Weihnachtsmarkt Schweiz | dpa

Trotz hoher Infektionszahlen Die Schweiz versucht es ohne Lockdown

Stand: 18.12.2020 21:05 Uhr

Volle Intensivstationen, europaweit mit die höchsten Infektionszahlen: Die Schweiz scheut weiter einen harten Lockdown und lässt Skipisten offen. Stattdessen verschärft sie andere Maßnahmen.

Dietrich Karl Mäurer ARD-Studio Zürich

Von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Zürich

Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen in der Schweiz gehört - im Verhältnis zur Einwohnerzahl - zu den höchsten in Europa. Zuletzt wurden in dem 8,5-Millionen-Einwohner Land 4500 neue Fälle innerhalb von 24 Stunden gemeldet, außerdem 120 Tote. Die Kliniken und das Pflegepersonal sind im Limit. Seit Tagen forderten Ärzte und Gesundheitsexperten einen harten Lockdown.

"Machts einfach"

Aus dieser an die Regierung gerichteten Forderung machte die Boulevardzeitung Blick den Titel: "Machts einfach!"

Auch die Regierung in Bern selbst schätzt die Lage als dramatisch ein. Die Schweizer Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga sagte: "Tatsache ist, dass die Ansteckungen in den letzten Wochen auf sehr hohem Niveau sind und wieder zugenommen haben, mit dem Resultat, dass die Spitäler und besonders das Personal in den Spitälern, aber auch in den Alters- und Pflegeheimen, am Anschlag ist."

Vollbremsung bleibt aus

Doch trotz dieser angespannten Lage verzichtet die Schweizer Regierung auf einen harten Lockdown. Stattdessen wurde erneut an den Stellschrauben gedreht. Bundespräsidentin Sommaruga sagte:

Konkret heißt das: Restaurants werden geschlossen, ebenso Freizeit- und Sportbetriebe, Kinos und Museen. Die Läden bleiben offen, aber die Kapazitäten werden beschränkt. Aus den Erfahrungen, die einige Kantone mit diesen Maßnahmen gemacht haben, wissen wir, dass damit Ansteckungen gesenkt werden können.

Die neuen Regeln, die die Bundespräsidentin als großen Einschnitt bezeichnete, gelten ab dem 22. Dezember vorerst für einen Monat. Warum kein Shutdown beschlossen wurde, so wie etwa in Deutschland, lässt sich erahnen aus der Äußerung des Gesundheitsministers Alain Berset:

"Es ist eine Frage auch der politischen Machbarkeit."

Skipisten bleiben offen

Gerungen wurde offenbar auch über den Umgang mit den Skigebieten, denn der Tourismus hat in vielen Regionen eine enorme wirtschaftliche Bedeutung. Trotz Kritik aus dem Ausland dürfen Schweizer Ski- und Snowboard-Pisten grundsätzlich geöffnet werden.

Allerdings benötigen die Gebiete eine Genehmigung der regionalen Behörden, erklärte der Gesundheitsminister: "Wir haben klar fixiert in der Verordnung, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit es möglich ist, auch Skigebiete offenzuhaben." Diese Kriterien beinhalteten nicht nur, aber auch Kapazitäten für Tracing und Kapazitäten in den Spitälern.

Auf die Frage, ob er selbst Skifahren gehe, sagte Berset: "Ich habe meine Skiferien annulliert und ich werde versuchen mal auch einige Tage frei zu haben, wenn es die Situation erlaubt."

Skilift Schweiz | dpa

Skifahrer fahren im Skigebiet Flumserberg mit einem Lift. Die Regierung von St. Gallen hat angekündigt, den Skigebieten im Kanton ab dem 22. Dezember keine Bewilligung mehr zu erteilen, sollte der Reproduktionswert des Coronavirus weiterhin zu hoch sein.  Bild: dpa

Kantone handeln nicht einheitlich

Einige Kantone - etwa Schwyz und Luzern - haben unterdessen angekündigt, ihre Skigebiete geschlossen zu halten. Im Wallis, in dem auch Zermatt und Saas Fee liegen, wurden die Genehmigungen für den Betrieb fast aller Lifte und Bergbahnen allerdings bereits erteilt.

Die Regierung in Bern machte klar: sollten die nun beschlossenen Regeln die erhoffte Reduzierung der Infektionszahlen nicht bewirken, dann müsse erneut nachjustiert werden.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 18. Dezember 2020 um 21:13 Uhr.