König Carl XVI Gustaf

Schwedens König Carl XVI. Gustaf "Im Kampf gegen Corona gescheitert"

Stand: 17.12.2020 15:41 Uhr

Schwedens König hat den Umgang der Regierung mit der Corona-Pandemie deutlich kritisiert. "Ich denke, dass wir gescheitert sind", sagte König Carl XVI. Gustaf. In dem Land wurden bisher rund 7800 Todesfälle registriert.

Schwedens König hält sich üblicherweise aus dem politischen Tagesgeschäft heraus, doch nun hat er deutliche Kritik am Umgang der Regierung mit der Pandemie geäußert. "Ich denke, dass wir gescheitert sind", sagte Carl XVI. Gustaf im schwedischen Fernsehen. "Viele Menschen sind gestorben, das ist furchtbar. Es ist etwas, mit dem wir alle leiden." Beobachter waren überrascht über die deutlichen Worte des Monarchen.

Altenpflege mit großen Schwächen

Eine unabhängige Kommission hatte am Dienstag Schlussfolgerungen vorgestellt, denen zufolge die Altenpflege in Schweden große strukturelle Schwächen hat und die Behörden nicht vorbereitet waren, um mit der Pandemie umzugehen. Das Land hob im September ein landesweites Verbot für Besuche von Alten in Pflegeheimen auf. Das Verbot war erlassen worden, nachdem sich der Großteil der Todesfälle mit dem Virus unter Menschen über 70 Jahren ereignet hatte, von denen viele in Pflegeheimen wohnten.

König: "Es ist näher und näher geschlichen"

"Man denkt an all die Familienmitglieder, die sich nicht von ihren verstorbenen Familienmitgliedern verabschieden konnten", sagte Carl XVI. Gustaf. "Ich denke, es ist eine heftige und traumatische Erfahrung, keine warme Verabschiedung aussprechen zu können", sagte der Monarch. "Das schwedische Volk hat unter schwierigen Umständen enorm gelitten. In letzter Zeit hat es sich offensichtlicher angefühlt, es ist näher und näher geschlichen. Das ist nicht das, was du willst."

Der Königssohn Prinz Carl Philip und dessen Frau Prinzessin Sofia sind beide positiv auf das Virus getestet worden. Sie hatten mildere Grippesymptome. Sie waren zu Hause mit ihren beiden Kindern in Quarantäne.

Lange Verzicht auf Einschränkungen

Schweden geht seit Beginn der Krise einen weniger restriktiven Weg als die meisten anderen europäischen Länder. Kritiker warfen den Behörden deshalb vor, mit ihrer Strategie Menschenleben zu gefährden. Dennoch verzichtete die Regierung lange auf das Verhängen von Einschränkungen und sprach stattdessen Empfehlungen für die Bürger aus.

Keine Maskenpflicht

Als Reaktion auf die steigenden Neuinfektionen verhängte die Regierung Mitte November erstmals verbindliche Einschränkungen - unter anderem für Treffen in der Öffentlichkeit und den Verkauf von Alkohol. Treffen in privaten Wohnungen werden durch die Regelung jedoch nicht eingeschränkt und auch eine Maskenpflicht gibt es nicht.  

Seit Beginn der Pandemie wurden in Schweden knapp 350.000 Corona-Infektionen und rund 7800 Todesfälle registriert. Die Pro-Kopf-Rate ist damit wesentlich höher als in den anderen skandinavischen Staaten, aber niedriger als etwa in Großbritannien, Italien, Spanien oder Frankreich.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. Dezember 2020 um 15:07 Uhr.

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