Schwedische Streitkräfte patrouillieren in der Ostsee (Archivbild). | Bildquelle: dpa

"Verstärkte russische Aktivität" Schweden erhöht Bereitschaft in der Ostsee

Stand: 28.08.2020 02:07 Uhr

Schweden hat seine militärische Bereitschaft in der Ostsee erhöht. Man habe zuletzt "verstärkte russische Aktivität" in der Region verzeichnet. In Schweden wird auch deshalb genau auf den Konflikt in Belarus geschaut.

Von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

Normalerweise fahren hier nur Wohnmobile von der Fähre, Lastwagen oder Insulaner mit ihren Autos - jetzt sind es Schützenpanzer und Militärjeeps, viele davon. Schweden hat die militärische Bereitschaft im Bereich der größten und strategisch wichtigen Insel Gotland erhöht: Vier Korvetten kreuzen in den Gewässern vor der Küste. Der Luftraum wird verstärkt überwacht. Vizeadmiral Jan Thörnqvist ist Einsatzchef für die Bereitschaftskräfte im Ostseeraum:

"In der vergangenen Woche haben wir erhöhte Übungsaktivität der Russen registriert. Dazu verzeichnen wir auch verstärkte Präsenz von Streitkräften anderer Länder. Wir sind hier, um unseren Auftrag zu erfüllen: Wir schützen die schwedische Souveränität, unsere territoriale Integrität und Freiheit."

Allein drei große russische Landungsschiffe wurden östlich von Gotland gesichtet, jedes davon könnte mehr als 200 Soldaten und auch schweres Gerät transportieren. Teil eines vorher angekündigten Manövers, aber angesichts der Krise in Belarus sicherlich auch Säbelrasseln. Auf allen Seiten, sagt Johan Fredriksson, Militärexperte beim schwedischen Sender TV4:

"Wir wissen von Übungen rund um die russische Exklave Kaliningrad sowie von verstärkten Militäreinsätzen im Westen von Belarus. Unter anderem hat der russische Präsident Putin Elitesoldaten dorthin geschickt. Parallel dazu haben NATO-Einheiten aus verschiedenen Ländern ihre Aktivitäten längs der norwegischen Küste sowie im Ostseeraum erhöht."

Die schwedische Armee veröffentlichte dieses Foto, dass Soldaten auf der Insel Gotland zeigt. | Bildquelle: dpa
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Soldaten im Ferienidyll - die schwedische Armee veröffentlichte dieses Foto einer Patrouille auf der Insel Gotland.

Neuauflage der "Osterpanne" soll vermieden werden

Und Schweden reagiert. Auch, weil man die "Osterpanne" von 2013 nicht wiederholen will. Damals waren russische Bomber und ihr Geleitschutz nahe an den schwedischen Luftraum herangeflogen, und die schwedische Luftwaffe hatte nicht einen einzigen Abfangjäger in Bereitschaft.

Dänische NATO-Jets waren von einer Basis in Litauen aus gestartet, um die Russen zu beobachten. Passiert ist damals nichts, aber für Schweden war es äußerst peinlich. Deshalb jetzt also erhöhte Bereitschaft. Mehr als nur eine Übung, sagt Mattias Ardin, Kommandeur des auf Gotlands stationierten Regiments P18: "Das Entsenden von Verstärkung ist im Gegensatz zu Übungen schon eine Art 'scharfer' Einsatz. Es gibt einen konkreten Anlass. Aber ich möchte betonen, dass das Kriegsrisiko sehr gering ist."

Doch die Beunruhigung ist offenbar sehr groß. Zum ersten Mal hat die Armee nicht im Stillen, sondern öffentlich die Bereitschaft erhöht und zeigt Präsenz. Auch die offizielle Begründung, man reagiere auf eine Notsituation, ist laut Einschätzung der Zeitung "Dagens Nyheter" neu.

Schweden beobachten Unruhen in Belarus sehr genau

Das Blatt zitiert Verteidigungsminister Peter Hultqvist: Die Sicherheitslage habe sich mit der Zeit verschlechtert, es gebe Unruhen in Belarus, und Schweden beobachte sehr genau, was da passiere.

Dementsprechend positiv sehen viele Schweden die Machtdemonstration ihrer Streitkräfte, so Johan Fredriksson: "Es ist eine außergewöhnliche Maßnahme, die uns daran erinnert, dass die Lage in Belarus nicht nur für die Zukunft von Belarus entscheidend ist, sondern auch für unsere eigene künftige Sicherheit und die ganz Europas."

Schweden erhöht Militärbereitschaft
Carsten Schmiester, ARD Stockholm
28.08.2020 06:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 28. August 2020 um 08:20 Uhr.

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