Dorf in Schweden | Bildquelle: picture alliance / Bildagentur-o

Corona-Sonderweg Leidet Schwedens Image?

Stand: 28.07.2020 11:09 Uhr

Schweden - ein vielgeliebtes Land. Jedenfalls bis zur Corona-Pandemie. Denn Schwedens Sonderweg wird von vielen Ländern mit Argwohn betrachtet. Aber kann das Schwedens Image nachhaltig schaden?

Von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

"Der schwedische Pass war mal einer der besten der Welt. Aber die Dinge haben sich verändert." Mit dieser Sonderaktion warb eine US-Fastfoodkette vor wenigen Wochen um schwedische Kunden. Denen blieb der Hamburger buchstäblich im Hals stecken: Weil sie aufgrund des entspannteren Corona-Sonderweges ihrer Gesundheitsbehörde im Ausland nicht mehr gern gesehen waren und es teilweise noch immer nicht sind, konnten sie Stempel in ihren angeblich nahezu nutzlosen Pässen sammeln - für kostenlose Burger.

Großes Interesse am Sonderweg

Die Kampagne kam nicht besonders gut an. Sie war aber eine Ausnahme, so das "Schwedische Institut", das sich im Auftrag der Regierung ums Schwedenbild im Ausland kümmert. Cecilia Andrae ist dort Image-Analystin und hat die internationale Berichterstattung über den schwedischen Corona-Sonderweg untersucht.

"Es gibt ein großes Interesse, was diesen Weg angeht. So etwas haben wir noch nie erlebt, das ist einzigartig. Was wir auch sehen, ist eine meist neutrale und faktengestützte Berichterstattung."

Viele Covid-19-Tote in Altenwohnheimen

Also Fairness statt Verurteilung - nicht ganz so schlimm. Da kann US-Präsident Donald Trump ruhig schimpfen oder die Finnen ihre Grenze grundsätzlich weiter geschlossen halten. Allerdings werde Schweden in den meisten Medien für den Weg auch nicht gerade gelobt, sagte Andrae im Sveriges Radio.

Eine Sache, auf die sich viele konzentrierten, sei die Zahl der Toten im Verhältnis zur Einwohnerzahl. Da werde Schweden oft mit den anderen nordischen Staaten verglichen, aber auch mit anderen Ländern. Immer wieder gehe es auch um die Zahl der Gestorbenen in Altenwohnheimen. Denn diese Zahl ist besonders hoch und das haben die Regierung und ihr Staatsepidemiologe Anders Tegnell auch schon ausdrücklich bedauert.

Guter Ruf als Ausgangspunkt

Tegnell werde übrigens oft völlig falsch interpretiert, sagte Imagefachfrau Andrae: "Was wir immer wieder sehen, ist die Behauptung, dass Herdenimmunität Teil der schwedischen Strategie sei. Das ist ein Missverständnis. Und dann heißt es hier und da auch, dass diese Strategie die schwedische Wirtschaft schützen solle, auch wenn das Menschenleben koste." Ebenfalls eine Fehldeutung, so das Institut, das sich ums Ansehen des Landes im Moment keinerlei Sorgen macht.

"Schweden hat einen ziemlich guten Ruf. Das ist der Ausgangspunkt. Noch sehen wir keinen Imagewandel als Folge der Berichterstattung. Aber unser Image ändert sich auch nur langsam", erklärt Andrae.

Stockholm | Bildquelle: picture alliance / TT NYHETSBYR?
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Corona-Hotspot Stockholm: Den Hotels fehlen schon jetzt Millionen Übernachtungen.

Was sich dagegen schnell verändert hat, ist offenbar die Reiselust. Vor allem die Hauptstadt - weiterhin ein Corona-Hotspot in Schweden - klagt über extrem niedrige Besucherzahlen in diesem Sommer, so Carolin Strand, Chefin der Tourismus-Agentur "Visit Stockholm". "Es ist ein großer Rückschlag: Kaum Flüge und Fährfahrten, keine Kreuzfahrtschiffe. Die Hotels sind nur bis zu 15 oder 18 Prozent ausgelastet, normal wären jetzt um die 75 Prozent. Uns fehlen schon jetzt Millionen Übernachtungen und das hat harte Konsequenzen."

Corona-Sonderweg: Hat Schwedens Image gelitten?
Carsten Schmiester, ARD Stockholm
28.07.2020 10:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Juli 2020 um 08:25 Uhr.

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