Ein Wildschwein läuft durch ein waldiges Gehege. | Bildquelle: dpa

Experten ermitteln Virus Afrikanische Schweinepest erreicht Belgien

Stand: 14.09.2018 13:19 Uhr

Die Afrikanische Schweinepest ist erstmals in Westeuropa aufgetreten. Die Seuche ist zwar für Menschen ungefährlich, aber für Tiere hochansteckend. Sie brach in Belgien aus - nahe der deutschen Grenze.

Die Vorbeugemaßnahmen haben es nicht verhindern können: Erstmals ist in Westeuropa die Afrikanische Schweinepest (ASP) aufgetreten. Das Bundeslandwirtschaftsministerium teilte mit, die Seuche sei bei zwei tot aufgefundenen Wildschweinen in Belgien festgestellt worden, nur 60 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Sie seien in der Gemeinde Étalle in der südbelgischen Region Wallonie entdeckt worden, im Dreiländereck Belgien, Frankreich und Luxemburg.

Die Afrikanische Schweinepest ist eine hochansteckende, schwere Virusinfektion, die ausschließlich Schweine, also Wild- und Hausschweine, betrifft und für sie tödlich sein kann. Für den Menschen ist sie ungefährlich. Sie wird vor allem über Wildschweine und kontaminierte Lebensmittel - etwa Würste - verbreitet.

Da es keinen Impfstoff gegen die Seuche gibt, müssen Experten zufolge die klassischen Bekämpfungsmethoden wie die Einrichtung von Sperrgebieten, die Tötung infizierter Bestände sowie die gezielte Jagd auf Wildschweine greifen. Deshalb stellt die Schweinepest für Schweinehalter mit mehreren Tausend Tieren eine existenzielle Gefahr dar.

Eine Ausbreitung mit Ansage

Seit die Seuche sich in Ost- und Mitteleuropa sowie in Russland ausbreitete, war mit einem Überspringen auch auf den Westen Europas gerechnet worden. Besonders betroffen ist Rumänien. Dort hat die Seuche das größte Ausmaß seit dem Zweiten Weltkrieg angenommen. Um eine Verbreitung der Seuche zu verhindern, wurden bereits Hunderttausende Wildschweine etwa in Polen und Tschechien abgeschossen.

Die Nachricht aus Belgien ist besonders für Niedersachsen alarmierend. In dem Bundesland werden die meisten Schweine gemästet. Die niedersächsische Agrarministerin Barbara Otte-Kinast erklärte, man nehme den Ausbruch der Schweinepest sehr ernst. Niedersachsen habe sich in den vergangenen Monaten intensiv auf dieses Szenario vorbereitet. Prävention habe die höchste Priorität. "Wir haben alle Gesetze auf den Weg gebracht", um die Gefährdung durch die Schweinepest zu bekämpfen.

Auch Bundeslandwirtschaftministerin Julia Klöckner sprach von einer Bedrohung: "Unsere Vorbereitungen für den Krisenfall laufen." Es komme vor allem darauf an, dass Menschen nicht durch unachtsame Entsorgung von Speiseresten, die mit ASP-Erregern verseucht seien, zur Seuchenverbreitung durch Wildschweine beitrügen.

Veterinäre untersuchen in einer Übung gegen die Schweinepest ein abgelegtes totes Wildschwein | Bildquelle: dpa
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Die Bundesländer bereiten sich schon länger auf die Afrikanische Schweinepest vor - zum Beispiel mit Übungen für den Fall des Auftretens der Seuche.

Erreger durch den Menschen eingeschleppt?

Das Ministerium wies erneut auf die strikte Einhaltung von Biosicherheitsmaßnahmen in der Schweinehaltung hin. Jäger wurden aufgefordert, verendet aufgefundene Wildschweine den jeweils zuständigen Behörde anzuzeigen, um eine Untersuchung zu sichern.

Der erste Nachweis in Westeuropa weitab von den bisherigen Ausbruchsherden lasse aber vermuten, dass der Erreger durch den Menschen eingeschleppt wurde, sagte eine Sprecherin des bundesweit zuständigen Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI).

Der Deutsche Bauernverband erklärte, die Betriebe müssten nun noch mehr auf konsequente Hygienemaßnahmen achten, um die Bestände zu schützen. Die auf den Weg gebrachten Maßnahmen im Kampf gegen die Schweinepest müssten "schnellstmöglich" vom Gesetzgeber umgesetzt werden.

Belgien: Zwei Fälle von Afrikanischer Schweinepest entdeckt
Karin Bensch, WDR Brüssel
14.09.2018 10:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. September 2018 um 10:00 Uhr in den Nachrichten.

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