Proteste Sacramento | Bildquelle: REUTERS

Proteste in Sacramento Die Wut der Schwarzen auf die Polizei

Stand: 30.03.2018 20:51 Uhr

Am 18. März war Stephon Clark im Garten seiner Großmutter von der Polizei erschossen worden - seitdem ist die Stimmung in Sacramento angespannt. Viele unterstellen der Polizei Rassismus.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Die Stimmung in Sacramento ist aufgeheizt. Seit Tagen geht hier vor allem die afroamerikanische Bevölkerung auf die Straße und macht ihrer Wut über den Tod von Stephon Clark Luft. Höhepunkt war die Beerdigung des 22-Jährigen. Dort war auch der Bürgerrechtler Al Sharpton anwesend. Er sprach davon, dass dies kein lokales Problem sei. Überall im Land würden sie schwarze junge Männer töten. Mit "sie" meint Sharpton die Polizei. Die Beamten sollen aus rassistischen Gründen vorschnell das Feuer auf den Mann eröffnet haben.

Der Vorfall hatte sich am 18. März ereignet. Die Polizisten hatten einen Anruf erhalten, dass ein Verdächtiger mehrere Autoscheiben eingeschlagen und sich danach in einem Garten versteckt habe soll. Die Beamten verfolgten den zweifachen Familienvater Clark. Offenbar hatten sie das Smartphone, das er in seiner Hand hielt, für eine Waffe gehalten und insgesamt 20 Schüsse auf ihn abgefeuert.

Viele sehen rassistisches Motiv

Auf Druck der Öffentlichkeit hatte die örtliche Polizei Videoaufnahmen aus einem Hubschrauber und von den Körperkameras der Polizisten veröffentlicht, die das Geschehen zeigen. Doch die Videos selbst befeuern Spekulationen über einen rassistischen Hintergrund. Denn die Beamten stellten die Kameras nach den Schüssen auf lautlos.

Menschen protestieren mit Schildern gegen Polizeigewalt | Bildquelle: AP
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Seit Tagen protestieren Menschen im kalifornischen Sacramento gegen Polizeigewalt.

Für viele Menschen, die nun an den Protesten teilnehmen, wirkt es so, als habe die Polizei den Vorfall noch vertuschen wollen. Dabei sei die Beweislage doch eindeutig: "Wir haben das Video gesehen. Tut jetzt das Richtige", fordert Bürgerrechtler Sharpton. Und Stephon Clarks Bruder sprach davon, dass es Unruhen geben würde, wenn die Polizisten nicht zur Rechenschaft gezogen würden: "Die Familie des Erschossenen will Gerechtigkeit und eine gründliche Untersuchung", fodert er.

Ein "nationales Problem"

Der Fall wurde mittlerweile an die Generalstaatsanwaltschaft übergeben. Der Bürgermeister von Sacramento, Darrel Steinberg, sagte dem Radiosender NPR, das Problem sei ein nationales. Zu viele schwarze junge Männer würden von der Polizei erschossen. "Ich glaube nicht, dass unsere Polizei hier rassistisch ist. Aber es ist eine andere Frage, ob implizierter Rassismus jeden Tag das Leben der schwarzen Gemeinschaft hier beeinflusst. Wir müssen in den Spiegel schauen und das ändern."

Stephon Clark ist einer von Dutzenden unbewaffneten Männern, die durch Polizeigewalt ums Leben gekommen sind. In den USA gibt es immer wieder Diskussionen um Polizeigewalt und einen unterschwelligen bis offenen Rassismus gegenüber jungen schwarzen Männern. Und bis jetzt sieht es nicht so aus, als würde Sacramento so schnell zur Ruhe kommen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. März 2018 um 01:00 Uhr.

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