Studentin Elin Ersson | Bildquelle: REUTERS

Urteil im "Fall Ersson" erwartet Bußgeld, Haft oder Freispruch?

Stand: 18.02.2019 04:30 Uhr

Sie weigerte sich, im Flugzeug ihren Platz einzunehmen und stoppte so eine Abschiebung nach Afghanistan. Jetzt wird das Urteil gegen die schwedische Studentin Elin Ersson erwartet.

Von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

Der schwedischen Studentin drohen im Fall eines Schuldspruches entweder eine Geldstrafe oder bis zu sechs Monate Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft hat zwei Wochen Haft beantragt. Der Vorwurf: Elin Ersson habe im vergangenen Sommer beim zunächst erfolgreichen Versuch, die Abschiebung eines Afghanen zu verhindern, gegen das schwedische Luftverkehrsgesetz verstoßen.

Die Studentin hatte dagegen noch an Bord der Maschine per Handy und Internet-Liveübertragung selbstbewusst ihre Sicht der Dinge erklärt: "Ich will nur diese Abschiebung stoppen, danach halte mich an die Regeln. Das ist absolut legal und keine Straftat", sagte sie.

Experten erwarten Schuldspruch

Nicht nur die Staatsanwaltschaft sieht das mittlerweile offenbar anders. Auch verschiedene Rechtsexperten erwarten heute eher keinen Freispruch. Die junge Frau habe sich nun einmal und dazu öffentlich den Anweisungen der Flugzeugführung widersetzt.

Elin Ersson | Bildquelle: REUTERS
galerie

Der schwedischen Studentin drohen im Fall eines Schuldspruches entweder eine Geldstrafe oder bis zu sechs Monate Gefängnis.

Ihre Verteidigung argumentiert dagegen. Erstens: Es habe keine Anweisung explizit des Kapitäns gegeben, nur die Aufforderung des Kabinenpersonals, sich zu setzen, um so das Rollen zur Startbahn möglich zu machen. Zweitens: Der Vorfall sei noch am Boden und eben nicht in der Luft passiert, das Gesetz greife deshalb nicht.

Tut es doch, grundsätzlich jedenfalls, meint Sven-Erik Alhem, ein ehemaliger Staatsanwalt: "Meiner Meinung nach sollte sie verurteilt werden, denn sie hat gegen das Luftfahrtgesetz verstoßen. Allerdings muss ich den Gesetzgeber kritisieren, denn das Gesetz ist nicht eindeutig formuliert, was wiederum dazu führen kann, dass sie nicht verurteilt wird."

In der Öffentlichkeit ist sie allerdings schon längst "verurteilt". Zumindest in den Augen derer, die ihre Aktion kritisch sehen. Motto: Vielleicht gut gemeint, aber ganz bestimmt schlecht gemacht.

Manches lief bei Erssons Aktion schief

Denn beim am Ende gescheiterten Versuch, die Abschiebung eines Afghanen zu verhindern, war Einiges schiefgelaufen. Ein junger Mann, dessen Abschiebung die Studentin eigentlich hatte stoppen wollen, war gar nicht an Bord. Man hatte ihn über Stockholm nach Kabul geflogen. Stattdessen hatte sie einem wegen Misshandlung seiner Frau und Töchter verurteilten älteren Afghanen von Bord der Maschine geholfen.

Kritiker halten ihre Aktion deshalb für falsch und anmaßend. Sie selbst und ihre Unterstützer stehen jedoch weiter ohne Wenn und Aber dahinter. Jede Abschiebung nach Afghanistan sei mit der Todesstrafe zu vergleichen, argumentieren sie, und die dürfe es nach schwedischem Recht nicht geben.

Es wird also spannend, das am Vormittag erwartete Urteil und seine Begründung zu lesen. Die Mehrheit der Beobachter erwartet keinen Freispruch, aber mit Blick auf das für viele Schweden allem zum Trotz zumindest ehrenwerte Tatmotiv der Studentin auch keine besonders harte Strafe.

In etwa so, wie es Eric Runesson vom Obersten Gericht des Landes angedeutet hat: "Es gibt Bestimmungen im Gesetz, die mildernde Umstände zulassen und im Hinblick auf das Motiv zu einer niedrigeren Strafe führen können."

Urteil im Prozess gegen Elin Ersson erwartet
Carsten Schmiester, ARD Stockholm
17.02.2019 22:36 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Februar 2019 um 06:26 Uhr.

Darstellung: