Ein Stern, der von einem schwarzen Loch geschluckt wird | Bildquelle: M.Weiss/NASA/Chandra X-ray Obser

Weltraumforschung Drei Schwerkraftmonster in einem Kern

Stand: 21.11.2019 15:19 Uhr

Im Kern der meisten Galaxien sitzt ein supermassereiches Schwarzes Loch. Jetzt hat ein Forscherteam erstmals drei dieser Schwarzen Löcher im Zentrum einer Galaxie nachgewiesen. Die Entdeckung sei von grundsätzlicher Bedeutung.

Ein internationales Forscherteam hat zum ersten Mal drei supermassereiche schwarze Löcher im Kern einer Galaxie nachgewiesen. Wie die Universität Göttingen mitteilte, fanden die Wissenschaftler unter der Leitung der Universität Göttingen und des Leibniz-Instituts für Astrophysik Potsdam die drei Schwerkraftmonster in der Galaxie NGC 6240 - ungefähr 300 Millionen Lichtjahre von der Milchstraße entfernt.

Jedes der drei Schwarzen Löcher habe eine Masse von mehr als 90 Millionen Sonnen. Dazu befänden sie sich in einer Raumregion von weniger als 3000 Lichtjahren - weniger als einem Hundertstel der gesamten Ausdehnung der Galaxie.

Verschmelzung von drei Galaxien

Bisher war man davon ausgegangen, dass es zwei Schwarze Löcher in der Mitte der Galaxie NGC 6240 gibt. In der Regel haben Galaxien nur ein supermassereiches Schwarzes Loch in ihrem Kern. Wegen ihrer besonderem Form galt die Galaxie bereits als "irregulär". Astronomen waren bisher davon ausgegangen, dass sie durch die Kollision zweier kleinerer Galaxien entstand und deswegen in ihrem Kern zwei schwarze Löcher beherbergt.

Nach Einschätzung von Peter Weilbacher, einer der Studienautoren, liefere die Entdeckung nun Hinweise auf die "simultane Verschmelzung von ursprünglich drei Galaxien mitsamt ihren zentralen schwarzen Löchern". Damit komme der Forschung grundsätzliche Bedeutung zu, um die zeitliche Entwicklung von Galaxien zu verstehen, so die Universität in ihrer Mitteilung.

Bisher konnte man nämlich nicht erklären, wie sich die größten und massereichsten Galaxien "nur aufgrund normaler Galaxienwechselwirkung und Verschmelzung" in den vergangenen rund 14 Milliarden Jahren seit dem Urknall bildeten.

"Wenn es jedoch auch zu simultanen Verschmelzungsprozessen mehrerer Galaxien kam, konnten sich die größten Galaxien mit ihren zentralen supermassereichen schwarzen Löcher wesentlich schneller entwickeln", erläuterte Weilbacher. "Unsere Beobachtungen liefern den ersten Hinweis auf dieses Szenario."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. September 2019 um 17:00 Uhr.

Darstellung: