Screenshot aus einer Erklärung der beiden Schwestern auf Twitter | Bildquelle: Twitter #HKSaudisisters

Saudische Schwestern in Hongkong Aus Angst vor Misshandlung auf Flucht

Stand: 22.02.2019 09:01 Uhr

Sie sind aus ihrer Heimat Saudi-Arabien geflüchtet, denn dort wurden sie nach eigenen Angaben von ihrer Familie misshandelt. Zwei Schwestern sind nun in Hongkong untergetaucht.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Sie nennen sich Reem und Rawan, sie sind 18 und 20 Jahre alt, und sie kommen aus Saudi-Arabien. Reem und Rawan sind auf der Flucht. Sie leben untergetaucht in Hongkong, deswegen verwenden sie Decknamen. Nach eigenen Angaben wurden sie in ihrer Familie misshandelt, körperlich und seelisch. "Wir wurden seit der Teenagerzeit geschlagen - von unserem Vater und von unseren Brüdern", sagten die beiden dem Fernsehsender CNN.

Harte Bestrafung drohe in Heimat

Zurück nach Saudi-Arabien wollen sie nicht, könnten sie nicht, erklärten die beiden über ihren Anwalt, ihnen drohe dort harte Bestrafung. Die Flucht der zwei Schwestern begann vor mehr als fünf Monaten. Während eines Familienurlaubs in Sri Lanka schlichen sie sich nach eigenen Angaben aus dem Hotel und flogen nach Hongkong. Von dort aus hatten die beiden einen Anschlussflug nach Melbourne in Australien. Doch dieser Weiterflug wurde gestrichen, nach Angaben ihres Anwalts von Mitarbeitern des saudi-arabischen Konsulats in Hongkong.

Blick vom Victoria Peak auf Hongkong | Bildquelle: picture alliance / imageBROKER
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Die beiden Schwestern sind Hongkong gestrandet.

"Versuchte Entführung"

Der saudische Konsul persönlich wartete demnach am Flughafen schon auf die Schwestern. Er habe versucht, die beiden Frauen mit dem nächsten Flug zurück nach Saudi-Arabien zu bringen. Von einer "versuchten Entführung" sprechen die beiden auf ihrem Twitter-Kanal. Sie schafften es schließlich, den Hongkonger Flughafen zu verlassen.

Seitdem sind sie in der chinesischen Sonderverwaltungszone untergetaucht. Inzwischen ermittelt die Hongkonger Polizei in dem Fall. Menschenrechtsgruppen setzen sich für Reem und Rawan ein. Der prominente Hongkonger Bürgerrechtsanwalt Michael Vidler vertritt die beiden. Sie seien die Opfer einer versuchten Entführung geworden. Man habe ihnen die Pässe weggenommen und damit unrechtmäßig die Weiterflüge gestrichen, sagt er bei CNN.

Hoffnung auf Asyl

Die beiden saudischen Frauen hoffen nun darauf, dass sie Asyl in einem Drittland bekommen. Mitte Januar hatte ein ähnlicher Fall für Aufsehen gesorgt: die Flucht einer 18-jährigen Frau aus Saudi-Arabien. Sie war über Kuwait, Bangkok und Manila geflohen und bekam schließlich Asyl in Kanada.

Dass der Fall gerade jetzt publik wird, ist möglicherweise kein Zufall. Zur Zeit ist der saudische Machthaber, Kronprinz Mohammed bin Salman, zu Besuch in China. Ob das Thema bei seinen Treffen mit der Führung in Peking angesprochen wird, ist unklar.

Über dieses Thema berichtete der MDR Aktuell am 22. Februar 2019 um 12:22 Uhr.

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