Die "Sea-Eye 4" bei der Vorbereitung für einen Einsatz im Hafen von Rostock | dpa

Einsatz im Mittelmeer "Sea-Eye" bringt 400 Migranten nach Italien

Stand: 21.05.2021 16:20 Uhr

Das deutsche Rettungsschiff "Sea-Eye 4" hat mit 400 Migranten den sizilianischen Hafen Pozzallo erreicht. Die Menschen seien aus Seenot im Mittelmeer gerettet worden. Erneut kritisierte die Hilfsorganisation die italienischen Behörden.

Das Rettungsschiff "Sea-Eye 4" hat mehr als 400 Flüchtlinge und Migranten, darunter 150 Minderjährige, in den Hafen von Pozzallo auf Sizilien gebracht. Die Organisation kritisierte die örtlichen Behörden. "Hier werden keine verhältnismäßigen und menschenwürdigen Maßnahmen ergriffen", sagte der Einsatzleiter des Schiffs, Jan Ribbeck. "Die EU-Staaten behandeln Schutzsuchende zunehmend brutaler und schikanieren jene, die ihnen helfen wollen", sagte der Sea-Eye-Vorsitzende Gorden Isler.

Lange Fahrt nach Pozzallo

Die Hilfsorganisation kritisierte überdies, dass die Geretteten durch die Wahl des Hafens Pozzallo weitere zwei Nächte auf den Stahlböden des Schiffs verbringen mussten. Das Schiff hatte am Mittwoch die Gewässer vor der sizilianischen Hauptstadt Palermo erreicht. Dessen Bürgermeister Leoluca Orlando hatte den italienischen Behörden angeboten, die geretteten Migranten in seinem Hafen zu empfangen.

Am Mittwochabend wiesen die italienischen Behörden dem Rettungsschiff den Hafen Pozzallo zu. Wenige Stunden zuvor war ein Syrer wegen eines schweren Herzleidens von einem Boot der Küstenwache nach Palermo gebracht worden.

Die Flüchtlinge und Migranten an Bord der "Sea-Eye 4" waren in den vergangenen Tagen bei sechs Einsätzen im Mittelmeer gerettet worden, nachdem sie bei der Fahrt von Afrika nach Europa in Seenot geraten waren. Alle Aktionen fanden den Angaben zufolge in internationalen Gewässern der libyschen und der maltesischen Rettungszone statt. Malta weigerte sich laut der Organisation, dem Schiff Hafenzugang zu gewähren.

Erster Einsatz von neuem Schiff

Es war der erste Rettungseinsatz des neuen Schiffes "Sea-Eye 4". Wie auch die "Sea-Watch 4" der gleichnamigen Organisation wird die "Sea-Eye 4" vom Bündnis United4Rescue unterstützt, das unter anderem von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) getragen wird. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration sind seit Beginn des Jahres mindestens 743 Migrantinnen und Migranten bei dem Versuch, das Mittelmeer zu überqueren, ums Leben gekommen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Mai 2021 um 17:00 Uhr.