemeinsam warten die Crew und die Flüchtlinge darauf, in einen sicheren Hafen gelassen zu werden. Dementsprechend ist die Lage an Bord nicht die beste, sagt der Einsatzleiter der deutschen Rettungsorganisation, Philipp Hahn, an Bord.

"Die mentale Situation der Menschen verschlechtert sich von Tag zu Tag, insbesondere nach den Sturmtagen, die wir hatten", erklärt er. "Die Ärzte sorgen sich ebenfalls um die Verpflegung, es fehlen Vitamine. Und das, was wir an Bord haben, ist für den ersten Notfall gedacht, aber nicht dafür, Menschen über einen längeren Zeitraum zu verpflegen."

Frauen und Kinder an Bord

Unter den 32 Flüchtlingen sind vier Frauen, drei Kinder und vier unbegleitete Jugendliche - sie kommen aus unterschiedlichen Ländern wie der Demokratischen Republik Kongo, Nigeria, der Elfenbeinküste. Insgesamt 17 Nationalitäten sind nun an Bord der "Sea Watch 3". Sie sind aus Libyen geflohen, wo in den Flüchtlingslagern Folter und Vergewaltigungen an der Tagesordnung sind.

Die "Sea-Watch 3" im Hafen von Valletta | Bildquelle: dpa
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Unter den Flüchtlingen an Bord der "Sea Watch 3" sind auch Kinder und unbegleitete Jugendliche.

Gewissermaßen auf ihrem Rücken läuft nun ein Szenario ab, das es in den letzten Monaten immer wieder gab. Italien hat seine Häfen geschlossen. Malta, Spanien und Frankreich wollen das Schiff genauso wenig empfangen. So war es schon anderen Rettungsschiffen seit dem vergangenen Sommer ergangen. Für die "Sea Watch 3" ist es das erste Mal.

"Die Suche einem sicheren Hafen gestaltet sich richtig schwierig für die Sea Watch", sagt Hahn. "Wir sind zum ersten Mal damit konfrontiert, dass die Staaten uns schlichtweg jede Hilfe verweigern. Wir sind in Verhandlungen mit der niederländischen Regierung, wir fordern Deutschland auf, hier die Initiative zu ergreifen und Verantwortung zu übernehmen. Wir sind außerdem in Verhandlung mit Malta."

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Italien wartet ab

Länder wie Italien lassen es also wieder einmal auf eine Eskalation ankommen. An Bord hoffen sie nun, dass es eine Einigung darüber gibt, wie die Migranten verteilt werden - aber die Hängepartie dauert jetzt schon mehr als zehn Tage. "Dass die Politik derart blockiert, sich vor Verantwortung drückt, dass es Europa nicht schafft, eine gemeinsame und menschliche Antwort auf die Probleme der Flüchtlinge zu finden, ist sehr frustrierend", sagt Hahn. "Wenn man aber mit den Menschen auf dem Schiff zusammen auf die Zuweisung eines sicheren Hafens wartet, dann ist das schon richtig dramatisch."

Die "Sea Watch 3" ist nicht das einzige Rettungsschiff, dem es so geht. Sie liegt zur Zeit wenige Meilen südwestlich vor Malta. In der Nähe befindet sich das Schiff der Regensburger Organisation Sea Eye mit 17 Migranten an Bord. Auch sie warten auf einen sicheren Hafen.

Lage in Libyen "unmenschlich"

Für die Besatzung der "Sea Watch 3" gibt es keine Alternative zur Rettung der Migranten in Seenot. Denn die Lage in Libyen sei nach wie vor unmenschlich, und die Abschottung Europas funktioniere nicht, sagt Hahn, während am laufenden Band Nachrichten auf seinem Handy einlaufen. Die Verzweiflung der Menschen sei so groß, dass sie weiter fliehen werden, egal, wie gefährlich das ist.

"Das bedeutet, dass Menschen aus Libyen fliehen, egal, ob es dort eine aus Europa bezahlte libysche Küstenwache gibt", so Hahn weiter. "Egal, wie stark man versucht, die Flucht zu verhindern, so wird es doch immer wieder Menschen geben, die versuchen, den Foltergefängnissen in Libyen zu entkommen. Wir werden weiter versuchen, hier Menschenleben zu retten und zu verhindern, dass Menschen im Wasser sterben." 

Aber erstmal müssen sie die Menschen, die sie gerettet haben, an Land bringen. Die Zeit drängt, denn erneut soll ein Sturm aufziehen.

Deutsches Rettungsschiff "Sea-Watch 3" mit 32 Migranten wartet auf sicheren Hafen
Jan-Christoph Kitzler, ARD Rom
02.01.2019 17:54 Uhr

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