Kinder sind von hinten zu sehen, wie sie nebeneinander in einer Kita sitzen. | Bildquelle: dpa

Neues Konzept in der Schweiz Per App in die Kita blicken

Stand: 15.12.2019 03:22 Uhr

In der Schweiz hat die Digitalisierung die Kita erreicht: Eltern werden per App informiert, was ihr Nachwuchs tagsüber so treibt. Doch der moderne Blick in die Kita ruft auch Bedenken hervor.

Von Matthias Zahn, ARD-Studio Zürich

Wenn die Kinder wach sind, ist der Tablet-Computer mit der App im Schlummermodus. Wenn die Kleinen schlafen, rufen die Erzieher die App auf und dokumentieren: Wieviel hat ein Kind getrunken? Wie lange hat es geschlafen?

Bisher hat das Kita-Personal so etwas auf Papier aufgeschrieben. Jetzt wird es in die App eingetippt und kann von den Eltern direkt abgerufen werden. Auch an besonderen Aktivitäten können die Eltern aus der Entfernung teilhaben. "Heute zum Beispiel backen sie Kekse. Sie dürfen selber den Teig machen. Vielleicht gibt es noch ein Foto dazu. Das sehen die Eltern am Feierabend. Sie schauen in die App an und sehen, was gemacht wurde", sagt die Leiterin der Kita "Erdmännli", Tanja Küpfer.

Die Leiterin der Schweizer Kita "Erdmännli", Tanja Küpfer, bedient am Handy die App "Nubana".
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Mit der App landen Informationen sicherer bei den Eltern, meint Kita-Leiterin Tanja Küpfer.

Der Post--it war gestern

Die Kita hält die Eltern per App auch über Termine auf dem Laufenden. Zum Beispiel, wann der Adventskaffee geplant ist. Oder die Eltern werden informiert, dass sie Windeln für ihr Kind mitbringen müssen. Bislang wurden die Eltern per Post-it-Zettel informiert, so Küpfer weiter: "Den nimmt man mit, steckt ihn in die Jackentasche und vergisst es dann. Das läuft heute viel besser."

Auch die Eltern können über die App Nachrichten an die Kita schicken: Zum Beispiel, dass am Abend jemand anderes kommt, um das Kind abzuholen.

Mehr Zeit für Gespräche

Eltern und Erzieher zeigen sich mit dem digitalen Austausch sehr zufrieden. Viele Informationen fließen schon tagsüber und müssen abends nicht mehr besprochen werden. Beim Abholen der Kinder bleibt so mehr Zeit, um wirklich Wichtiges anzusprechen.

Die junge Mutter Carole fragt die Erzieherinnen in der Kita gerne, wie sich ihre beiden Söhne entwickeln: "So bleibt mir Zeit, mich ein bisschen zu informieren, wie die Kinder sich in der Kita bewegen, was sie beschäftigt."

Auf einem Handy wird die Nutzeroberfläche der Schweizer Kita-App ""Nubana" angezeigt.
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Fotos aus der Kita oder Termine - mittlerweile tauschen zehn Kitas diese Informationen per App mit Eltern aus.

Führt mehr Kontrolle zu Verunsicherung?

Die Eltern müssen mit den ständigen Informationen aber auch umgehen können. Eveline Hipeli, Dozentin für Medienbildung an der Pädagogischen Hochschule Zürich, meint: Die App könne eine Herausforderung für sogenannte Helikoptereltern sein, die ihre Kinder ohnehin ständig umschwirren und nicht loslassen können: "Was macht das mit den Eltern, wenn sie am Arbeiten sind? Schauen sie dann ständig auf diese Funktionen? Werden sie dadurch verunsichert - obwohl gar nichts ist?"

Stefan, ein junger Vater, schaut mindestens zwei Mal tagsüber auf die App, manchmal aber auch sechs oder sieben Mal. Gestresst fühlt er sich dadurch nicht, sagt er: Eher gut informiert: "Es geht hier nicht darum, dass man einen Überwachungsstaat bilden müsste. Sondern es geht darum, dass es mir persönlich eine gewisse Sicherheit gibt."

Die Idee stammt von Raphaela Cusati. Seit dem Frühjahr ist ihre App unter dem Namen "Nubana" auf dem Markt. Mittlerweile nutzen zehn Kitas das Angebot.

In Deutschland sind Kita-Apps nicht ganz unbekannt. Dennoch gibt es Interesse an der Schweizer App, sagt Raphaela Cusati: "Ich habe schon vereinzelte Anfragen aus Deutschland bekommen. Aber wir sind noch nicht soweit, dass wir den deutschen Markt proaktiv bearbeiten würden."

Über dieses Thema berichtete SWR2 am 14. Dezember 2019 um 14:05 Uhr.

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