Das internationale Hauptquartier der Scientology-Kirche in Los Angeles. | Bildquelle: AP

Scientology TV und NRATV Eigene Wahrheit in Endlosschleife

Stand: 03.04.2018 10:52 Uhr

Eigener Fernsehsender gegen kritische Berichterstattung: Die umstrittene Scientology-Organisation und die Waffenlobby NRA haben in den USA teure Medienoffensiven gestartet.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Wer in das Programm von Scientology TV schaltet, gerät in eine Art Endlosschleife. Sie beginnt mit der Begrüßung von Scientology-Chef David Miscavage. Hell ausgeleuchtet steht er in einer seiner Kirchen. Die Produktion wirkt teuer, auf Hochglanz getrimmt. Dann erklärt der oberste Scientologe auch, was das hier eigentlich soll: "Wir sind nicht hier, um Sie zu überzeugen, zu konvertieren und zu predigen. Wir zeigen Ihnen nur, wer wir sind."

Viele Menschen seien an Scientology interessiert, doch was man über Scientology höre, das stimme oft nicht, so Miscavige. Deswegen sei es an der Zeit gewesen, diese Geschichte selbst zu erzählen. Darauf folgen Lebensberichte von Scientology-Mitgliedern, die davon schwärmen, wie die Organisation ihr Leben verändert habe. 

David Miscavige | Bildquelle: Scientology Media
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Er will "die Geschichte selbst erzählen": Scientology-Chef David Miscavige.

Scientology steht unter Druck

Und natürlich dreht sich auch eine Dokumentation um das Leben des Gründers, Ron L. Hubbard, einer für Scientologen fast mythischen Figur, der als besonders talentiert, intelligent und begabt dargestellt wird. Laut den Autoren des Films war er der jüngste Elite-Pfadfinder der Vereinigten Staaten, Leiter und Organisator vieler Forschungsexpeditionen "und hat als einer der besten Segelflieger des Landes gegolten. Ein tollkühner Kunstflieger und Erforscher der Luftfahrtgeschichte".

Dann wiederholt sich die Endlosschleife. Große Namen wie Tom Cruise oder John Travolta, die ebenfalls Mitglieder sind, tauchen bisher noch nicht auf.

Die Medienoffensive ist kaum verwunderlich, denn Scientology steht unter Druck. Unter anderem hatte die Schauspielerin und ehemalige Anhängerin Leah Remini die Organisation des sexuellen und psychischen Missbrauchs beschuldigt. In Deutschland wurde Scientology mehrfach als verfassungsfeindlich eingestuft. Seine eigene Wahrheit zu erzählen, weil sie sonst nicht verbreitet würde, das ist die Idee, die hinter dem eigenen TV-Kanal steckt. 

Das internationale Hauptquartier der Scientology-Kirche in Los Angeles. | Bildquelle: AP
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Das internationale Hauptquartier der Scientology-Kirche in Los Angeles.

Gegen die Mainstream-Medien

Scientology ist nicht die einzige Organisation, die so verfährt. Auch die Waffenlobby NRA hat begonnen, über einen eigenen Kanal zu senden. Auf NRATV gibt es Sendungen für Liebhaber historischer Waffen, aber es geht auch um aktuelle Politik. Die NRA versteht dies als Gegenbewegung zu der ihrer Meinung nach linksgerichteten Berichterstattung der Mainstream-Medien.

Beispielsweise wird sehr kritisch über den "March for our Lives" berichtet, die Protestbewegung von Schülern aus Parkland in Florida, die dort das Schulmassaker überlebten und die nun für strengere Waffengesetze auf die Straße gehen. "Was wäre gewesen, wenn wir schon vor fünf Jahren bewaffnete Kräfte in jede Schule in den USA gesteckt hätten?", wird da beispielsweise gefragt.

Anti-NRA-Plakate auf der "March für our Lives" Demonstrationen in Washington | Bildquelle: AP
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Harte Zeiten für die US-Waffenlobby: Anti-NRA-Plakate auf der "March für our Lives" Demonstrationen in Washington.

Die Antwort gibt sich der Moderator selbst: Es wäre alles sicherer. Schulschießereien gäbe es nicht, wenn nur jeder Lehrer eine Waffe hätte. Aber die Argumente der Waffenlobby würden, so die Meinung die NRATV transportiert, nicht in den Zeitungen, Radiosendern oder im Fernsehen repräsentiert.

Linke und rechte Extreme

Um Fernsehsender wie Scientology TV oder NRATV zu verstehen, lohnt sich ein Blick in die Medienlandschaft der USA. Sie ist geprägt von wenigen privatwirtschaftlichen Konzernen, denen viele Sender gehören. Das bedeutet aber auch weniger Meinungsvielfalt. Die Sender spalten sich eher in linke und rechte Extreme. CNN gegen Fox News. Der öffentliche Rundfunk, frei von kommerziellen Interessen, wurde in den USA erst spät etabliert und stützt sich vor allem auf Spenden.

NRATV und auch Scientology TV sind keine Vollprogramme - eher so etwas wie Dauerwerbeschleifen. PR-Maßnahmen für das angeknackste Image der Organisationen. Dort kann man die eigenen Ansichten und Wahrheiten ungestört verbreiten, ohne sich unbequemen Fragen stellen zu müssen. Dass die Kanäle auch Neu-Mitglieder anlocken oder Gegner überzeugen, dürfte eher unwahrscheinlich sein.

Das Ziel von Scientology ist allerdings auch nicht, zu informieren - außer, über sich selbst. Es ist eine große PR-Maschine. Mehrere Millionen Dollar hatte die Organisation in eine eigene Produktionsfirma gesteckt. Wie erfolgreich Scientology TV sein wird, bleibt abzuwarten. Über die Zuschauerzahlen ist bisher noch nichts bekannt.

Scientology und NRA senden eigene Wahrheiten
Katharina Wilhelm, ARD Los Angeles
03.04.2018 09:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 03. April 2018 um 11:50 Uhr.

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