Schweden, Stockholm: Menschen gehen durch die Stadt. | dpa

Corona-Pandemie Schweden hebt Beschränkungen auf

Stand: 03.02.2022 12:04 Uhr

Keine Sperrstunde, keine Obergrenze für Veranstaltungen, keine Maskenempfehlung in Bus und Bahn: Schweden hebt seine ohnehin wenigen Restriktionen in der kommenden Woche auf. Was bleibt, sind Empfehlungen für Ungeimpfte.

Von Sofie Donges, ARD-Studio Stockholm

Schwedens Ministerpräsidentin Magdalena Andersson zog einen ersten, vorsichtigen Schlussstrich unter das Kapitel Corona, als sie am frühen Morgen vor die Presse trat. Ganz vorbei sei die Pandemie nicht, aber Schweden befinde sich in einer neuen Phase, so die Sozialdemokratin. "Zum einen gibt es inzwischen mehrere, internationale Studien, die zeigen, dass Omikron mildere Verläufe mit sich bringt", begründet Andersson den Schritt. "Außerdem ist die Zahl der Patienten auf den Intensivstationen seit dem Jahreswechsel stabil, obwohl sich seitdem immer mehr Menschen anstecken."

Sofie Donges ARD-Studio Stockholm

Ungeimpfte rief sie auf, einen Impftermin zu buchen. Für sie gelte weiterhin die Empfehlung, sich von Orten mit vielen Menschen fern zu halten. Schweden liegt im europäischen Vergleich unter dem Durchschnitt in Bezug darauf, wie viele Menschen im Land bereits geboostert sind: nämlich 39 Prozent der Gesamtbevölkerung. In Deutschland sind es 52 Prozent, in Dänemark 61 Prozent.

Gemischte Reaktionen von Wissenschaftlern

Das beunruhigt Sozialministerin Lena Hallengren jedoch nicht: "Ich möchte daran erinnern, dass 80 Prozent der über 50-Jährigen eine dritte Impfung bekommen haben. Es ist für uns als Regierung wichtig, dass ein großer Teil der Älteren geboostert ist."

Wissenschaftler reagieren unterschiedlich auf die Öffnung des Landes. Der Virologe Fredrik Elgh von der Universität Umea hält den Zeitpunkt für zu früh, denn Schweden liege mit der jetzigen Welle hinter den anderen nordischen Ländern.

Johan Styrud, Oberarzt im Danderyd Krankenhaus in Stockholm, hingegen begrüßt die Entscheidung: "Es ist richtig, denn wir befinden uns in einer neuen Phase. Viele sind in den letzten Wochen erkrankt, auch beim medizinischen Personal. Das nimmt jedoch wieder ab. Man sollte aber weiterhin vorsichtig sein."

Deutlich mehr Corona-Tote

Schwedens Sonderweg in der Pandemie wurde vor allem aus dem Ausland kritisiert. Wenig Restriktionen, stattdessen Empfehlungen. Im ersten Corona-Jahr starben hier deutlich mehr Menschen als in den anderen skandinavischen Ländern.

Sozialministerin Lena Hallengren blickt jedoch zufrieden auf das eigene Pandemie-Management zurück: "Die Regierung hat immer versucht, verhältnismäßig zu reagieren. Es gab keine übertriebenen Lockdowns im Frühjahr 2020 und auch keine Laissez-faire-Mentalität im Winter 2021. Und als sich die Lage drastisch verschlechterte, wurden die notwendigen Maßnahmen ergriffen. Jetzt sind wir überzeugt, dass wir wieder zu einem normalen Alltag zurückkehren können."

Für die Schweden bedeutet das vom kommenden Mittwoch an unter anderem: Keine Sperrstunden in den Restaurants, keine Obergrenze für Veranstaltungen, keine Empfehlung mehr für einen Mundschutz in Bus und Bahn.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 03. Februar 2022 um 10:42 Uhr.