Pangolin auf einem Privatgrundstück in Johannesburg (Februar 2019) | Bildquelle: AP

Wilderei in Südafrika Ein Pangolin gerettet - Hunderttausende gejagt

Stand: 21.11.2019 15:33 Uhr

Sie leben seit der Zeit der Saurier, haben keine natürlichen Feinde - und sind vom Aussterben bedroht. Denn die Schuppen der Pangoline gelten als Wundermittel. In Südafrika ist nun wieder ein Tier gerettet worden.

Von Jana Genth, ARD-Studio Johannesburg

Sie hat Knopfaugen, eine spitze Nase und eine Zunge, schmal wie ein Strich, aber 70 cm lang, meist aufgerollt in ihrem Mundraum. Der Rest des Körpers bis hin zum Schwanz ist von Schuppen bedeckt. Das Pangolin-Weibchen wurde lebend im ländlichen Norden Südafrikas gefunden und zu Karin Lourens gebracht. Sie hat sich einen Namen gemacht als Afrikas Ärztin für die Schuppentiere.

Hunderttausende Tiere pro Jahr gewildert

Pangolin (Schuppentier) | Bildquelle: dpa
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Die Schuppen des Pangolins bestehen aus Keratin. ähnlich wie Fingernägel - und doch werden sie vor allem deshalb gewildert.

"Allein letztes Jahr haben wir 62 Tonnen Schuppen gefunden - nur die Schuppen, nicht die Tiere", so Lourens. Diese stammten von etwa 300.000 Tieren in einem Jahr. "Das sind nur die, die beschlagnahmt wurden. Alles andere wissen wir ja gar nicht."

Ermittler schätzen, dass die beschlagnahmten Schuppen nur zwischen acht und zehn Prozent der gewilderten Tiere ausmachen. Gewildert werden sie wegen ihrer Schuppen, die sie in der Natur eigentlich ja sogar schützen. Wie die Hörner von Nashörnern oder menschliche Fingernägel bestehen sie aus Keratin - und doch werden sie in Asien in der Medizin verwendet. Bis zu 1000 Dollar kostet das Kilogramm. Aber auch das Fleisch wird gegessen. "In Asien gibt es Restaurants, da zeigen sie dir lebende Tiere und du sagst, welches du essen möchtest", berichtet Lourens.

Richtige Syndikate steckten dahinter, so Richard Chelin vom Institut für Sicherheitsforschung in Johannesburg. Ihm zufolge haben die Wilderei und der Handel mit Schuppentieren ungeahnte Dimensionen erreicht. Er spricht von einer "Bedrohung für die nationale Sicherheit". Denn es betreffe "die Sicherheit unserer Grenzen, unseres Landes. Diese Netzwerke zielen nicht nur auf die Natur ab."

Pangoline - extrem gefährdete Gärtner der Natur

Schuppen von Pangolinen auf einem Markt in Nigeria | Bildquelle: REUTERS
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Schuppen von Pangolinen sind sogar auf einem Markt in Nigeria zu finden.

Selbst in Südafrika kennen wenige Menschen dieses Tier überhaupt. Denn diese ausgesprochen sonderbare Spezies ist nicht nur scheu, sondern bis heute wenig erforscht. Grundsätzlich aber bezeichnet sie Toby Jermyn vom Umweltverband Pangolin Africa als eine zentrale Säugetierart. Pangoline seien die Gärtner der Natur: "Sie verschlingen gewaltige Mengen Insekten. Die Arten hier in Südafrika sind nachtaktiv, sie verbringen ihre Abende und Nächte also damit, in Nestern von Ameisen und Termiten zu buddeln. Wenn es keine Schuppentiere mehr gibt, dann geraten Ameisen und Termiten außer Kontrolle." Es gebe bereits Berichte über Landstriche, deren Fläche kleiner geworden sei, seit es dort keine Pangoline mehr gebe.

In Südafrika werden regelmäßig Wilderer zu Gefängnisstrafen verurteilt. Und doch: Alle fünf Minuten wird ein Pangolin gefangen - nicht nur in Südafrika, sondern überall auf dem Kontinent, wo sie leben. Obwohl sie keine natürlichen Feinde haben, sind sie gefährdet. Forscher schätzen, dass es von den vier afrikanischen Pangolin-Arten in 20 Jahren keine mehr geben wird, wenn die Wilderei genauso weitergeht wie bisher. Das eine Weibchen immerhin, das von der Pangolin-Ärztin behandelt wird, soll in Kürze in einem Nationalpark freigelassen werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 17. August 2019 um 17:15 Uhr.

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