Die "Gut gemacht"-Maschine, untergebracht in einer alten Telefonzelle im Schweizer Dorf Mettauertal. | dpa

Applaus-Automat in der Schweiz Lob für alle in der alten Telefonzelle

Stand: 17.11.2021 15:40 Uhr

Jeden Tag eine gute Tat - aber niemand kriegt's mit? In einem Schweizer Dorf gibt es Hilfe für alle, die sich nach Anerkennung sehnen: eine "Gut gemacht"-Maschine in einer alten Telefonzelle.

Von Kathrin Hondl, ARD-Studio Genf

In einem YouTube-Video wirbt der Ort Mettauertal im Schweizer Kanton Aargau für seine ganz besondere Telefonzelle. Die nutzlos gewordene Kabine wurde vor zwei Jahren umfunktioniert zu etwas sehr Nützlichem: einer "Gut gemacht"-Maschine. Das Prinzip ist einfach: Wenn sonst wieder einmal keiner mitgekriegt hat, was man Tolles geleistet hat - in der "Gut gemacht"-Maschine gibt es garantiert ein anerkennendes Schulterklopfen.

Kathrin Hondl ARD-Studio Genf

Die Idee kam von Gemeindepräsident Peter Weber. Der hat nämlich Wohltäter oder Leistungsträgerinnen schon immer gern mit einem schönen Spruch gewürdigt: "'Jetzt stellt dich doch mal unter die Schulterklopfmaschine' - das ist der Spruch, den ich seit vielen Jahren drauf habe", erzählt er. "Und irgendwann fragte mal einer: 'Wo ist denn die, wo steht denn die?'"

Und da steht sie nun also neben einer Bushaltestelle in Mettauertal. Denn seinen Gemeinderat hatte Weber von der Idee schnell überzeugt, finanziert wurde der Lobautomat über Crowdfunding.

Gemeindepräsident Peter Weber in der "Gut gemacht"-Maschine im Schweizer Dorf Mettauertal. | dpa

Gemeindepräsident Peter Weber führt seine Maschine vor: Das Lob kommt in Worten, aber auch in Videosequenzen. Bild: dpa

Eine Liste guter Taten

Das anerkennende Schulterklopfen geschieht virtuell. Das Münztelefon wurde durch einen Touchscreen ersetzt. "Das ist ein großer Bildschirm, sie drücken drauf, dann heißt es: 'Guten Tag, was haben Sie gemacht?'" erklärt Weber. "Und dann können Sie entweder etwas reinschreiben, oder Sie haben sogar eine Liste zur Verfügung. Sie haben jemandem Blumen gebracht oder sind für jemanden einkaufen gegangen, was auch immer - da gibt es eine Liste, die man auslesen kann."

Und sobald der Computer die gute Tat erfasst hat, kommt auch schon per Video der Applaus.

Den freundlichen Applausautomaten gibt es schon seit 2019, bis vor Kurzem allerdings wurde er über die Dorfgrenzen hinaus kaum beachtet. Doch in diesem Herbst haben vor allem deutsche Medien die Schweizer Schulterklopfmaschine entdeckt - "Südkurier", "Süddeutsche Zeitung", die Nachrichtenagentur dpa - alle feierten sie auf einmal Peters geniale Idee.

"Ein ganz wichtiges Thema für unsere Gesellschaft"

Gut möglich, dass gerade jetzt, am Anfang des nächsten harten Corona-Winters, die Sehnsucht nach guten Nachrichten besonders groß ist und das Bedürfnis der Menschen nach Anerkennung. Jeder und jede sollte einfach viel mehr Lob bekommen, meint auch Weber:

Ich glaube, dass unsere Gesellschaft gut daran täte, einfach ein bisschen mehr auch mal zu sagen: 'Hey, das hat du gut gemacht!' Wir sind immer sehr schnell in der Kritik, dass man einfach offensichtlich lieber kritisiert als dass man lobt. Und ich finde schon ganz persönlich, dass das ein ganz wichtiges Thema ist für unsere Gesellschaft - vor allem jetzt auch in der Zeit, in der wir im Moment gerade stecken.

So ist es. Und deshalb kann man Peter Weber und die Mettauertaler für ihre Schulterklopfmaschine gar nicht genug loben.

 

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. November 2021 um 15:52 Uhr.